Region: Augsburger Land

Zeitreise ins Jahr 1969

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Freie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Corinna Kammerer im Lesesessel mit einem Bestseller von 1969.

Anlässlich des 50. Jahrestages der Stadterhebung Bobingens hat der Heimatverein „d’Hochsträßler“ in seinen Museen Sonderausstellungen über den Alltag im Jahr 1969 vorbereitet.
„Nach einem Aufruf in der Zeitung erhielt der Verein viele Fundstücke aus Schränken und Dachböden“, erzählte Corinna Kammerer, die Vorsitzende des Heimatvereins, während sie an einem Tisch mit Tischtuch und Porzellan aus den 60er Jahren saß. „Im Laufe des Jahres werden wir alles nach Themen sortiert präsentieren.“ Am Internationalen Museumstag am vergangenen Sonntag wurde die Ausstellung zum Thema „Haushalt und Feste“ im Dachgeschoss der Alten Mädchenschule in der Pestalozzistr.1 eröffnet und sehr gut besucht.
Im Raum des Textilmuseums sieht man Dinge, die auf einer sogenannten „Frisierkommode“ aus der damaligen Zeit hätten stehen können. Das für alle erschwingliche Duftwasser namens 4711 fehlt ebenso wenig wie die beheizbaren Lockenwickler von Neckermann. Wer 1969 mehr als vier Jahre alt war, wird manches wiedererkennen. Ein Föhn war damals fast ganz aus Metall gefertigt und dadurch um ein Vielfaches schwerer als heutige Geräte aus Kunststoff. Da die Warenauswahl kleiner war als heute, dürften manche Besucher exakt das gleiche Modell zu Hause gehabt haben. Sobald man die Gegenstände sieht, erinnert man sich und der Gang durch die Ausstellung wird zu einer Zeitreise. Im Raum des Pergamentmuseums sind Gläser und ein Brautkleid ausgestellt. Beides gibt es heute noch, nur die Mode hat sich geändert. Andere Dinge sind aus unserer Warenwelt jedoch ganz verschwunden. Dazu gehören Sammeltassen, Schreibmaschine, Tonbandgerät, Kassettenrekorder, Plattenspieler, Röhrenradio und auch die Häkeldeckchen, die damals gern zur Dekoration auf die Geräte gelegt wurden. Der Einkochtopf oder die Milchkanne aus Zink werden heute nicht mehr benötigt. Auch Wählscheiben-Telefone aus grauem Bakelit, dem ersten vollsynthetischen Kunststoff, der damals noch für viele Haushaltsgegenstände verwendet wurde, werden bald vergessen sein.

Gegensätze zwischen den Generationen 

Im Raum des Schulmuseums gibt es Stoffe aus jener Zeit zu sehen. Dagmar Templin hat daraus Taschen und Kissenbezüge genäht. Modern waren Jeansstoffe, große Blumen als Verzierung und die Farbe Orange – Einflüsse der sogenannten „Hippie-Mode“. An einer Stellwand hängt eine mit Stickereien verzierte rotkarierte Schürze. Solche Arbeiten wurden 1969 von den Mädchen im Handarbeitsunterricht hergestellt, während zur selben Zeit A.S.Neill seine Vorstellung von antiautoritärer Erziehung entwickelte. Sein Buch liegt in der Leseecke des Museums. Über dem Lesesessel hängt ein Stickbild an der Wand von der Art, wie sie 1969 von vielen Frauen angefertigt wurden. Im selben Jahr traten Jimi Hendrix, Janis Joplin und andere bei einem Open-Air-Musikfestival in Woodstock auf. Die Zeit vor 50 Jahren war eine Zeit großer Gegensätze zwischen den Generationen.
An einer anderen Stellwand finden sich Seiten aus der Festzeitschrift zur Stadterhebung. Unter der Überschrift „Vom Straßendorf zur aufstrebenden Stadt“ wird geschildert, wie sich das landwirtschaftlich geprägte Bobingen durch den Zuzug von Flüchtlingen, Evakuierten und „Gastarbeitern“ zu einer mit Wohnungen dicht bebauten Stadt mit nur noch 56 Landwirten entwickelte und wie die Fertigung von Trevira-Produkten am Ort ab 1956 den wirtschaftlichen Aufschwung brachte. Eine Ausstellung zum Thema „Mode und Kleidung“ wird von 11. bis 13. Juli zu sehen sein, das Thema „Mondlandung“ mit originalen Zeitungsausschnitten wird bis zum 21. Juli aufgebaut sein. Am Wochenende des 1. Advents werden Erinnerungsstücke an „Weihnachten und Spielzeug“ gezeigt.

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