Region: Günzburg|Krumbach

Vom Wert des Theaters: Kulturförderung im Burgauer Stadtrat

Freier Mitarbeiter Marc Hettich
Dörte Trauzeddel (rechts) und Vera Hupfauer tauchen gerne in andere Rollen ein - hier im Stück "Zum Teufel mit der Jugend“.

Im Kulturausschuss ging es nun um Vereinszuschüsse und Kultursubventionen.

Besonders schwer trifft die Corona-Pandemie die Kulturbranche. Der Kulturausschuss des Burgauer Stadtrates diskutierte unlängst über Vereinszuschüsse und Kultursubventionen, unter anderem auch für das Neue Theater. Im Verlauf der Debatte brachten einzelne Ausschussmitglieder ein Mitspracherecht der Stadt ins Gespräch. Sie wünschen sich zusätzliche Angebote des Theaters für die Burgauer, etwa ein Schulklassen-Gratiskontingent.

Bürgermeister Martin Brenner hatte einen Austausch zwischen den Theatermacherinnen Dörte Trauzeddel und Vera Hupfauer vorgesehen, um sich auf das weitere Vorgehen zu verständigen. „Das Gespräch hat noch nicht stattgefunden“, erklärt Dörte Trauzeddel. Man habe aber den Stadträten einen Vorschlag schriftlich zukommen lassen: „Wir bieten der Stadt beispielsweise für Schulen an, kurzfristig auf freie Plätze, für die keine Tickets verkauft wurden, zuzugreifen.“ Ob das Gremium diese Idee annehmen wird, war bei Redaktionsschluss unklar. Es drängt sich die Frage auf: Was macht das Neue Theater eigentlich?

„Sehr gut kam damals unsere Inszenierung von Shakespears Sommernachtstraum an“, erinnert sich Dörte Trauzeddel. „Daran waren 60 Menschen beteiligt, darunter ein Blasorchester, Schüler von einer Krumbacher Musikschule und Kinder und Jugendliche vom Gymnasium Wettenhausen als Darsteller.“ Das war lange vor Corona. Ein solches Mammutprojekt lässt sich unter den Bedingungen der vergangenen zwei Jahre natürlich kaum realisieren. Auch auf gelegentliche Konzerte muss das Publikum verzichten. Insgesamt ist das Neue Theater aber glimpflich durch die Corona-Zeit gekommen: „Natürlich auch dank unseres Fördervereins“, stellt die in Leipzig geborene Schauspielerin fest. „Unsere Gäste entscheiden kurzfristiger“, erklärt sie. „Sie sind vorsichtiger und verunsichert.“ Die Rückgabeformalitäten angesichts sich häufig ändernder Regelungen schrecken ab. „Wir haben aber ein treues Stammpublikum, das sich jedes Stück anschaut“, freut sich die Theater-Enthusiastin.
Warum ist Theater besser als Streaming? „Ich schau auch gerne Netflix“, verrät Dörte lachend. „Das sind zwei verschiedene Medien. Theater ist live und lebendiger.“ Ihre Kollegin Vera Hupfauer ergänzt: „Im Film dreht man jede Szene so lange, bis sie perfekt ist. Auf der Theaterbühne ist die Szene so, wie Du in dem Moment spielst.“ Nach der Aufführung käme es im Foyer häufig zum Austausch zwischen Publikum und Schauspielern. „Theater kann Themen setzen.“ Die gelernte Theaterpädagogin schätzt den Perspektivwechsel im Schauspiel. „Es stärkt die Empathie, denn Du musst Dich intensiv in jede Rolle einfühlen.“ Darum sei ihr wichtig, mit Jugendlichen zu arbeiten. Zuletzt 2019 hat sie über ein Jahr ein Stück mit einer Jugendgruppe erarbeitet, das dann natürlich auf die Burgauer Bühne kam. Sowohl Dörte als auch Vera haben ihre Berufung zum Beruf gemacht. Im Neuen Theater in Burgau haben die Theatermacherinnen die Chance, Ihre Ideen umzusetzen. Dabei stehen sie nicht nur auf der Bühne, sondern führen auch Regie, kümmern sich um Maske sowie Bühnenbau und übernehmen Intendanz und Verwaltung. „Wir haben ein sehr freundschaftliches und menschliches Miteinander“, meint Vera. „Dafür haben wir natürlich etwas weniger Sicherheit als Kolleginnen in festeren Strukturen.“ Dörte findet gut, dass sie über die Auswahl der Stücke Menschen zum Nachdenken anregen oder auch einfach nur zum Lachen bringen kann.

Letzteres dürfte auch im neuen Stück „Die Tür nebenan“ nicht zu kurz kommen – eine Gelegenheit sich selbst ein Bild davon zu machen, was Dörte und Vera leisten. Fest steht jedenfalls: Theaterfreunde müssen lange suchen, um ein vergleichbar professionelles Theaterprojekt in der Region zu finden.

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