Region: Dillingen|Wertingen

Engagement für jüdische Geschichte in Buttenwiesen: Hans Kaltner und Johannes Mordstein geehrt

Kunstminister Bernd Sibler (letzte Reihe, mittig) übergab mit Horst Hofmockel (Regierung von Schwaben, von links) und Generalkonservator Mathias Pfeil an Johannes Mordstein (Gemeindearchivar) und Hans Kaltner (Erster Bürgermeister von Buttenwiesen) die Denkmalschutzmedaille 2021. Mit dabei waren Landtagsabgeordneter Fabian Mehring und Simone Hartmann (Landesamt für Denkmalpflege).

Instandsetzung der ehemaligen Mikwe in Buttenwiesen und ihr Engagement für die jüdische Geschichte und Baukultur der Region mit Denkmalschutzmedaille 2021 gewürdigt.

Hans Kaltner, erster Bürgermeister der Gemeinde Buttenwiesen, und Johannes Mordstein, Archivar der Gemeinde, erhalten eine von bayernweit 15 Denkmalschutzmedaillen 2021. Kunstminister Bernd Sibler überreichte am Donnerstag in Buttenwiesen im Landkreis Dillingen die Auszeichnung für die Instandsetzung der ehemaligen Mikwe in Buttenwiesen und das Engagement für die jüdische Geschichte und Baukultur der Region, wie das Ministerium in einer Pressemitteilung informiert.

Sibler dankte Kaltner und Mordstein für ihren Einsatz: „Das Ensemble aus ehemaligem jüdischen Badehaus, Friedhof und Synagoge ist eine bayernweit einzigartige Konstellation. Diese drei historisch wertvollen Stätten vermitteln einen hervorragenden Eindruck vom jüdischen Leben bis 1938.“

Generalkonservator Professor Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, ergänzte: „Gerade im Festjahr jüdischen Lebens 2021 setzt ein Projekt wie dieses ein herausragendes Zeichen und gewährt Zugang zur jüdischen Kulturgeschichte." Die Denkmalpflege brauche Menschen, die sich einsetzen und ihre Zeit, Ideen und Kraft einbringen. Genau deshalb sei die Verleihung der Denkmalschutzmedaille als Würdigung dieses Einsatzes so wichtig.

Das ehemalige jüdische Badhaus liegt gemeinsam mit der ehemaligen Synagoge und dem jüdischen Friedhof am Schulplatz östlich der Ortsmitte von Buttenwiesen als weitgehend erhaltenes Ensemble. Nach einem Brand war 1856 der Neubau der benachbarten Synagoge erforderlich geworden. Gleichzeitig mit der neuen Synagoge entstand das Badhaus im Stil eines schlichten schwäbischen Wohnhauses. Tatsächlich lebte eine Familie dort. Die eigentliche Mikwe der jüdischen Gemeinde befand sich in einem Zimmer mit zwei in den Boden versenkten Becken. Bis 1938 wurde sie als Ritualbad genutzt. Im Zweiten Weltkrieg waren dort polnische und französische Kriegsgefangene untergebracht. Noch heute zeugen ihre Inschriften an den Wänden davon. 2005 hat die Gemeinde Buttenwiesen das bedeutende Baudenkmal mit dem Ziel erworben, es instand zu setzen und der Öffentlichkeit als Museum zugänglich zu machen. Zuvor wurde es unter anderem archäologisch erforscht. Nach den Grabungen sind nun auch die Becken wieder zu sehen. Als begehbares Exponat vermittelt es einen lebendigen Eindruck vom jüdischen Leben und der Riten bis 1938, aber auch von der Nachnutzung als Arrestzelle während des Zweiten Weltkriegs. (pm)

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