Region: Augsburger Land

Bahntrasse Ulm – Augsburg: Diedorf schert aus

Beim Ausbau der Bestandsstrecke Ulm – Augsburg durch Neusäß und Diedorf müssten einige Häuser wegfallen.

Der Diedorfer Marktgemeinderat hat beschlossen, aus der gemeinsamen Resolution für ein Drittes Gleis auf der Bahnstrecke Augsburg-Ulm auszusteigen.

Im Februar 2020 hat die Region große Geschlossenheit gezeigt: In einer gemeinsamen Resolution forderten zwölf Kommunen aus dem nördlichen und westlichen Landkreis Augsburg den Bau eines Dritten Gleises auf den Bahnstrecken zwischen Augsburg und Ulm sowie Augsburg und Donauwörth. Jetzt, da der Ausbau zumindest als Variante tatsächlich zur Diskussion steht, ist die Marktgemeinde Diedorf aus der Resolution ausgestiegen.

Einstimmig haben am Dienstag die Mitglieder des Marktgemeinderats diese Entscheidung getroffen. "Bei den jetzt aktuellen Planungen ist klar geworden, dass die jetzigen Voraussetzungen gänzliche andere sind, als zum Zeitpunkt des Beschlusses", ist einer der Gründe, wie sie in der Beschlussvorlage aufgeführt sind. Tatsächlich zeichnet sich ab, dass die "Betroffenheiten der Kommunen an der Bestandstrasse wesentlich gravierender" seien, als bisher angenommen, wie es weiter in der Beschlussvorlage heißt. Konkret sind von einem möglichen Ausbau der Bestandsstrecke Grundstücke und Gebäude von Privatpersonen betroffen, was unter anderem auch in Westheim und Neusäß der Fall wäre. Der Neusässer Bürgermeister Richard Greiner hatte sich deshalb zuletzt "einen ,Schwenk' auf die Neubauvariante(n) entlang der A8" offen gehalten – was ebenfalls einer Abkehr von der gemeinsamen Resolution gleich käme.

"Die Meinungsbildung zum Trassenverlauf muss offen geführt werden, ohne Vorbelastung durch einen politischen Willen", begründet Diedorfs Bürgermeister Peter Högg, warum man in der Marktgemeinde nicht mehr an der Resolution festhalten wolle. Vielmehr solle die "Trassenwahl von der Bahn objektiv nach bahnspezifischen Kriterien" getroffen werden, so der Wille des Gemeinderats.

Högg und seine Räte sehen nun auch Landrat Martin Sailer in der Pflicht. Sailer hatte 2020 die gemeinsame Resolution auf den Weg gebracht, um die Ge- und Entschlossenheit der Region zu dokumentieren. "Von Landrat Sailer erwarten wir Gesprächsbereitschaft", stellt Högg klar. Der Landrat müsse die Thematik auch im Kreistag nochmal diskutieren.

Sailer selbst hält sich zu diesem Thema noch bedeckt. In seinem Jahresinterview mit der StaZ sagte er dazu: "Bislang habe ich mich noch für keine der Optionen ausgesprochen, da sie in den Details noch zu unkonkret sind und in den kommenden Wochen mit allen Beteiligten diskutiert werden müssen. Eine wirklich informierte Entscheidung wird aus meiner Sicht frühestens im Frühjahr möglich sein.“ (mh)

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