Region: Dillingen|Wertingen

Landkreis Dillingen setzt Meisen gegen den Eichenprozessionsspinner ein

Nisthilfen für Meisen sollen künftig einen Biozideinsatz bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners entbehrlich machen. Von der Umsetzung des Versuchsprojekts überzeugte sich Landrat Leo Schrell vor kurzem bei einem Ortstermin an der Kreisstraße zwischen Lutzingen und Deisenhofen. Im Foto von links: Landrat Leo Schrell, Julia Heidtke (Untere Naturschutzbehörde), Manfred Herian (Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege), Winfried Hämmerle und Josef Paulus (Kreisbauhof).

Der Kreisbauhof Dillingen hat an verschiedenen Stellen entlang von Kreisstraßen und Radwegen Nisthilfen für Meisen angebracht.

Wie auf den Einsatz von Bioziden bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners verzichtet werden kann, dazu bat die Vorsitzende der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen und der Linken im Kreistag, Heidi Terpoorten, Landrat Leo Schrell um Prüfung. Nun wird versuchsweise die Population von Meisen als natürlicher Fressfeind gefördert, damit hatten bereits einige Gemeinden bei der Bekämpfung Erfolg. Studien zu konkreten Zahlen, wie viele Raupen des Eichenprozessionsspinners eine Meise tatsächlich frisst, fehlen bislang. Sollte die Aktion erfolgreich sein, wird sie im kommenden Jahr fortgesetzt.

Heimischer Nachtfalter

Der in unserer Region heimische Eichenprozessionsspinner ist einen Nachtfalter, der von Ende Juli bis Anfang September schwärmt, ein hohes Gesundheitsrisiko für den Menschen birgt und deshalb in sensiblen Bereichen nicht vorkommen soll. Das Verbreitungsgebiet des Eichenprozessionsspinners in Bayern weitet sich seit Jahren erheblich aus. Der Schädling kommt mittlerweile flächendeckend im gesamten Landkreis vor.

Der Nachtfalter neigt besonders in Trockenjahren zu Massenvermehrungen, wobei lichte Eichenwälder, Alleen, Bestandsränder und Einzelbäume in warmtrockenen Jahren bevorzugt werden. Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.) kommt in Bayern an Stieleiche, Traubeneiche und Roteiche vor. Die älteren Raupen bilden große Gespinstnester an Stämmen und in Astgabelungen. Von hier aus wandern die Raupen aus den hohen Kronen schrittweise zu ihren Fressplätzen, wobei sie Prozessionen in Form von breiten Bändern bilden. Wenn die Raupen etwa Augenhöhe erreichen, ist die Gefährdung des Menschen besonders groß.

Die Raupen tragen Gifthaare, die auf der Haut und an den Schleimhäuten teils allergische Reaktionen hervorrufen. Die Beschwerden reichen von heftig juckenden Hautausschlägen (Raupendermatitis) bis zu Asthmaanfällen. Die Gespinstnester können mehrere Jahre als feste Gebilde erhalten bleiben. Somit können die Gifthärchen mehrere Jahre in der Umwelt intakt bleiben. Gesundheitsprobleme können somit auch außerhalb der Raupenperiode auftreten. Die mikroskopisch kleinen Gifthaare können bis zu 200 Meter weit mit dem Wind vertragen werden.

Auch Augen und Haut von Tieren wie Hunde und Pferde reagieren empfindlich. Über die Aufnahme der Brennhaare mit der Nahrung besteht für Tiere die Gefahr von Magenschleimhautentzündungen.

Bekämpfung

Grundstückseigentümer mit Eichenbestand, die einen Befall vermuten, erhalten auch Rat zur Erkennung und Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners bei der zuständigen Gemeinde- und Stadtverwaltung und bei der unteren Naturschutzbehörde. Das Landratsamt weist ausdrücklich darauf hin, dass die Bekämpfung wegen gesundheitlicher Belastung und spezieller Arbeitstechnik nur von Fachleuten durchzuführen ist. Aus Gründen des Natur- und Artenschutzes dürfen Bäume in der freien Natur während der Vegetationsperiode vom 1. März bis 30. September nicht gefällt und Hecken und Gehölze nicht beseitigt werden.

Koordinationsstelle für Standortmeldungen der Eichenprozessionsspinner und Beratung: Landratsamt Dillingen, Thomas Fluhry, Telefon 09071/51-182 und Manfred Herian, Telefon 09071/51-180, E-Mail an naturschutz[at]landratsamt.dillingen[dot]de. (pm)

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