Region: Augsburger Land

Anderer Hersteller, gleiche Sorgen: Juwi informiert zum Windpark bei Dinkelscherben

Dorfansicht mit Windrädern: Das Unternehmen Juwi hat nun in einer virtuellen Veranstaltung zu dem Projekt informiert.

Mit einer virtuellen Informationsveranstaltung wirbt die Juwi AG um Akzeptanz für einen Windpark im Ettelrieder Wald.

Das Unternehmen Juwi möchte bei Dinkelscherben einen Windpark errichten. Dazu bot es am Montag eine Informationsveranstaltung an – coronabedingt fand diese nur virtuell im Internet statt und erreichte nur ein entsprechend kleines Publikum.

Die wohl größte Überraschung für die rund 30 Teilnehmer: Die Firma Juwi hat den Hersteller der Windenergieanlagen gewechselt. Statt zehn Giganten aus dem Hause Siemens Gamesa, sollen nun genauso viele Anlagen des dänischen Herstellers Vestas zum Einsatz kommen. Mit knapp unter 250 Metern Höhe unterscheiden sich die neuen Modelle kaum von den bisher in der Planung verwendeten. Alexander Bromberger, Projektleiter bei der Juwi AG für den Windpark Ettelried, betont denn auch ein ums andere Mal: "Wir sind noch ganz am Anfang."

Ein bisschen was hat sich aber schon getan. So zitiert der Projektleiter aus einem Gutachten, das feststellen soll, ob besonders schützenswerte Vogelarten durch den Windpark gefährdet wären. Zwar komme in dem Bereich der Rotmilan vor, doch dieser niste eher am Waldrand und jage auch auf offenem Feld, so dass Bromberger hier kein Konfliktpotenzial erkennt. Ähnlich verhält es sich mit den Schwarzstörchen, von denen einige das betroffene Gelände überflogen hätten, aber zwischen Mai und Oktober habe der Gutachter keinen mehr entdeckt.

Und damit sind die großen Neuigkeiten in der rund zweistündigen Veranstaltung für die meisten Teilnehmer wohl erschöpft. Vieles, so viel ist sicher, muss erst noch geklärt werden: Baugrundgutachten, Ausgleichsflächen, ja selbst ein Gutachten zum zu erwartenden Windertrag steht noch aus. Trotzdem trifft Juwi schon jetzt Aussagen über den erwarteten Ertrag und die Versorgung von 27 500 Haushalten mit dem geplanten Windpark. "Das ist aktuell nur eine Prognose, die ist mit großen Unsicherheiten behaftet", räumt Bromberger ein. Er versichert aber, dass hier großzügige Sicherheitspuffer mit einkalkuliert würden und Bromberger gibt zu verstehen, dass eher pessimistisch gerechnet werde.

Das Thema Schall und Infraschall übernimmt in der Sitzung Mathias Hartmann von der Firma IBAS, der für den Windpark auch das entsprechende Schallgutachten erstellt hat. "Schall ist bei Windkraftanlagen immer ein großes Thema", gibt Hartmann zu und erläutert ausführlich die Grundlagen für die Berechnung der Schallwerte für den geplanten Windpark. Der Schallleistungspegel einer Windenergieanlage des verwendeten Typs liegt laut Herstellerangaben bei 104 Dezibel (dB(A)) – in einer Tabelle, die Hartmann zeigt, liegt Schwerlastverkehr als Geräuschquelle knapp unter 100 Dezibel. Nach Hartmanns Berechnungen blieben aber die an der Wohnbebauung rings um den Park ankommenden Geräusche deutlich unter den gesetzlich vorgegebenen Richtwerten – rein rechnerisch wohlgemerkt. Der höchste prognostizierte Wert liegt laut Hartmann bei 36 dB (A) in Ettelried beziehungsweise in Reichertsried. Für reines Wohngebiet liegt der Richtwert nachts bei 35 dB(A).

Das Thema Infraschall spielt laut Hartmann gar keine Rolle, da hier die Abstände zur Wohnbebauung zu groß seien. Immerhin zitiert er aber doch das Robert-Koch-Institut, das feststellt, dass Infraschall schädlich sein kann. Das stimme auch, gibt Hartmann zu, "aber nur in sehr hohen Dosen". Und diese seien im geplanten Projekt nicht zu erwarten, so Hartmann.

Viel Zeit nimmt sich Bromberger, um die Fragen der Teilnehmer zu beantworten. Besonders die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung stößt auf Interesse. Denn das Projekt will Bromberger als Bürger-Windpark verwirklichen. Er verspricht eine Rendite von fünf Prozent.

Keinen Zweifel lässt Bromberger an der Entschlossenheit Juwis. Noch ist nämlich nicht klar, wie viel Windkraftanlagen tatsächlich gebaut werden können. Denn: Ein Großteil der Räder entspricht nicht der in Bayern geltenden 10-H-Regelung, wonach eine Windenergieanlage die zehnfache Höhe von der nächstgelegenen Wohnbebauung entfernt sein muss. Bei einer Höhe von 250 Metern sind das 2,5 Kilometer. Lediglich für vier Windkraftanlagen wäre dieser Abstand möglich und diese vier Anlagen will Bromberger auf jeden Fall beim Landratsamt Augsburg beantragen. Das soll im Herbst 2021 erfolgen.

Für mehr Windräder benötigt Juwi die Erlaubnis des Markts Dinkelscherben. Hier müsste der Marktgemeinderat einen Bebauungsplan aufstellen, der die Unterschreitung der 10-H-Regelung erlaubt. Laut Bromberger soll dazu noch in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung fallen.

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