Region: Augsburger Land

Dinkelscherben trauert um Resi Linder: Fast ein Jahrhundert voller Optimismus und Ehrenamt

Resi Linder ist im Alter von 99 Jahren am Donnerstag verstorben.

Resi Linder starb im Alter von 99 Jahren. Ein kleiner Rückblick auf das Leben einer besonderen Frau.

Am Donnerstag, 13. Januar, starb Theresia „Resi“ Linder an den Folgen eines Sturzes. Die bekannte Dinkelscherberin wurde 99 Jahre alt. „Ihr sollt’s nicht schwarz gehen, ihr sollt’s nicht trauern, dass ich gestorben bin, sondern dankt’s unserem Herrgott, dass ihr mich so lange gehabt habt“, sagte sie damals in einem Interview.

Bis vor einigen Jahre dachte die rüstige Rentnerin nicht ans „Ruhe“ geben, ging auf Veranstaltungen in ihrem Heimatort und engagierte sich ehrenamtlich, unter anderem für das Marienheim in Baschenegg. Dafür erhielt sie 2013 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Doch das hohe Alter und die Folgen für Körper und Geist machten der einst so taffen Frau zunehmend zu schaffen. Ihr Lächeln, wenn man sie draußen vor ihrem Haus in der Sonne sitzen sah, verlor sie jedoch nie.

„Wenn man so alt ist, und sich noch selbst versorgen kann, das ist doch ein Geschenk Gottes“, lautete ein Satz, den Resi Linder immer wieder sagte. Ein weiterer war: „I bin a alt’s Weib, aber mir geht’s gut“. Diese beiden Sätze waren stellvertretend für ihren großen Optimismus und wesentlicher Bestandteil ihrer Lebensphilosophie. Jammern hörte man sie selten.

Resi Linder wurde am 29. Juni 1922 in Dinkelscherben geboren. Nach der Schule bekam sie eine Zusage auf eine Modeschule in München, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zerstörte auch ihre Zukunftspläne. Um dem Arbeitsdienst zu entgehen, entschied sich Linder für den örtlichen Kindergarten St. Anna und machte eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. „Damals schrieben wir mit unseren Kindern öfters Briefe an die Soldaten an der Front“, erinnerte sich Linder. Und so kam es eines Tages, dass sie von ihrem damaligen Freund Hermann einen Brief zurückbekam mit der Bitte, ihn doch zu heiraten. Dies geschah dann auch 1943, noch in Kriegszeiten und während des Heimaturlaubes ihres Mannes. Für Linder begannen danach Jahre der Ungewissheit und für ihren Mann die Kriegsgefangenschaft, aus der er einige Zeit später glücklicherweise, aber mit bleibenden Schäden, zurückkam. Mit ihm baute sie nach dem Krieg ein gut florierendes Baugeschäft auf.

Ob in der Kirche, auf jedem Dorffest, beim Seniorennachmittag oder beim Rockkonzert auf dem Marktplatz: Auch mit Anfang 90 war Resi Linder stets da, wo was los war. Und oftmals hatte sie ihr kleines Sparschwein mit dabei. Denn Linder betreute über 40 Jahren lang das Kinderheim Baschenegg. Mit den Spenden ermöglichte sie den Kindern beispielsweise Urlaubsfahrten in den Sommerferien, kleine Geschenke zu Weihnachten oder Schulsachen. Auch den Katholischen Frauenbund hatte Linder nach dem Krieg 1951 mit dem damaligen Pfarrer Prestele in Dinkelscherben gegründet. Weiterhin engagierte sie sich in vielfältiger Hinsicht in der Kirche und als langjähriger Vorstand der örtlichen Frauenunion.

Vielen Dinkelscherbern war Resi Linder auch in ihrem silbernen VW Polo bekannt, den sie bis zum 94. Geburtstag fuhr. Wenn sie mit ihrem Flitzer mit breiten Reifen, doppeltem Auspuff und hoher Drehzahl durch die Straßen brauste, musste so mancher Passant am Straßenrand schmunzeln.

Mit jungen Leuten konnte Resi Linder stets gut umgehen, hinterlässt sie doch selbst eine große Familie. Ein noch lebender Bruder, zwei Töchter, drei Enkel und sechs Urenkel bereiteten ihr stets viel Freude und gaben Kraft. Nun, knapp ein halbes Jahr vor ihrem 100. Geburtstag, ist Resi verstorben. Sie wird am Mittwoch, 19. Januar., in Dinkelscherben begraben, was auch stets ihr letzter Wunsch war.

Einen Kurzfilm über Resi Linder gibt es im Internet zu sehen unter

(Suchbegriff bei YouTube: Resi Dinkelscherben). (mick)

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