Region: Augsburger Land

Windpark bei Dinkelscherben: Bürgerinitiative bittet um Einhaltung der 10-H-Regel

Zu einer Malaktion hat die Kreativgruppe der Bürgerinitiative LebensWerte Reischenau die Kinder aus den betroffenen Ortsteilen eingeladen. Am Spielplatz in Ettelried wurden die Bilder ausgestellt. Klare Botschaft: Die Kinder wollen die Waldbewohner retten.

Die Bürgerinitiative LebensWerte Reischenau wendet sich wegen des bei Dinkelscherben geplanten Windparks mit einer eindringlichen Bitte an den Marktgemeinderat.

Es geht der Bürgerinitiative (BI) LebensWerte Reischenau um eine Versachlichung der Diskussion, wie sie selber in ihrer jüngsten Pressemitteilung betont. Zuletzt hatte unter anderem das Unternehmen Juwi, das den Windpark plant, versucht, mit einer Anzeigenkampagne die eigene Sicht auf den Windpark, der bei Dinkelscherben entstehen soll, in der Öffentlichkeit zu platzieren. Die Bürgerinitiative kontert nun.

Von zentraler Bedeutung für die Bürgerinitiative ist die Einhaltung der 10-H-Regelung, der zufolge der Abstand einer Windenergieanlage von Wohnungen mindestens zehn Mal so groß sein muss, wie die Anlage hoch ist. Für die zehn geplanten jeweils 250 Meter hohen Windkraftanlagen müsste also ein Abstand von 2500 Metern eingehalten werden. Doch das wäre bei der Mehrzahl der Räder nicht der Fall. Entsprechend der Gesetzesbegründung der Bayerischen Staatsregierung solle durch die Regelung "ein angemessener Interessensausgleich zwischen den Anforderungen der Energiewende und den zu berücksichtigenden Interessen der örtlichen Wohnbevölkerung geschaffen werden", erinnert die Bürgerinitiative daran, warum es die 10-H-Regelung in Bayern gibt.

"Zum Schutze der direkt betroffenen Anwohner sowie Natur- und Landschaftsbild, bitten wir bei einer anstehenden Beschlussfassung, zum Wohle der besorgten Bürger zu entscheiden", wenden sich die Vertreter der Bürgerinitiative an die Entscheidungsträger – und erinnern daran, dass die Anlagen des benachbarten Windparks an der A8 zwischen Zusmarshausen und Scheppach die 10-H-Regel einhalten.

Aber nicht allein um den richtigen Abstand sind die Bürger der Dinkelscherbener Ortsteile Ettelried und Engertshofen besorgt. Sie zweifeln an der Eignung des Standorts: "Im Bayerischen Windatlas ist die Fläche im Ettelrieder Forst als nicht mal mittelmäßig geeigneter Standort und als sensibel zu behandelnde Fläche beschrieben", argumentieren sie. Es sei anzunehmen, dass der prognostizierte Ertrag bei weitem nicht erzielt werden könne. Dies lasse sich auch anhand von Veröffentlichungen benachbarter Windenergieanlagen ableiten. Aus diesem Grund können sie auch die großflächige Abholzung, die für den Windpark nötig wäre, nicht gut heißen. "Der Wald in Ettelried ist Landschaftsschutzgebiet und Naherholungsgebiet", sagt die BI und erklärt weiter: "Bäume binden Kohlenstoffe und bremsen den Klimawandel."

Im angrenzenden Bereich des zum Bau des Windparks vorgesehenen Areals befinden sich außerdem vier der neuen Trinkwasserbrunnen der Gemeinde Dinkelscherben. Daher sei nach Meinung der BI "das Waldgebiet als Trinkwasserspeicher und Garant für hohe Wasserqualität zu sichern". Für eine Vielzahl von Tieren, darunter auch geschützte Arten wie der Rotmilan, stellen laut BI die Eingriffe in das Waldgebiet und die Windenergieanlagen selbst eine lebensbedrohende Gefahr dar. "Unter Abwägung all der genannten Aspekte stellt sich die Frage, ob der geplante Windpark unter dem Strich nicht mehr Probleme verursacht, als er lösen kann", schließt die Bürgerinitiative ihre Pressemitteilung. (pm/mh)

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