Region: Aichach|Friedberg

Corona-Ausbruch im Friedberger Krankenhaus: Neue Vorwürfe gegen Verantwortliche

Hygienemängel wirft eine Task-Force des Landesamts für Gesundheit dem Friedberger Krankenhaus vor.

Im Fall des Corona-Ausbruchs im Friedberger Krankenhaus spitzen sich die Vorwürfe gegen die Klinik und gegen das Gesundheitsamt zu. Insgesamt sieben Menschen sollen sich seit dem Ausbruch im November in dem Krankenhaus angesteckt haben und an der Infektion verstorben sein. Eine Task-Force des Landesamts für Gesundheit, die das Geschehen untersucht, sieht offenbar massive Versäumnisse.

Das Friedberger Krankenhaus ist eigentlich eine Non-Covid-Einrichtung. Patienten mit Corona sollen also nicht dort, sondern im Aichacher Krankenhaus behandelt werden. Dennoch traten bereits im November erste Corona-Fälle in Friedberg auf. Im Januar wurde bekannt, dass zwei Patienten, die bei Einlieferung in die Klinik negativ getestet wurden, später im Krankenhaus an Corona verstarben. Zahlreiche weitere Patienten und Mitarbeiter wurden im Lauf der Monate ebenfalls positiv getestet.

Wenn sich Patienten in einem Krankenhaus mit einem Erreger infizieren, spricht man von einer nosokomialen Infektion. Bereits ab zwei Fällen handelt es sich laut Robert-Koch-Institut um ein Ausbruchsgeschehen im Sinne des Infektionsschutzgesetzes. Für die Ermittlung der Ursache und eine Verhinderung eines weiteren Ausbruchsgeschehens ist das Gesundheitsamt zuständig. Und dem werden im Fall des Friedberger Krankenhauses nun massive Versäumnisse vorgeworfen.

Eine Task-Force des Landesamts für Gesundheit habe einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge nun festgestellt, dass keine gesetzeskonforme Überwachung von nosokomialen Infektionen stattfinde. Die zuständige Hygienefachkraft sei demnach nach eigenen Angaben überfordert und habe zuletzt im November eine Begehung des Krankenhauses durchgeführt. Es gebe keine Aufzeichnungen zu nosokomialen Infektionen, stattdessen habe man nach Ursachen für die Infektionen gesucht, die außerhalb der Klinik liegen. Ferner soll der Zwischenbericht Hygienemängel in dem Krankenhaus aufdecken: FFP2-Masken seien nicht sachgemäß gelagert worden, Desinfektionsmittel nicht richtig ausgezeichnet, Kot sei nicht ausreichend beseitigt worden und Mitarbeiter hätten in den Pausen keine Masken getragen.

Hinzu komme, wie der BR weiter berichtet, dass das Gesundheitsamt, trotz erster Fälle im November, erst am 12. Januar eine sehr knapp gehaltene Dienstanweisung herausgegeben habe. Auch zu diesem Zeitpunkt habe die Gesundheitsamtsleiterin noch kein Ausbruchsgeschehen gemeldet. Somit habe auch die Öffentlichkeit weiterhin nichts von dem Geschehen erfahren. Erst am 18. Januar wurde der Ausbruch gemeldet und es kam zu einer Begehung mit dem Klinikleiter. Es sei vorher nicht nötig gewesen, sich ein Bild zu machen, verteidigte die Leitern ihr Handeln gegenüber dem BR. Seit Ende Januar Reihentestungen begannen und für zwei Stationen ein Aufnahmestopp erfolgte, meldete das Gesundheitsamt 90 Corona-Fälle. Sieben seien an der Infektion verstorben.

Zuletzt enthüllt der BR noch ein besonders pikantes Detail: Die Task-Force, die nun die Fälle untersucht, hätte von der Gesundheitsamtsleitung persönlich geleitet werden sollen. Die Regierung von Schwaben habe zu dieser Personalfrage nicht Stellung nehmen wollen, klar sei laut BR allerdings, dass der Zwischenbericht der Task-Force keine Versäumnisse des Gesundheitsamtes auflistet, nur des Krankenhauses.

Zu den Vorfällen hat sich auch Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, geäußert. Es gebe keine Entschuldigung dafür, "dass es gerade in Zeiten der Pandemie zu solch eklatanten Versäumnissen in der Umsetzung von Hygienevorschriften kommt" und Patienten und Personal der Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt würden, so Haubrich. Sollte es sich bewahrheiten, dass eine Dienstanweisung zum Umgang mit Covid-Fällen erst zwei Monate nach Ausbruch herausgegeben worden sei und es zudem keine räumliche und personelle Trennung zwischen Gesunden und Infizierten, Verdachtsfällen sowie Kontaktpersonen gegeben habe, dann müsse die Frage nach Konsequenzen für die Verantwortlichen erlaubt sein.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X