Region: Aichach|Friedberg

Katholischer Frauenbund Friedberg: 100 Jahre soziales Engagement, Solidarität, Halt und mehr

LeserReporter Dagmar Weindl aus Friedberg
Gemeinsame Erlebnisse stärken den Zusammenhalt - wie hier bei einer Bibelwanderung

Zusammenhalt, Beistand, Freundschaft, gemeinsame Erlebnisse, neue Kontakte, Inspiration, Spiritualität, Ökumene, Austausch … – die Liste all dessen, was die Mitglieder des Katholischen Frauenbunds Friedberg an ihrem Verein so sehr schätzen, ist lang und ließe sich unendlich fortschreiben. Im Oktober feiert der Katholische Frauenbund Friedberg sein 100-jähriges Bestehen – Grund genug, sich mit der Historie zu beschäftigen und einen Blick darauf zu werfen, was den Frauenbund heute ausmacht.

Die 150 Friedbergerinnen, die ihrem Zweigverein derzeit angehören, sind Teil einer sehr großen Institution. Deutschlandweit gehören rund 180.000 Mitglieder, die in 1.800 Zweigvereinen organisiert sind, dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) an, davon stellt allein der Bayerische Landesverband, zu dem aus historischen Gründen auch die Diözese Speyer gehört, mehr als 90 Prozent der Mitglieder. Der Frauenbund, der 1903 in Köln von mutigen katholischen gegründet wurde, war und ist sowohl ein gesellschaftspolitisch aktiver und sozial-caritativer Frauenverband als auch kirchlich und ökumenisch engagiert.

100 Jahre soziales und caritatives Engagement von Frauen

Vor Ort füllen die Zweigvereine diese Aufgaben mit Leben. In Friedberg lag der Fokus bei der Gründung vor 100 Jahren vor allem auf dem sozialen Engagement. Die Chroniken der ersten Jahre lassen den Betrachter heute staunen. Schon allein wegen der gestochen scharfen Handschrift in Sütterlin, darüber hinaus aber auch über den Inhalt der Protokolle, die dort akribisch festgehalten sind. So wird in den 1930er-Jahren von Treffen des Frauenbunds berichtet, aber auch von deren Einschränkung wegen des Versammlungsverbots. Julie Burkhart, damals Erste Vorsitzende des Frauenbunds, hält protokollarisch Wallfahrten, die Teilnahme an Diözesantagungen oder Generalversammlungen fest. Auch wird von Vorträgen über die christliche Caritas und „rasch durchgeführten“ Sammlungen unter Mitgliedern berichtet, sodass 20 Mark dem Hochwürdigen Herrn Stadtprediger übergeben werden konnten, „welcher behilflich ist, arme Kinder in ein Erholungsheim zu schicken“.

Das caritative Handeln zieht sich durch die Jahrzehnte. Die Frauen sind darauf bedacht, „kranken und alten Leuten Freude zu machen mit Geldspenden“. Sie sammeln viel Geld, um die katholische Frauenhilfe der Diözese zu unterstützen, die sich Ende der 1940er-Jahre der Betreuung von Flüchtlingen und sonstigen hilfsbedürftigen Menschen widmet, vier Heime für Kriegsversehrte versorgt und leitet.

Daneben gestalten die Frauen auch kirchliche Feste, Wallfahrten und Andachten mit und sind deshalb ein wichtiger Teil des gemeindlichen Lebens. Aber auch Vorträge, Schulungen, Ausflüge, Treffen und fröhliche Feiern, wie beispielsweise im Fasching, bereichern das Leben der Frauen über Generationen hinweg.

Kontakte knüpfen und Zusammenhalt erfahren

Mitte der 1990er-Jahre wurde in Friedberg auf Anregung der Diözese eine weitere Frauenbundgruppe gegründet, die den Anliegen der jüngeren Generation gerecht werden sollte. Zunächst fanden hier – ungeplant – lauter neu Zugezogene eine Anlaufstelle, berichtet Lisa Wenderlein, die heute als geistliche Beirätin im Vorstand des Frauenbunds tätig ist, von ihren Erfahrungen in der Frauengruppe. Sie habe es ebenso wie andere Frauen sehr geschätzt, auf diesem Weg andere kennenlernen zu können, Kontakte zu knüpfen und Zusammengehörigkeit zu erfahren. So ist es kein Wunder, dass die Mitglieder des Frauenbunds von vielen Freundschaften berichten, die in der Gruppe entstanden sind. Monika Weighardt, seit vielen Jahren im Vorstand, ist heute noch dankbar, dass sie nach dem Tod des Partners vom Frauenbund getragen wurde. „Die waren für mich da.“. Ebenso ist auch sie heute für andere da und übernimmt beispielsweise Besuchsdienste bei Frauen, die nicht mehr zu den beliebten Treffen außer Haus gehen können. Eine überaus wertvolle Aufgabe – insbesondere während der Corona-Pandemie. Für Monika Weighardt ist dieser Dienst „einfach schön“. Zum Teil habe sie die Frauen bis in den Tod begleitet.

Auch daran wird deutlich, warum der Katholische Frauenbund Friedberg auch 100 Jahre nach seiner Gründung noch eine wichtige Rolle spielt – für die Frauen, für die Pfarrei und darüber hinaus. Er trägt die Mutter-Kind-Gruppe, die Maxi-Gruppe, die Mittagsbetreuung für die Schulungen, veranstaltet Schulungen und bietet ein breites Angebotsspektrum.

Ein breites Spektrum an Angeboten – offen für alle

Die beiden Frauenbundgruppen sind inzwischen verschmolzen. Gemeinsam wird für jedes Quartal ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt, das unterschiedliche Angebote für unterschiedliche Generationen und Interessen beinhaltet. Auch für Nichtmitglieder sind diese jederzeit offen. So sind alle zum monatlichen Stammtisch im Divano eingeladen, außerdem gibt es diverse Wanderungen, den Kreativtreff, Lyrikabende, Gottesdienste, Besinnungstage zu biblischen Themen oder Frauentage mit Workshops, gemeinsamem Essen und Gottesdienst. Bekannt ist der Frauenbund natürlich auch für seinen nahezu legendären Stand beim karitativen Christkindlmarkt in Friedberg, dessen Einnahmen seit 2003 dazu beitragen, die Indien-Mission der Pallottiner und das Ndanda-Afrika-Projekt der Mittelschule Friedberg zu unterstützen. Die Frauen hoffen, dass die zahlreichen Angebote im Programm nach den coronabedingten Einschränkungen bald wieder möglich sind.

Ökumenisch und interkulturell

Großen Wert legen die Frauen auch auf die Ökumene, „die bei uns von Anfang an großgeschrieben wurde“, sagt Monika Weighardt. Sie kann auch noch aus einer Zeit berichten, als der Abriss des alten katholischen Pfarrheims Ende der 1970er-Jahre dem Frauenbund die Räumlichkeiten nahm. „Das Angebot der evangelischen Gemeinde, deren Alte Kirche für unsere Treffen nutzen zu dürfen, war damals schon bemerkenswert und hat uns zweieinhalb Jahre lang ein Zuhause geboten.“ Und so verwundert es nicht, dass der Frauenbund den ökumenischen und interkulturellen Austausch mit der evangelischen und islamischen Gemeinde und den Kontakt zu türkischen oder syrischen Frauen in Friedberg bis heute sehr hochhält. 

Der Friedberger Verein beweist auch 100 Jahre nach der Gründung seine Bedeutung. Viele Frauen haben hier über Generationen hinweg Kontakt gefunden und gepflegt. Sie waren und sind für sich, aber auch für andere da und sind deshalb eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft. Der Vorstand hofft, dieses Konzept auch in der Zukunft mit Leben füllen zu können und freut sich deshalb auch stets über weitere interessierte Frauen, die sich an den Angeboten beteiligen oder gerne auch eine neue Gruppe gründen können – entsprechend ihren Wünschen und Anforderungen. „Räume stehen zur Verfügung“, erklärt Birgitt Greppmair stellvertretend für das siebenköpfige Vorstandsteam, „Tür und Tor stehen für alle offen.“
Zum Jubiläum ist ein Gottesdienst am 17. Oktober um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Jakob geplant.

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