Region: Aichach|Friedberg

Kritik an hohen Bauhof-Kosten

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Das Team des städtischen Bauhofs braucht ein neues Domizil; der teure Vorentwurf stößt im Stadtrat auf Kritik. Foto: Stöbich

Stadtrat diskutiert Vorentwurf für einen Neubau

Peter Stöbich
Friedberg. Das eine Leuchtturm-Projekt ist noch nicht einmal eröffnet, da will die Stadt Friedberg schon das nächste in Angriff nehmen. So teuer wie die Sanierung des Wittelsbacher Schlosses, nämlich rund 20 Millionen Euro, könnte auch der Neubau des Baubetriebshofs werden, über den schon seit Jahrzehnten diskutiert wird. In seiner jüngsten Sitzung lag dem Stadtrat ein umfangreicher Vorentwurf vor, der auf deutliche Kritik stieß.
So bezeichnete Herta Widmann (CSU) den vorgesehenen Standort am "Lueg ins Land" als ungeeignet, weil der Untergrund und die Regenwasserbeseitigung problematisch seien. "Deshalb war klar, dass es teuer wird", sagte sie in der dreistündigen Debatte und forderte, dass es durch den Neubau keine Nachteile für die Bürger von Rederzhausen geben dürfe.
Claudia Eser-Schuberth (Grüne) schloss sich der Kritik an, "weil im Entwurf alles wegfällt, was zur Nachhaltigkeit beitragen würde". Eine Hackschnitzelheizung hätte nach Auskunft des Planers 300.000 Euro gekostet. Weitere 700.000 Euro würde außerdem ein Kreisverkehr kosten, der die Zu- und Abfahrt zum Bauhof, aber auch die Abbiegemöglichkeit ins Gewerbegebiet an der Engelschalkstraße verbessern soll. Man müsse sich nach alternativen Standorten umsehen, so Eser-Schuberth; den Kreisverkehr nannte sie "völlig überdimensioniert und nicht notwendig".
Die ausführliche Diskussion im Beisein zahlreicher Bauhof-Mitarbeiter hatte Baureferent Carlo Haupt mit einem Rückblick auf die vergangenen drei Wahlperioden begonnen. Bereits im März 1999 hatte sich Friedberg auf den Neubaustandort "Lueg ins Land" festgelegt und eine eigene Arbeitsgruppe des Stadtrats wurde ins Leben gerufen. Während des ganzen Jahres 2017 gab es zahlreiche Besichtigungen und Besprechungen.
"Die ursprüngliche Planung hätte die 20 Millionen-Marke weit überschritten", so Bürgermeister Roland Eichmann, so dass verschiedene Abstriche gemacht und die Bruttogeschossfläche von 7960 auf 6780 Quadratmeter reduziert wurden. Die dadurch erzielten Einsparungen werden aber wahrscheinlich wieder aufgefressen durch die Preissteigerungen bis zum geplanten Baubeginn im Frühjahr 2020.
Nach aktueller Planung rechnet die Stadt mit Kosten von knapp 18 Millionen Euro, die innerhalb der nächsten beiden Jahre jedoch steigen können. Das wäre das Doppelte dessen, was früher einmal im Gespräch war. Thomas Kleist (CSU) sprach von einer "politischen Fehleinschätzung der Kosten“.
Das Baureferat geht bei der aktuellen Summe von einer Abweichung von zehn Prozent nach oben oder unter aus. Eichmann (SPD) räumte ein, dass die Planung auf den bestehenden Bauhof zugeschnitten und nicht zukunftsfähig sei.
Die Neubaupläne reichen weit zurück: Schon in den 1990er Jahren gab es dazu Überlegungen im Stadtrat. Mehrere Standorte wurden untersucht, bis 1999 schließlich die Entscheidung für das Gelände am "Lueg ins Land" fiel. Damals wollte man mit dem Verkaufserlös des alten Bauhofgeländes den Neubau realisieren. Ein Wunsch, der sich aber schnell wieder verflüchtigte, denn zu weit klafften die Beträge auseinander. Auf Veranlassung der damaligen CSU-Mehrheit im Stadtrat wurde dort 2004 eine neue Halle mit rund 1000 Quadratmeter Fläche gebaut, doch dann ging dem Vorhaben wieder die Luft aus.
Der aktuelle Vorentwurf sieht unter anderem eine Tiefgarage und Technikräume, Lager und Lkw-Halle, Hebebühne, Werkstätten sowie Sozial- und Verwaltungsräume vor; die behindertengerechte Erschließung soll durch einen Aufzug erfolgen. Auf dem Gelände des alten Bauhofs an der Stefanstraße in Friedberg-Süd könnte dann "relativ günstiger Wohnraum" entstehen, so der Bürgermeister. Gedacht ist dort an 133 Wohneinheiten sowie eine öffentliche Tiefgarage mit 106 Stellplätzen.
Auch nach dreistündiger Diskussion traf der Stadtrat keine konkrete Enrscheidung; jetzt soll geprüft werden, welche finanziellen und zeitlichen Folgen es hätte, nochmals alternative Standorte zu untersuchen. Weil die mehr als fünf Dutzend Mitarbeiter des städtischen Bauhofs das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun haben, bekommen sie Verstärkung durch eine eigene Straßenunterhaltsgruppe, die flexibler und auch günstiger arbeiten kann als eine externe Firma.
Denn das Personal von Bauhof-Leiter Willi Erhard hat im weitläufigen Stadtgebiet soviel zu tun, dass es oft nur noch Gefahrenstellen ausbessern kann; zu den Hauptaufgaben des Strassenunterhalts gehören nicht nur Reparaturen, sondern auch das Aufstellen von Verkehrszeichen, die Reinigung der Radwege und Strassen, das Mähen und der Winterdienst, der Unterhalt der Strassensinkkästen und noch einiges mehr.
Auch in den Grünanlagen und städtischen Wohnungen, bei der Baumpflege, beim Laubsammeln und Strassenkehren, bei der Spielplatz- und Gewässerpflege, dem Altstadtfest und vielen anderen Veranstaltungen ist der Bauhof im Einsatz und zuständig für 500.000 Quadratmeter Grünfläche sowie mehr als 200 Kilometer Strassen.

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