Region: Aichach|Friedberg

Maria Alber im Gerüst

Komplett eingerüstet präsentiert sich der Zentralbau von Maria Alber an der Ostseite.

Die Wallfahrtskirche in Friedberg West ist gesperrt, weil die Laternenkuppel einsturzgefährdet ist. Der Umfang der Sanierungsmaßnahmen steht noch nicht fest.

Von der Bundesstraße aus ist das beliebte Wallfahrtskirchlein an der Stadtgrenze zu Augsburg kaum noch zu entdecken. Sehr nah rückte die im Laufe der Jahre wachsende Wohnbebauung an das einst frei in der Landschaft stehende Kleinod heran. Zudem ist Maria Alber inzwischen von hohen Bäumen umgeben. Doch Radfahrer und Fußgänger zwischen Friedberg und Augsburg dürften bemerkt haben, dass ein Teil des Gotteshauses eingerüstet ist. Und wer wie unzählige Gläubige jeden Tag auf seinem Weg gerne kurz innehielt, um in Maria Alber eine Kerze anzuzünden, steht seit kurzem vor verschlossenen Türen.

Seit Ende Juni ist das kleine Gotteshaus mit knapp 350 Jahren Wallfahrtsgeschichte für Besucher gesperrt und ein Teil des Gebäudes, der ursprüngliche Zentralbau mit der charakteristischen Laternenkuppel, eingerüstet. Vor allen Dingen der fragile Zustand dieser Kuppel veranlasste die Kirchenverwaltung zu einer sofortigen Schließung. Zuständig ist die Pfarreiengemeinschaft Augsburg-Hochzoll Heilig Geist und Zwölf Apostel, zu der die Wallfahrtskirche als Seelsorgeeinheit gehört.

Eine durch das Ingenieurbüro Siegfried Ziegler durchgeführte Standsicherheitsprüfung brachte zutage, dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Das Kleinod ist ein beliebter spiritueller Ort für Gläubige, wo immer wieder Gebetsanliegen ausgesprochen werden. Davon zeugen nicht nur die rund 7000 Wachsstummel, die Ulrich Tschuschke als ehrenamtlicher Mesner im Jahr durch neue Kerzen ersetzt, sondern auch das ausliegende Gebetsbuch zum Eintrag. Aufgrund des Sanierungsbedarfs bleibt Maria Alber nun nach Rücksprache mit der Stadt Friedberg als zuständiger politischen Gemeinde bis auf weiteres verschlossen. „Wir mussten zuletzt schweren Herzens auch ein geplantes 60-jähriges Ehejubiläum absagen, das hier gefeiert werden sollte“, bedauert Kirchenverwalter Florian Dorfner. Normalerweise wird jeden Dienstagabend und auch jeden ersten Samstag im Monat in Maria Alber Messe gefeiert.

Der gesamte Umfang der nötigen Sanierungsmaßnahmen ist noch nicht festgestellt. Nach der Erstbegutachtung ist das weitere Prozedere zunächst dem formalen Prüfungsprozess der bischöflichen Finanzkammer unterworfen. „Wir hoffen, dass bald die Genehmigung zur Sanierung vorliegt“, sagt Kirchenverwalter Florian Dorfner.

Eingerüstet wurde zunächst lediglich der barocke Zentralbau der aus zwei Teilen bestehenden Wallfahrtskirche, nicht die später angebaute Vorhalle. Die flache Rundkuppel mit achteckiger sogenannter „Laterne“, einem kleinen Turm mit Fenstern, macht die auf die Frömmigkeit eines Zöllners zurückgehende Kirche zu einem besonderen Bauwerk. „Das Gerüst hat eine Doppelfunktion“, erklärt der Verwalter. „Zum einen stabilisiert es den Dachaufbau, zum anderen ermöglicht es weiterführende Untersuchungen“.

Ein Ingenieurbüro wird nach Rücksprache mit dem Amt für Denkmalpflege den nötigen Maßnahmenkatalog zusammenstellen. Bröckelnder Deckenstuck, Schäden am Putz und Rissbildung lassen vermuten, dass neben der Standsicherung weitere umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich sind. Die letzte größere Renovierung der Kapelle fand 1988 statt. „Die Instandsetzung ist eine große finanzielle Herausforderung für die Pfarrei, die wir nicht aus eigenen Mitteln stemmen können“, weiß Florian Dorfner.

Das Kleinod an der Stadtgrenze im Osten seiner Pfarrei liegt auch Manfred Bauer als Pfarrer der Seelsorgeeinheit sehr am Herzen. Ihren Namen erhielt die Wallfahrtskirche der Historie nach von einer Silberpappel (Populus alba), in deren hohlen Baumstamm an der Zollstation Hochzoll einst ein bayerischer Zollbeamte eine Nachbildung des Altöttinger Gnadenbildes steckte. Die zunehmende Verehrung dieser Gottesmutter führte schließlich zum Bau einer Holzkapelle und schließlich zum steinernen Zentralbau mit später angebauter Vorhalle. (ike)

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