Region: Aichach|Friedberg

Trauer, Schmerz und Wachsreste: Pallottiner entzünden Auferstehungskerze

In der Osternacht wurde die Auferstehungskerze aus Wachsesten in Friedberg entzündet.

Osternacht Die Pallottiner entzünden eine Auferstehungskerze aus Wachsresten. Sie soll die Wunden der Menschen sichtbar machen.

Nach einem langen Herstellungsprozess ist in der Osternacht in der Friedberger Pallotti-Kirche eine Auferstehungskerze aus Wachsresten entzündet worden. Sie sollte die Wunden und Bruchstellen der Menschen sichtbar machen, die die Wachsstücke als Symbol für Dunkles in ihrem Leben an die Pallottiner geschickt haben.

Waschkörbeweise stapelten sich Kerzenreste bei den Pallottinern. Per Post kamen Pakete mit den Wachsstückchen an, oder Menschen legten sie eigenhändig in die Schale im Vorraum der Pallotti-Kirche in Friedberg. Mit ihnen verbunden sei die Hoffnung auf Erlösung von Dunklem und Unerlöstem gewesen, berichten die Friedberger Pallottiner. Als Symbol dafür formte Missionssekretär Pater Markus Hau daraus die neue Osterkerze der Pallottiner.

Sechs Körbe waren am Ende voller Wachsstücke im Keller des Pallotti-Hauses eingesammelt. Die Novizen schnitten sie noch in kleine Stücke, da zum Teil auch ganze abgebrannte Kerzen abgegeben wurden. Mit ihnen seien auch alle Anliegen, die damit verbunden wurden, bei den Pallottinern angekommen, versichert Pater Hau, der die Aktion in der Fastenzeit initiiert hat. Pater Hau habe alle mitgeschickten Briefe gelesen, zum Teil schriftlich beantwortet und manche Menschen auch zurückgerufen. „Wir haben alle Anliegen mit ins Gebet genommen“, sagt Pater Hau und erzählt von Themen wie Trauer, Schuld, Lebensnöten, Lebensschicksalen, Fluchtgeschichten und Dunkelheiten, die in den Briefen aufschienen. Manche Personen hätten auch bewusst Traukerzen oder Taufkerzen mit einem Gebet verknüpft und an die Pallottiner geschickt.

In mehreren Schritten wurde aus dem Wachsstücken neues Kerzenleben erweckt. Bei der Friedberger Künstlerin Isolde Heumann wurden die Reste Schicht für Schicht in ein Rohr gefüllt und mit Flüssigwachs übergossen. Auch dies ein symbolischer Akt. Eine kleinere Kerze zum Üben machte den Vorläufer, sie wird in der Hauskappelle aufgestellt sowie eine weitere in der Krankenhauskapelle in Friedberg. Als drittes und letztes erblickte die ein Meter hohe Osterkerze das Licht der Welt. Durch die weiße Wachsschicht schimmert an einigen Stellen das rote Wachs darunter. „Die Wunden Christi sind in der Kerze drin“, sagt Pater Hau.

Am Karsamstag in der Osternachtfeier war es dann so weit: Am Osterfeuer entzündete Vizeprovinzial Pater Michael Pfenning die ein Meter hohe Kerze, bevor er drei Mal das „Lumen Christi“ – „Christus, das Licht“ in die dunkle Kirche rief. „Diese Kerze berührt mich dieses Jahr besonders“, sagt Pfenning. Da sei Leid, Schmerz, Trauer und Todesangst miteingeflossen. Für den Pallottinerpater mache sie deutlich, dass wir miteinander zum Licht werden können. Und so lautete auch das Motto der Aktion: „Miteinander Licht werden.“ (pm)

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