Region: Aichach|Friedberg

Der Tröstebär macht stark

Christine Schwarz-Marinkovic als Initiatorin (links) und Christine Neukäufer, Gesamtleiterin des St. Afra Hospizes (rechts), freuen sich, dass mit der Gruppe Bärenstark Kinder in Trauer begleitet werden können.

Bereits zum zweiten Mal startet das St. Afra Hospiz eine Trauergruppe für Kinder. Ab Oktober werden sie in sechs Gruppentreffen in ihrer Trauer um den Verlust eines lieben Menschen unterstützt.

Plötzlich ist der Papa nicht mehr da oder die Oma ist nach langer Krankheit verstorben. Für Kinder kann mit dem Tod einer lieben Bezugsperson eine Welt zusammenbrechen, sie ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück und können ihre Gefühle oft nicht äußern. „Kinder trauern anders als Erwachsene“, weiß Christine Schwarz-Marinkovic, Friedberger Koordinatorin im St. Afra Hospiz. Bereits zum zweiten Mal bietet der ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst im Caritasverband Aichach-Friedberg deshalb unter dem Motto „BärenStark“ eine spezielle Trauergruppe für Kinder im Alter von etwa sechs bis elf Jahren. In sechs Treffen haben sie die Möglichkeit, über ihren großen Verlust zu sprechen, sich mit Gleichaltrigen in gleicher Situation auszutauschen und bei kreativem Spiel Ressourcen für die Bewältigung ihrer Trauer zu erfahren.

Ein im Frühjahr gestarteter Kurs mit sieben jungen Teilnehmern wurde mittlerweile erfolgreich abgeschlossen. „Das war die Premiere“, erklärt die Friedberger Hospizkoordinatorin und Trauerbegleiterin Christine Schwarz-Marinkovic. Beim ersten Treffen äußerten einige der Kinder schon wieder Vorfreude auf ein Wiedersehen in zwei Wochen. Wer hätte gedacht, dass bedingt durch die Corona-Pandemie die nächste Zusammenkunft erst drei Monate später sein würde? Die Zwangspause tat dem Gruppenzusammenhalt und der Spielfreude jedoch keinen Abbruch und schließlich waren am letzten Schultag alle jungen Teilnehmer stolz darauf, dass sie trotz ihrer starken Trauergefühle das Schuljahr geschafft hatten und verabschiedeten sich nach sechs Treffen auch gestärkt für die Zukunft.

Diese Möglichkeit will das Team von fünf eigens für die Bedürfnisse von Kindern geschulten Trauerbegleitern um Schwarz-Marinkovic auch anderen jungen Menschen ermöglichen, die mit dem Verlust einer geliebten Bezugsperson fertig werden müssen. Eine große Rolle bei der Unterstützung der Kinder in ihrer Trauer spielen die Teddybären der Kartei der Not. Sie gaben dem Gruppenangebot auch den Namen. Noch vor dem ersten Treffen darf jeder künftige Gruppenteilnehmer sich einen Bären aussuchen, der ihn begleiten wird und ihm Halt in schweren Stunden geben kann.

Das Programm sieht vor, die trauernden Mädchen und Buben mit spielerischer Kreativität und Hilfe zur Selbsthilfe so weit zu stärken, dass sie mit ihren Gefühlen der Trauer besser umgehen können. Da wird ein Gefühlsbarometer erstellt, Liebesbriefe an den Verstorbenen geschrieben, Musik gemacht, gelacht und getanzt und mit einer Vielzahl an Materialien wie Farben und Büchern die eigenen Stärken herausgefunden. Bei den bisherigen Teilnehmern ging dieses kindgerechte Konzept auf. „Es ist so schön hier, meinem Papa hätte das gut gefallen“, sagte beispielsweise ein Mädchen in Gedanken an ihren verstorbenen Vater.

Das eigens erstellte Hygienekonzept für die Kinder-Trauergruppe mit Maske, Abstand und viel Händedesinfektion nach jeder Aktion tat dem Spaß der Kinder keinen Abbruch. Als wertvoll erachten die Organisatoren auch die Möglichkeit, dass die Bezugspersonen der trauernden Kinder beim Bringen und Abholen Kontakte untereinander knüpfen können. Beim Abschlussritual mit Singen und Tanz sind sie ebenfalls integriert und erfahren so auch, in welchem Umfeld sich ihre Kinder bewegen. Großen Wert legen die Trauerbegleiter auch auf ein Vorgespräch mit den Bezugspersonen und den Kindern, bevor diese die Gruppe besuchen.

Die neue Kindertrauergruppe beginnt am Freitag, 9. Oktober. Die Herbstferien markieren mit der Pause die Halbzeit der sechs freitäglichen Treffen der Trauergruppe. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon 0821/217024-16 informieren und anmelden. Die Gruppentreffen finden statt in den Friedberger Räumen der Caritas in der Hermann-Löns-Straße 6, zweiter Stock links. (ike)

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