Region: Aichach|Friedberg

Die Wittelsbacher als Städtegründer

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Das Friedberger Schloss wird kommendes Jahr Schauplatz der Landesaustellung sein. Foto: Stöbich

Die Landesausstellung 2020 erfordert viel Vorarbeit und Geld

Peter Stöbich
Friedberg. Auf Hochtouren laufen im Wittelsbacher Land die Vorbereitungen für die grosse Landesausstellung im kommenden Jahr. Bei der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses in Friedberg gab es aber auch Kritik am erforderlichen Aufwand und den hohen Kosten. So sprach Marion Brülls (Grüne) von einem finanziellen Abenteuer und einer Fehlentscheidung. Mit Beginn des Jahres 2020 werden im Schloss wegen der Ausstellung keine Veranstaltungen mehr möglich sein.
Roland Fuchs (SPD) sah den positiven Effekt im Vordergrund, stellte aber fest: "Aufwand und Ertrag sollten sich die Waage halten!" Bürgermeister Roland Eichmann berichtete, man habe finanzstarke Sponsoren finden können und bereits mit den Werbemaßnahmen für die von Mai bis November dauernde Ausstellung bgegonnen.
Der Friedberger Verkehrsverein hat einen eigenen Arbeitskreis gegründet; man hofft, dass sich in den Schlossräumen bis zu 600 Besucher gleichzeitig aufhalten können. Lange Zeit stand das kulturelle Großprojekt auf der Kippe, schließlich konnte im Kultusministerium aber der Kooperationsvertrag unterzeichnet werden.
"2020 wird es eine ganz besondere Veranstaltung geben", freut sich Kultusminister Ludwig Spaenle: "Sie eröffnet einen Blick auf eine wichtige Phase der Geschichte Bayerns – auf das 12. bis 14. Jahrhundert im Westen des heutigen Freistaats." Damals bildeten sich fest umrissene Territorien unter starken Landesherrn. Die Wittelsbacher traten besonders als Städtegründer hervor.
Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, sagt: ,Am Lech stießen im Hochmittelalter die Einflusssphären der prägenden Dynastien des Reiches zusammen: der Staufer und Welfen. Hinzu traten als staufische Gefolgsleute die Wittelsbacher. Modern wurde durch diese Familien die Stadtgründung als Machtinstrument. Friedberg war deutlich gegen die Bischofs- und dann Reichsstadt Augsburg gerichtet, Aichach sicherte die wichtige Nord-Süd-Straßenverbindung."
Beide Städte seien idealtypische Beispiele von Stadt- und Marktgründungen im Mittelalter, in deren Stadtkernen sich die alten Gründungsstädte noch heute sichtbar erhalten haben. Besonders hebt Loibl die Aktualität des Themas hervor: „Heute ist gerade in Bayern die Bewältigung des Wachstums in den städtischen Ballungsräumen eine gewaltige Herausforderung. Obwohl unsere Möglichkeiten, entferntere Räume verkehrstechnisch zu erschließen, viel größer sind als damals, fehlt uns offenbar mittelalterlicher Pioniergeist: An eine Stadtgründung wagt sich in Bayern derzeit keiner. Wie so etwas überhaupt geht, wollen wir in der Landesausstellung zeigen.“
Sie wird dieses spannende Thema mit hochrangigen Originalexponaten aus Bayern und Europa demonstrieren, eingebettet in eine moderne Ausstellungsarchitektur. Neuartig wird der enge Konnex von multimedialen Elementen und mediengestützten Führungsangeboten in den historischen Innenstädten sein.
Während man im Friedberger Schloss eine eher traditionelle Ausstellung mit klassischen Exponaten vorhat, will man in Aichach neue Wege gehen. Das alte Feuerwehrhaus an der Martinstraße Hauptausstellungsort werden. Loibl und sein Team möchten dort das Thema Stadtgründung bis in die heutige Zeit weiterspielen.
Bei den Vertretern des Wittelsbacher Landes herrscht nach der kurvenreichen Vorgeschichte Erleichterung. Denn zunächst war geplant, die Schau unter dem Motto „Die frühen Wittelsbacher“ zu veranstalten. Dann aber fielen Kloster Scheyern und Oberwittelsbach, die Stammsitze der Grafen von Scheyern, die sich schon früh Wittelsbacher nannten und dann rund 800 Jahre lang Bayern regierten, als Ausstellungsorte aus - Friedberg stand alleine da.
Erst eine Idee aus dem Haus der Bayerischen Geschichte und die Bereitschaft der Stadt Aichach, bei dem Projekt mitzumachen, brachten die Wende. Nun wird das Ganze unter dem Titel „Die Wittelsbacher als Städtegründer“ stattfinden. Friedberg möchte im Sommer 2020 die Gäste vor allem auch mit seinen vielen Kunstwerken locken. Um die 50 Stücke gebe es mittlerweile in Friedberg, so Kulturamtsleiter Frank Büschel. „Wir haben einen großen Kunstschatz im öffentlichen Raum“, sagt er. Nicht nur für die Besucher der Ausstellung konzipiert die Stadt eine Broschüre, in der sämtliche Kunstwerke vorgestellt werden. Dazu gibt es Informationen darüber, wo sie im Friedberger Stadtgebiet zu finden sind.
Während sich das Haus der Bayerischen Geschichte um den Inhalt der Ausstellung kümmert, liegt die Verantwortung für das Drumherum beim Landkreis sowie den Städten Aichach und Friedberg. Wie Koordinator Wolfgang Müller vom Landratsamt sagt, reicht das von der Infrastruktur wie Parkplätzen, Ausschilderung, Transportmittel und -wege zu den Ausstellungsorten bis hin zum Rahmenprogramm, Marketing und Personal.
Sowohl in Aichach als auch in Friedberg sollen Besucher laut Müller aus der Ausstellung in die Innenstadt gehen und sich anschauen, was in beiden Städten noch von den Wittelsbachern zu sehen ist. Ein Tablet-Computer oder ein anderes Gerät könnte hilfreiche Erklärungen liefern.
Eine Aufgabe wird sein, wie die Besucher von Aichach nach Friedberg kommen und umgekehrt. Der Landkreis hat bereits bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft beziehungsweise beim Ministerium angefragt, ob am Wochenende ein halbstündiger Zugtakt zwischen Aichach und Friedberg möglich ist. Auch für Radler und E-Biker soll eine Verbindung zwischen den Städten eingerichtet werden.

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