Region: Augsburger Land

Die Musik begleitet ihn seit seiner Kindheit

Freier Mitarbeiter Jutta Kaiser aus Neusäß
Wieder in einem Orchester spielen können. Das wünscht sich der Fagottist Raphael Sirch.

Die Pandemie hat auch den jungen Künstler Raphael Sirch schwer getroffen.

Im vergangenen Oktober durfte sich der Fagottist Raphael Sirch zusammen mit weiteren begabten Musikern noch über den großen Erfolg eines Kirchenkonzerts in der Kirche St. Adelgundis in Anhausen freuen. Doch wegen Corona sind dem jungen Künstler nur noch Grenzen gesetzt. Somit blickt er nicht nur auf ein wenig gutes Arbeitsjahr zurück, sondern auch mit Sorgen in die Zukunft. „Man verdient auch mit Musik ja nicht nur Geld aus Spaß“, sagt er. Er war deshalb froh, auf ein wenig Erspartes zurück greifen zu können und dass seine Frau weiterhin die Möglichkeit hat, Geld zu verdienen. „Ich wäre ganz schön ins Schwitzen gekommen, denn von den Politikern kommen nur große Worte und es geschieht nichts." Dennoch blickt er zumindest in privater Hinsicht mit einem sehr guten Gefühl auf das Jahr 2020 zurück - denn es war auch das Jahr, in dem er seiner Frau das Jawort gab.

Im Grundschulalter erlernte Sirch das Blockflötenspiel. Mehr Spaß hatte er am Erlernen des Euphoniums, ein Instrument ähnlich einer Tuba. Mit 14 Jahren führte ihn sein Musiklehrer an das Fagott heran und vom ersten Moment an fand er dieses Instrument klasse. 2007 begann er als Jungstudent im Fach Fagott bei Professor Karsten Nagel am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg, wo er 2009 sein Bachelor Studium aufnahm. Nach und nach wurde er mit seinen Kammermusikensembles als Stipendiat bei Yehudin Menuhin Live Music Now in Augsburg, Salzburg und München aufgenommen und gewann mit seinem Fagott-Trio Wettbewerbe. 2019 schloss er den Master of Music mit Hauptfach Fagott, Nebeninstrument Kontrafagott sowie Kammermusik mit 1,0 ab und wurde Lehrbeauftragter für Kontrafagott am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Als Assistent von Professor Nagel in der Fagott- und Kammermusikklasse gibt er Technikstudien und unterrichtet Kammermusik.

Ein tägliches Übungspensum von mindestens vier Stunden

„Es ist der Klang des Instruments, der mich so fasziniert“, erklärt Sirch, der vor allem Spaß am gemeinsamen Musizieren hat. Als ehemaliges Mitglied im Bayerischen Landesjugendorchester spielt er mit großer Leidenschaft in verschiedenen Ensembles. Besonders am Herzen liegt ihm das Ensemble Fagotti Parlandi, um 2000 von Professor Nagel als Hochschulensemble gegründet. Aus diesem erwuchs innerhalb weniger Jahre ein hoch professionelles Bläserensemble, das mit Preisen geehrt wurde und inzwischen ein Aushängeschild für Bläser- und Kammermusik ist. Wichtig ist Sirch, seinem Publikum die Kammermusik verständlich zu machen und ihm Freude zu bereiten. „Fagott ist kein Instrument, das jedes Kind gerne erlernen möchte“, ist ihm bewusst. Er bezeichnet sein Instrument als „Orchideen-Instrument“, welches vom Musiker so einiges fordere. Ein tägliches Übungspensum von mindestens vier Stunden ist neben weiteren Proben- und Konzerttätigkeiten erforderlich. Auch die hölzernen Mundstücke stellt er selbst her.

Der freischaffende Musiker war vor der Pandemie regelmäßig als Aushilfe in Orchestern unterwegs wie den Augsburger Philharmonikern, dem Orchester der KlangVerwaltung oder der Bayerischen Kammerphilharmonie. Dabei spielte er unter der Leitung namhafter Dirigenten wie Roberto Abbado, Enoch zu Guttenberg, Kent Nagano oder Ivan Repusic. (jkw)

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