Region: Günzburg|Krumbach

DJ Sunshine: Wie ein Discjockey die Corona-Krise erlebt

Freier Mitarbeiter Marc Hettich
Seine wahre Leidenschaft ist die Musik: DJ Sunshine alias Patrick Mielke bei der Arbeit.

Die Corona-Pandemie trifft die Veranstaltungsbranche besonders hart. Patrick Mielke, besser bekannt als DJ Sunshine, berichtet von seinem schwierigen Berufsalltag während des Lockdowns – und übt Kritik an der Kopplung von Öffnungen an den Inzidenzwerten.

„Wenn Du den Regler runterdrehst, und alle singen mit – das ist ein tolles Gefühl“, schwärmt der 35-Jährige. Patrick Mielke ist professioneller Discjockey. „Privat geht's mir super“, stellt er fest, fügt aber gleich an: „Geschäftlich ist es grad eine extrem harte Zeit.“

2019 war Patrick alias DJ Sunshine, noch auf 152 Veranstaltungen aktiv. Dazu kämen noch fünf Veranstaltungen mit seiner Eventagentur. Der aus Darmstadt stammende Wahl-Krumbacher hat sein Unternehmen ganz bewusst auf drei Säulen aufgebaut, um flexibel zu bleiben. Der Lockdown lässt aber weder das Auflegen noch Geschäfte mit seiner Eventagentur zu. „Im Bereich Marketing ist aktuell etwas mehr Nachfrage“, freut er sich. Werbeartikel wie Banner oder Kugelschreiber seien wieder gefragt.

Seine wahre Leidenschaft ist aber die Musik. Damit er aktiv bleibt, macht er gelegentlich Livestreams. „Da waren auch schon bis zu 80 Zuschauer dabei“, erinnert sich der DJ. „Geld verdiene ich damit natürlich nicht, aber der Marketingeffekt ist nicht zu verachten.“ Fürs kommende Jahr habe er auf diesem Weg schon Buchungen ergattert.

Vor der Pandemie hat er regelmäßig im Wellness Hotel Engel im Tannheimer Tal bei der Küchenparty für die Gäste des Hotels aufgelegt. Jede Woche ist er dienstags, beladen mit seinem Equipment, ins Tannheimer Tal gefahren. Dort hat er die Technik in der Küche aufgebaut und dann für die passende Musik zum Essen gesorgt.

Das Hotel habe gleich nach dem ersten Lockdown wieder angefragt. Die Küchenparty war aufgrund der Auflagen zwar nicht möglich, aber samstags dürfe Patrick in der Hotelbar auflegen. Im vergangenen Sommer zwischen den Lockdowns sei er auf sechs Hochzeiten mit je 100 Gästen als DJ tätig gewesen. „Es war sehr schön, wieder die fröhlich feiernden Gäste zu erleben. Diese haben sehr ausgelassen gefeiert.“ Wichtig sei, dass sich auf diesen Feiern nachweislich niemand mit Corona infiziert habe.

Die Interaktion mit dem Publikum ist auch etwas, das ihm an seiner Arbeit besonders gefällt. „Wenn ich sehe, wie die Menschen beim Tanzen Spaß haben und ich noch einen draufpacke, damit sie richtig eskalieren – das ist für mich das Größte“. Schon als Jugendlicher habe er mit selbst zusammengestellten CDs im Zeltlager oder am Badesee für die richtige Musik gesorgt.

Patrick sieht durch den Lockdown die gesamte Veranstaltungsbranche in Gefahr. „Touristiker, Techniker, Caterer – da sind so viele Branchen und Dienstleister betroffen“. Darum war er auch bei einer „Alarmstufe Rot“-Demo in Berlin dabei und hat in Krumbach bei der „Night of Light“ mitgemacht. „Die Branche hat mehrere Öffnungskonzepte vorgelegt, aber wenn Öffnungen immer nur stur an Inzidenzen geknüpft sind, sehe ich keine planbare Perspektive“. Mit Tests und App-Lösungen gäbe es sinnvollere und umsetzbare Alternativen.

Das Gänsehautfeeling, das Patrick hatte, als er auf dem Berg in einem Skigebiet vor malerischer Alpenkulisse die Regler runterzog, sei einzigartig: „3500 Leute haben mitgesungen“. Die Sehnsucht nach diesem Gemeinschaftsgefühl scheint größer zu werden. Bei den Veranstaltungen zwischen den Lockdowns habe er festgestellt, dass die Leute intensiver gefeiert haben. Trotz allem bleibt er optimistisch: „Ich will endlich wieder loslegen!“

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