Region: Augsburger Land

Bürgerversammlung in Heretsried

Das neue Bürgerhaus in Lauterbrunn kann schon bald bezogen werden, die "Sitzungen" des Stammtisches in der alten Gaststätte gehören dann der Vergangenheit an.

Etwas mehr Interesse seiner Bürgerinnen und Bürger hätte sich der Bürgermeister der Holzwinkelgemeinde Heretsried, Heinrich Jäckle bei der kürzlich stattgefundenen Bürgerversammlung gewünscht. Vielleicht haben die erforderlichen Hygienemaßnahmen viele davon abgehalten, weshalb nur etwa 25 Besucher den Weg ins Sportheim gefunden haben, vermutete der Rathaus-Chef. An interessanten Themen hätte es jedenfalls nicht gelegen, betonte Jäckle, der den Besuchern eingangs in einem kurzen Abriss die statistischen Zahlen erläuterte.

So seien die Einwohnerzahlen aufgrund des Wegzuges der bisher in der Gemeinde untergebrachten Flüchtlinge von 1021 leicht auf 1016 gesunken. Auch der Einkommensteueranteil als wichtigster Finanzposten im Haushalt verringerte sich um 30.000 Euro auf 630.000 Euro, der Grund hierfür sei der Pandemie geschuldet. Auf Normalniveau mit rund 120.000 Euro sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zurückgegangen, eine unberechtigt hohe Vorauszahlung im Vorjahr verursachte eine Reduzierung um 240.000 Euro. „Als finanzschwache Kommune sind wir auf die Schlüsselzuweisungen, die sich auf knapp 320.000 Euro erhöhten, angewiesen,“ begründete der Bürgermeister eine weitere wichtige Position. Wenig Einfluss hat die Gemeinde auf die anfallenden Umlagezahlungen. So waren im Vorjahr rund 480.000 Euro als Kreisumlage und 135.000 Euro Umlage an die Verwaltungsgemeinschaft zu entrichten. Erfreulich war dagegen der Rückgang um 30.000 Euro bei der Schulverbandsumlage auf rund 70.000 Euro, die für die 29 in Emersacker unterrichteten Schüler zu entrichten war. Viel Geld musste die Gemeinde für die circa 50 Kinder, die im Kindergarten in Lauterbrunn betreut werden, aufwenden. Trotz eines an die Grenze stoßenden Personalschlüssels von 11 ist hier eine stetige Steigerung auf fast 200.000 Euro zu verzeichnen.

„Mit einem Schuldenstand von 590.000 Euro und mit knapp auf 770.000 Euro zurückgegangenen Rücklagen können wir stolz auf das bisher geleistete sein und werden auch die auf uns zukommenden Aufgaben bewältigen können,“ schloss Heinrich Jäckle den statistischen Teil der Versammlung.

Heretsried putzt sich raus – jedem Ortsteil sein Bürgerhaus

Mit diesem nicht ernst gemeinten Slogan könnte die Gemeinde durchaus Werbung machen. In beiden Ortsteilen entstanden in den vergangenen Jahren schmucke Bauwerke, die als Blickfang im Zentrum stehen und künftig den Vereinen und allen Bürgerinnen und Bürgern als Begegnungsstätte dienen werden. Rund 800.000 Euro nach Abzug der Förderungen ließ sich die Gemeinde das Objekt kosten, in dem neben den Räumen für die Allgemeinheit auch ein Teil gewerblich und vier Single- Wohnungen vermietet werden können. „Wir freuen uns, dass wir mit dieser Besonderheit der jungen Generation die Möglichkeit bieten, sich von zu Hause abzukapseln und im Ort zu bleiben,“ begründete der Bürgermeister diese Entscheidung. Eine Förderung von 160.000 Euro reduzierte die Investitionen für die Aufwertung der Außenanlagen am neuen Bürgerhaus und am Rathausplatz auf 75.000 Euro. Ein Freisitz und ein liebevoll angelegter Wasserlauf bereichern das Ortsbild, eine Boccia-Bahn lädt zum gemeinsamen Spielen ein.

Damit die Vereine ihre bisher im alten Lagerhaus untergebrachten Utensilien lagern können, wurde im Außenbereich eine Vereinshalle mit Vorplatz errichtet. Der Nettoaufwand hierfür belief sich auf rund 100.000 Euro.

Kurz vor Abschluss stehen die Arbeiten beim Bürgerhaus in Lauterbrunn. Die Ortsvereine zeigen hier ihr volles Engagement, lobte Heinrich Jäckle den tollen Gemeinschaftsgeist im Ort. Die Feuerwehr freut sich auf ihr neues Domizil und alle Vereine und die Allgemeinheit können ab November die sehr ansprechenden Räumlichkeiten mit Saal und Gastronomie in Anspruch nehmen. Aufgrund der finanziellen Beteiligung der Vereine und den zu erwartenden Zuschüssen werden belaufen sich die bisherigen Kosten auf knapp 660.000 Euro. Mit dem Abbruch der alten Gaststätte und der alten Schule wird nach Einzug ins neue Bürgerhaus begonnen, die Ausschreibungen für die Neugestaltung der dann freien Außenanlagen sind noch nicht abgeschlossen. „Nach Fertigstellung dieser Arbeiten wird bald schon ein ungewohnter Blick auf unsere Kirche möglich sein,“ freute sich der Redner.

Rege Nachfrage nach Baugrundstücken stößt auf geringes Angebot

Wie in vielen Orten der Region herrscht auch in der Holzwinkelgemeinde eine rege Nachfrage nach Baugrundstücken. Doch die Möglichkeit, einen Platz zu erwerben, ist auch hier aktuell nicht möglich. Alle 12 verfügbaren Plätze im kürzlich erschlossenen Baugebiet „Steinriesel 2“ in Lauterbrunn sind veräußert. Allerdings erfolgt demnächst die Fertigstellung mit der Erschließung des Baugebietes „Störing“ für Gewerbe und gemischt genutzte Wohneinheiten ebenfalls im Ortsteil Lauterbrunn.

Hochwasserschutz bereitet Sorge

Sorgen bereitet der erforderliche Hochwasserschutz für Lauterbrunn. Um mögliche Schäden von den Bewohnern abzuwenden, wären nach entsprechenden Studien der Bau von drei Hochwasserdämmen notwendig. Komplex gestalten sich allerdings die Voraussetzungen für eine staatliche Förderung dieser Baumaßnahmen, denn die Investitionskosten dürfen die Kosten der möglichen Schadenregulierung nicht überschreiten. Nachdem bei diesen Vorhaben eine Differenz von 700.000 Euro bestand, müssen nun die Planungen mit nur zwei Dämmen neu durchgeführt werden, um die Schwelle von 800.000 Euro zu erreichen.

Kläranlage Lauterbrunn wird aufgelöst

Geklärt ist dagegen bereits, wie es mit der Abwasserregulierung nach der Auflösung der Pflanzenkläranlage in Lauterbrunn weitergeht. Nachdem die erhöhten Auflagen für dieses biologische Klärwerk künftig nicht mehr erfüllt werden können, stand die Gemeinde vor der Entscheidung eines Neubaus oder dem Anschluss an die vorhandene Kläranlage in Heretsried. Die günstigere Variante sprach jedoch gegen einen Neubau. Nun muss innerhalb der nächsten vier Jahre, so lange darf die Lauterbrunner Anlage noch betrieben werden, der Anschluss im Hauptort erfolgen. Leistungsstarke Pumpen sind erforderlich, um einen Höhenunterschied von 80 Metern auf der 3,5 Kilometer langen Strecke zu bewältigen. Wie die geschätzten Kosten von 900.000 Euro nach Abzug der einkalkulieren Förderung verrechnet werden, darüber besteht noch keine Klarheit. „Wenn die Finanzlage der Gemeinde es zulässt, werden wir auf jeden Fall die Gebührenumlage wählen“, beruhigte Heinrich Jäckle auf Nachfrage die Zuhörer, „denn eine Finanzierung mit Ergänzungsbeiträgen sorgt stets für Unmut und einen hohen Verwaltungsaufwand“, begründete er die Möglichkeiten.

Einwände und einseitige Berichterstattung bei den Planungen für den Ausbau der Staatsstraße 2036 sorgen für Unmut bei Bürgermeister und Bürgern

Einen breiten Raum bei der Bürgerversammlung nahmen die stetigen Einwände gegen die Planungen für den Ausbau der Hauptverbindungsstrecke vom Holzwinkel nach Augsburg ein. Auch in der lokalen Presse findet nicht immer eine objektive Berichterstattung über dieses heikle Thema statt, bedauert Heinrich Jäckle als Bürgermeister der am meisten betroffenen Gemeinden. „Denn was stets als Vollausbau mit starken Eingriffen in die Natur dargestellt wird, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als eine abgespeckte Version, die naturverträglich ist und das Mindeste erfüllt, was verkehrstechnisch notwendig sei“, begründete er seinen Ärger. Die derzeitigen Richtlinien für eine Staatsstraße sehen eine Breite von acht Metern und weit größere Kurvenradien als geplant vor. Vorgesehen für den Ausbau ist eine Straßenbreite von sieben Metern, was nur einer minimalen Veränderung entspricht. Würde sich das Bauamt an den Standards orientieren, hätte dies weitaus größere Einschnitte in die Natur zur Folge, verteidigte Jäckle seine Meinung zu den aktuellen Planungen. Auch die Vermutung der Ausbaugegner, dass die Adelsrieder Umgehung zu weniger Verkehrsaufkommen führt, konnte er widerlegen. So wurden bei mehreren, jeweils im gleichen 2-Stunden-Zeitraum im Sommer durchgeführten Verkehrszählungen, lediglich 10 Fahrzeuge weniger registriert.

Auch den Wirrwarr an vorgeschlagenen Varianten bei den Planungen für den lang ersehnten Radwegebau entlang der viel befahrenen Strecke kann der Bürgermeister nicht nachvollziehen. Würde man, wie gewünscht, einen Neubau durch den Wald wählen, hätte dies 67 Prozent mehr Versiegelung zur Folge, weil Radwege durch den Forst statt 2,50 Metern um einen Meter breiter sein müssen. Die Grundstücksfragen seien bei diesen Varianten ebenso noch offen. Zudem werden Radwege entlang der Staatsstraße vom Staat finanziert, zählte Jäckle ein weiteres Argument gegen diese Vorschläge auf.

Eine neue APP bringt Informationen schneller an die Bürger

Schneller an Informationen gelangen die Heretsrieder Bürgerinnen und Bürger künftig über eine neue von der Gemeinde entwickelte APP. Wie diese funktioniert, zeigte Gemeinderat Jürgen Schuster den Anwesenden. Vereine oder die kommunalen Institutionen stellen ihre Infos ein, der Nutzer erhält darüber eine Push-Nachricht. Bisher fanden die Veröffentlichungen nur im wöchentlich erscheinenden Holzwinkelboten statt und für diesen ist bereits am Montag Redaktionsschluss, begründete Jürgen Schuster diese Lösung. Mit 4000 Euro Aufwand ist die Investition hierfür noch überschaubar und gerechtfertigt.

Ehemalige Gemeinderätin kümmert sich um die Jugendarbeit

Ulrike Wiedemann, die bisher dem Gemeinderat angehörte, zeichnet mit den Gemeinderäten Jürgen Schuster und Marco Nowak für die Jugendarbeit in der Gemeinde verantwortlich. Trotz verringerter Aktivitäten aufgrund der bekannten Einschränkungen konnte sie der Versammlung über mehrere gelungene Aktionen berichten. So wird der neu angelegte Mountainbike-Trail bereits gut angenommen, das Ferienprogramm mit fünf durchgeführten Veranstaltungen fand bei den 50 beteiligten Kindern ebenfalls großen Anklang.

Bürgermeister Heinrich Jäckle bedankte sich für dieses großartige Engagement bei seiner ehemaligen Gemeinderätin und bei allen Ratsmitgliedern, Vereinen und ehrenamtlich Tätigen für ihren Einsatz während des ganzen Jahres für die Allgemeinheit. 

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