Region: Illertissen|Babenhausen

Holzreste von Häusern aus dem frühen mittelalterlichen Illertisssen

Kreisarchäologe Stefan Reuter (rechts) und Grabungsleiter der Firma Specht, Fabian Hopfenzitz (links) begutachten einen Holzbrunnen des 10. Jahrhunderts in der Ulrichstraße.

Schauplatz des „Frieden von Tussa“ ist nun erstmals archäologisch fassbar.

Im Zuge eines Neubaus an der Vöhlinstraße in Illertissen waren in Jahr 2017 die Reste einer Badeanlage eines römischen Gutshofes des 2. und 3. Jahrhunderts nach Christus aufgetaucht und archäologisch dokumentiert worden. Diese belegten erstmals eine deutlich frühere Besiedlung der Region als die erstmals urkundlich Erwähnung Illertissens von 954 nach Christus unter dem Ortsnamen Tussa. Anlass war damals die Aussöhnung Otto des Großen mit seinem abtrünnigen Sohn Luidolf, die an der Spitze ihrer Heere hier den sogenannten "Frieden von Tussa" schlossen. Schon länger bekannte Grabfunde aus dem 6. und 7. Jahrhundert aus Illertissen konnten sich allerdings bisher nicht mit Siedlungsbefunden verbinden lassen.

Im Winter 2020/21 fanden nun wieder an zwei Stellen archäologische Grabungen im Stadtgebiet von Illertissen statt. Im Areal „Am Reichshof 5“ und an der Ulrichstraße 16. Beide Grundstücke liegen im historischen Ortskern der Stadt. Von Beginn an wurden die wurden die Erdarbeiten archäologisch betreut und konnten nun abgeschlossen werden. Dank der umsichtigen Planung des Architekten kam es durch die archäologischen Arbeiten zu keinen Verzögerungen der Baumaßnahmen.

Im Zuge der Grabungen am Reichshof gelang nun erstmals der Nachweis einer ausgedehnten frühmittelalterlichen Besiedlung im Stadtgebiet von Illertissen. Hatten die einzelnen, im 19. und 20. Jahrhundert aufgedeckten Grabfunde bereits auf eine Siedlungstätigkeit im 6. und 7. Jahrhundert nach Christus hingedeutet, konnten nun erstmals auch zugehörige Gebäudereste nachgewiesen werden. Von den ursprünglichen Holzgebäuden hatten sich die Pfostengruben der dachtragenden Holzpfosten im Untergrund erhalten. Anhand der Überreste der eingegrabenen Pfosten konnten die Standorte von mindestens zwei mittelalterlichen Holzgebäuden „Am Reichshof“ lokalisiert werden. Daneben fanden sich die Reste dreier Brunnen und mehrerer Grubenhäuser. Bemerkenswertester Einzelfund ist eine bronzene Nadel mit Würfelkopf.

Die Befunde aus der Ulrichstraße zeigten eine ähnliche Siedlungsstruktur. Auch dort fanden sich die Reste von Holzgebäuden. Vier Grubenhäuser und zwei Brunnen vervollständigen das Bild einer offenbar von Gehöften beziehungsweise Weilern geprägten, mittelalterlichen Siedlungslandschaft. Das aus den Siedlungsresten geborgene Fundmaterial stellt allerdings eine Überraschung dar. So zeigten sich hier erstmals Funde, vor allem Keramik, die in die Zeit der Ersterwähnung Illertissens in der Mitte des 10. Jahrhunderts datieren. Der Schauplatz des „Friedens von Tussa“ scheint hier nun auch archäologisch fassbar. Die festgestellten Gebäude an der Ulrichstraße bestanden noch bis ins 13. Jahrhunderts fort.

Dass auch im Mittelalter die römische Besiedlung noch nicht vergessen war, bezeugen einzelne römische Scherben und Ziegel, die in beiden Siedlungsarealen gefunden wurden. So kristallisiert sich nach und nach das Bild durchgehenden Siedlung von der Römerzeit über das frühe Mittelalter bis ins hohe Mittelalter heraus. (pm/red)

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