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Reparieren statt wegwerfen

Freier Mitarbeiter Marc Hettich
Ivo Rembold und seine Mittreiter retten im Home-Office defekte Geräte vor dem Wegwerfen.

Das Team des Reparatur-Café in Illertissen ist auch zu Zeiten von Corona aktiv.

Trotz Lockdown geht der Betrieb im Reparatur-Café in Illertissen weiter, nun allerdings im Home-Office. „Wenn man nur vor der Glotze rumhängt, ändert sich nix“, erklärt Ivo Rembold. Seine Ursprünge hat das Café beim Regio- und Ökomarkt, als Rembold mit dem Illertisser Kilmaschutzmanager Simon Ziegler ins Gespräch kam. Die beiden riefen das Angebot kurz darauf ins Leben. Schon bald fand sich eine Gruppe aus rund zehn Gleichgesinnten, die nun seit 2019 kostenlos und ehrenamtlich defekte Kleingeräte repariert. Ins Mehrgenerationenhaus oder ins Museum für Gartenkultur brachten Bürger Geräte wie Radios, Mixer oder auch alte Plattenspieler. „Wir sind eine tolle Truppe aus Idealisten“, freut sich der Ingenieur und Künstler Ivo Rembold. Wer nun denkt, dass das Team ausschließlich aus Berufstechnikern besteht, irrt. „Die Bandbreite reicht von der Elektronikerin bis zum pensionierten Apotheker.“

Doch was motiviert diese Menschen, ihre Freizeit in die Reparatur anderer Leute Gerätschaften zu stecken? „Wir wollen gegen die Müllberge angehen, die durch das Wegwerfen kurzlebiger Konsumgüter entstehen“, sagt Rembold. Jeder habe vermutlich schon gehört: „Reparieren lohnt sich nicht“, mit dem Verweis auf ein günstiges Neugerät. Doch oft seien nur Kleinigkeiten defekt wie der Illertisser feststellt. Das spare Ressourcen und unnötigen Müll. Die Idee hinter dem Reperatur-Café reicht noch weiter: „Wir freuen uns, wenn die Leute zuschauen oder mithelfen und erkennen, dass die verwendeten Billig-Teile in Wegwerfprodukten nicht lange halten.“ Rembold hoffe, dass sie dann beim nächsten Kauf lieber ein paar Euro mehr ausgeben.

Im Lockdown ist das Reparatur-Café in dieser Form nicht möglich. Aber auch dafür gibt es eine Lösung: Bürger können nach Anmeldung beim Klimaschutzbeauftragten Simon Ziegler ihre Geräte vorbeibringen. Die ehrenamtlichen Helfer versuchen dann, den Geräten wieder neues Leben einzuhauchen. Anschließend kann der „Patient“ wieder abgeholt werden.

Für die Zukunft ist geplant, auch mehr mechanische Geräte wie alte Zimmeruhren zu reparieren. „Wir freuen uns über weitere Helfer“, verkündet der 52-jährige. Die Vernetzung mit Gleichgesinnten und die Zusammenarbeit, beispielsweise mit Schulen, sei ihm ebenfalls ein wichtiges Anliegen. (red)

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