Region: Illertissen|Babenhausen

Üben für den Ernstfall: Neue Feuerwache in Illertissen

Freier Mitarbeiter Marc Hettich
In der Fahrzeughalle finden die Feuerwehrfahrzeuge auf neun genormten Stellflächen Platz.

Die Feuerwehr Illertissen stellte ihr ihre neue Feuerwehrwache am Ahornweg vor. Das Gebäude beheimatet eine Atemschutzübungsstrecke und dient als überregionale Technisch-Taktische-Betriebsstelle für Digitalfunk.

Dunkelheit. Hilfeschreie. Überall Rauch. Das laute Krachen einer einstürzenden Wand. Zwei Männer kriechen durch enge Gänge und erklimmen Leitern. Dabei sind die beiden schwer bepackt: Rund 15 bis 20 Kilogramm wiegt die Ausrüstung, die die Feuerwehrmänner mit sich herumtragen. Der Einsatz der sogenannten Atemschutzträger erfordert neben der nötigen körperlichen Fitness eine spezielle Ausbildung und jährliche praktische Übungen.

Jetzt stellte die Illertisser Feuerwehr ihr neues Zuhause vor. Das beeindruckende Gebäude bietet in einer modernen Atemschutzuübungsstrecke den etwa 800 Atemschutzträgern im Landkreis Neu-Ulm die Möglichkeit, den Einsatz unter realistischen Bedingungen zu üben. „Die anspruchsvolle Ausbildung hat sich stark verändert“, erläutert Kreisbrandrat Bernhard Schmidt. Der neue Standort biete mehr technische Möglichkeiten. Es gibt Räume, die Wohnungen imitieren, ein Übungstreppenhaus, Rauch und akustische Reize, die das Stressgefühl eines Einsatzes simulieren. „Kleineren Wehren können wir Übungen ermöglichen, die die fehlende Einsatzerfahrung kompensieren“, so Schmidt. Im Frühjahr ist die Atemschutzübungsstrecke in Betrieb.

Bereits aktiv sind am neuen Standort Kreisbrandmeister Christian Fuchs und Daniel Hiller. Zusammen bilden sie im neuen Feuerwehrgebäude für eine Kooperation der Landkreise Günzburg und Neu-Ulm die Technisch-Taktische-Betriebsstelle für Digitalfunk. Zu ihren Aufgaben gehört die Wartung und Reparatur von mehr als 5000 Funkgeräten. Bisweilen verlassen sie die heimische Werkstatt, etwa um bei den betreuten Feuerwehren Softwareupdates aufzuspielen.

Der imposante 25 Meter hohe Turm dient nicht nur einer deutlich effizienteren Schlauchwartung, sondern lässt sich auch in die Atemschutzübungen einbinden. Die Fenster auf den einzelnen Etagen erlauben Übungen für den Drehleitereinsatz. Der Verwaltungstrakt bietet Büros, Aufenthalts- und Kommunikationsräume und auch einen eigenen Raum für die Jugend. „Wir wollen Generationen zusammenbringen“, stellt Kommandant Eric Riedel fest. Vom Feuerwehr-Nachwuchs bis zum verdienten Veteran solle sich jeder wohlfühlen. Sollte der Platzbedarf wachsen, lässt sich das Gebäude aufstocken: „Das wurde bei der Statik berücksichtigt“, so der Kommandant.

Der Architekt hinter dem modernen Feuerwehrbau – Berthold Braunger aus Blaustein – betont: „Wir wollten ein langlebiges, robustes Gebäude schaffen.“ Sichtbarer Beton und viele Holzelemente wie die Fassade aus Lärchenholz sollten für Klarheit sorgen. Eine Photovoltaik-Anlage und ein Retentionsdach sorgen ebenso für Nachhaltigkeit wie die Möglichkeit eines sondermüllfreien Rückbaus.

Illertissens Bürgermeister Jürgen Eisen freut sich, dass die Baukosten mit 10,4 Millionen Euro den geschätzten Kostenrahmen nur knapp überschreiten. „Die offizielle Eröffnung feiern wir mit den Bürgern im nächsten Jahr“, gibt das Stadtoberhaupt als Ausblick. Landrat Thorsten Freudenberger hebt die Bedeutung der Blaulichtorganisationen in der Pandemie hervor und stellt fest: „Auf die Feuerwehr ist immer Verlass.“

Die Illertisser Feuerwehr beschränkt sich in ihrem ehrenamtlichen Engagement aber nicht auf ihre Kernaufgaben. Drei Bereiche im neuen Gebäude sind nahezu in Eigenleistung entstanden. An vielen Stellen ist zu spüren, dass die Ideen der Kameraden im Planungsprozess berücksichtigt wurden. „Wir wollten Holzspinde“, verrät Klaus Butterhof, Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Stahlspinde seien kalt, das warme Holz erzeuge eine Wohlfühlatmosphäre. Dafür sorgt auch die optimierte Anordnung der Einsatzkleidung und das großformatige Einsatzfoto. Für den Bereitschaftsraum – die Floriansstube – haben die Helfer eigenhändig das Holz aus dem Wald geholt. Auch in die Kalthalle, die die Feuerwehr-Oldtimer beherbergt, sei viel Eigenleistung eingeflossen. Insgesamt kämen rund 10 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit zusammen. „Der Förderverein hat etwa 176 000 Euro einfließen lassen“, so Klaus Butterhof.

Von soviel Einsatz und dem Ergebnis beeindruckt, übergab der Günzburger Kreisbrandrat Stefan Müller seinen Illertisser Kameraden eine Wachstafel als Geschenk. Seinem Wunsch kann man sich nur anschließen: „Rückt alle gut aus und kommt gut zurück.“

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