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Verborgenen Kastellresten auf der Spur: In Kellmünz durchleuchten Experten das Erdreich

Der Archäologische Park in Kellmünz mit seinen Relikten der einstigen Außenmauer des Römerkastells Caelius Mons gehört zu den Arbeitsgebieten von Kulturreferentin Franziska Honer (links), Kreisarchäologe Stefan Reuter (Mitte) und Museumspädagogin Sabine Moser (rechts). Rechts im Hintergrund ist der Giebel des historischen Zehentstadels zu sehen, in dem künftig die archäologische Sammlung des Landkreises Neu-Ulm ausgestellt werden soll.

Erweiterungsfläche des Archäologischen Parks in Kellmünz wird derzeit geophysikalisch untersucht.

Der Archäologische Park in Kellmünz soll in den nächsten Jahren noch attraktiver werden, wie der Landkreis Neu-Ulm in einer Pressemitteilung informiert. Im hinteren Teil des einstigen Zehentstadels (Rechbergring 7b), der sich auf dem Areal des antiken Römerkastells hoch über der Iller befindet, plant der Kreis, künftig seine archäologische Sammlung der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Der erste Schritt dafür wurde im Februar dieses Jahres gemacht: Der Landkreis kaufte einen Teil des Gebäudes. Nun folgte Schritt zwei: Im miterworbenen Garten des Hauses sowie im Archäologischen Park (circa 1000 Quadratmeter) wurde der Untergrund mit geophysikalischen Messmethoden nach historischen Bebauungsspuren abgesucht.

Franziska Honer, die Kulturreferentin des Landkreises, nannte zwei Gründe für den Untersuchungsauftrag an die Firma Terrana Geophysik aus Mössingen bei Tübingen: Zum einen erhoffe man sich neue archäologische Erkenntnisse über den bisher nicht untersuchten Bereich. Zum anderen könne so genau lokalisiert werden, wo im Erdreich sich Mauerreste, Fundamente oder größere Artefakte befinden, auf die man bei Um- oder Anbauarbeiten am gekauften Gebäudeteil Rücksicht nehmen sollte.

Angedacht, so Honer, sei zum Beispiel, einen Aufzug anzubauen, um das künftige Museum barrierefrei zu machen. Darüber hinaus dürften weitere Bauarbeiten notwendig sein, um Exponate der Kreisarchäologie ausstellen zu können.

Die geophysikalischen Untersuchungen erstreckten sich vor Ort über einen ganzen Tag. Die dabei gesammelten Daten werden anschließend aufbereitet, in einen CAD-Plan übertragen, ausgewertet und interpretiert, erläuterte Geophysiker Arno Patzelt. Zusammen mit seinem Kollegen, dem Geologen Harald Scherzer, wandte er zwei sich ergänzende Methoden an: die Geoelektrische Widerstandskartierung und das Georadar. Ziel dabei ist es, Baustrukturen in Form von Mauer- und Fundamentresten im Untergrund aufzuspüren.

Noch ist die Analyse der erhobenen Messdaten im Gange. „Eine erste Sichtung der Messdaten gibt aber bereits Hinweise auf verborgene Mauerstrukturen auf der untersuchten Wiesenfläche“, sagte Patzelt. Für die Interpretation der Messbilder brauche es viel Erfahrung. Patzelt hat sie, ist er doch bereits 25 Jahre in seinem Metier tätig. Von Berufs wegen kam er dabei schon weit herum: von Lateinamerika bis Zentralasien und Europa bis Arabien. Zweimal wurden Patzelt und Co. dabei sogar von Kamerateams der ZDF-Wissenschaftsreihe „Terra X“ begleitet: in Russland und in Panama.

Wer weiß, vielleicht gibt es auch aus Kellmünz bald Berichtenswertes? Kreisarchäologe Stefan Reuter jedenfalls hofft auf spektakuläre Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchung: „Die Messfläche liegt im rückwärtigen Bereich des Kastells Caelius Mons, genau in Verlängerung der damaligen Hauptstraße. Zu vermuten wären an dieser prominenten Stelle innerhalb des Kastellareals etwa Reste der Kommandantur sowie der Unterkunft des befehlshabenden Offiziers.“

Bei den Legionären handelte es sich in der Spätzeit des Römischen Reiches, aus dem das Kellmünzer Kastell stammt (297 bis 5. Jahrhundert nach Christus), nicht selten um angeworbene germanische Söldner. Ihre Aufgabe war es, die Reichsgrenze gegen die Alemannen jenseits der Iller zu sichern. „Man darf sich dabei nicht vorstellen, dass permanent Krieg geführt wurde. Die Nachbarn betrieben auch miteinander Handel und hatten andere friedliche Kontakte.“ Der imposante Grenzposten Caelius Mons diente nicht zuletzt der psychologischen Kriegsführung, erzählt Reuter, der Spezialist für Provinzialrömische Archäologie ist: „Die Römer verstanden sich meisterhaft darauf, ihre Gegner einschüchtern, zu beeindrucken und mit ihrer Lebensart zu verführen.“ (pm)

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