Region: Aichach|Friedberg

Der bayerische Robin Hood: Regio Augsburg stellt Internetauftritt des Bayerischen Hiasl vor

Die Initiatoren der neuen Hiasl-Website, darunter Landrat Klaus Metzger (Vierter von links), Bürgermeister Manfred Wolf (Fünfter von links), Tourismus-Direktor Götz Beck (Sechster von links) und Professor Klaus Wolf (Achter von links). Foto: Silke Wiederich

Wer war der bayrische Hiasl überhaupt? Die tragische Geschichte des Matthäus Klostermayr findet sich auf der neuen Hiasl-Internetseite. Auch ein eigenes Theaterstück ist geplant.

Es gibt viele Geschichten, Lieder und Legenden über Matthäus Klostermayr. Was natürlich auch daran liegt, dass er 1736 in Kissing geboren und im Jahr 1771 brutal hingerichtet wurde. Das alles liegt schon eine halbe Ewigkeit zurück. Warum ist er heute noch so aktuell? Seine Kurzbiografie findet sich in Wikipedia, eines der größten Online-Nachschlagewerke. Sogar ein Bier trägt seinen Namen und zu guter Letzt soll Friedrich Schiller ihn als ein Vorbild für dessen Karl Moor in seinem Drama "Die Räuber" genommen
haben.

Ein schlechter Faschingsscherz

Hiasl wollte eigentlich wie seine Eltern Bauer werden. Doch alles kam ganz anders. Er geriet auf die schiefe Bahn. Weil er sich einen Faschingsscherz über einen katholischen Geistlichen erlaubt hatte, kam er in Verruf und wurde arbeitslos. Um sich durchzuschlagen, wurde Klostermayr Wilderer und Anführer einer Räuberbande, die angeblich einen Teil ihrer Beute mit den armen Bauern in Bayern und Schwaben teilte. Andererseits ging er sehr hart und rücksichtslos mit seinen Gegnern um. Wie immer gab es zwei Seiten der Medaille. Schnell wurde er von den einfachen Leuten zum Volkshelden erklärt, der sich gegen die Obrigkeit auflehnte, was ihm in diesen Kreisen viel Sympathie und Unterstützung einbrachte. Ähnlichkeiten zum englischen Volkshelden Robin Hood liegen auf der Hand.

Dies sieht man nicht nur in Kissing auch heute noch so. Klaus Metzger, Landrat des Kreises Aichach-Friedberg, betonte vergangenen Freitag während einer Pressekonferenz die außergewöhnliche Bedeutung des bayrischen Hiasl für die Geschichte der Region. Er beabsichtigt, das Leben und Wirken des bayerischen Robin Hoods im kollektiven Gedächtnis wach zu halten. Dazu würden die verfügbaren Informationen über die Vita von Klostermayr neu ins Internet gestellt, damit diese über eine neue Website präsentiert und allen Interessierten überregional zur Verfügung stünden.

Ein virtuelles Museum

Götz Beck, Direktor der Regio Augsburg Tourismus GmbH, schwärmte vom Internet-Auftritt als eine Art "virtuelles Museum", das auch mit akustischen Elementen arbeitet, um die "damaligen Umstände" spürbar und besser nachvollziehbar zu machen. Es sei mit viel Aufwand "sehr liebevoll" inszeniert worden, so Götz weiter. Ilja Sallacz, der als Diplom-Designer für die Webpräsenz herangezogen wurde, erklärte, dass alles sehr lebendig dargestellt wurde. Viele historische Kupferstiche seien eingebracht worden, unterschiedliche Bilder würden gezeigt und die Hintergrundfarbe grün stehe für den Wald, in dem der bayerische Hiasl lange Zeit gelebt und gewirkt hat. Viele Partner aus unterschiedlichen Städten und Gemeinden haben zusammengearbeitet, um das zu erreichen. Die Seite ist bereits online unter www.hiasl-raeuber.de.
Daneben stehen vor allem historische Theateraufführungen, besondere Schulprojekte wie Inszenierungen von Marionettenvorführungen mit erzählenden Liedern, sogenannte historische Bänkelgesänge, zum Leben Klostermayrs auf der Programmplanung. Abendliche Rundgänge mit Fackeln, auf dem die Geschichten über ihn erzählt werden, sollen das Bild abrunden. Für jedes Alter wird etwas dabei sein.

"Der Hiasl lebt mitten unter uns"

Bürgermeister Manfred Wolf fügte noch hinzu, dass es wichtig sei, das Leben Klostermayrs als Bestandteil der bayerischen Geschichte auch bundesweit bekannt zu machen, obwohl Franz Josef Strauß als bayerischer Landesvater die "Affinität" des Hiasl zum Freistaat seinerzeit bezweifelt habe. Ferner sei ein eigenes Theaterstück geplant, das sich mit dem Leben des bayerischen Volkshelden als Protagonisten auseinandersetzt. Man werde ein Stück schreiben, das einen Dialog zwischen dem historischen Hiasl und einem Chor aus heutiger Zeit beinhaltet. Professor Klaus Wolf, Sprach- und Literaturwissenschaftler an der Universität Augsburg, ergänzte, dieses Stück werde "sehr amüsant" und würde das bayerische Zeitgeschehen kritisch kommentieren. Es werde "modernes Theater, spannendes Theater" und würde in ganz Schwaben auf Reise gehen. "Der Hiasl lebt mitten unter uns", erklärte Wolf weiter. Das Theaterstück soll im Jahr 2020 zur Landesausstellung in Kissing uraufgeführt werden.
Wie kommt es überhaupt, dass ausgerechnet Bürgermeister Wolf als ehemaliger Polizist einen Räuber so in den Vordergrund stellt? Weil es eben nicht "die gute alte Zeit" war, in der Klostermayr gelebt habe, entgegnete das Stadtoberhaupt. Ebenso ist es bei Robin Hood gewesen. Darum seien beide "zum Volkshelden" erklärt worden. Darüber hinaus könne der Hiasl als "Botschafter für uns" vermarktet werden. Es gebe bereits ein kleines Hiasl-Denkmal in Kissing, erinnerte Bürgermeister Wolf abschließend. Auch sei der Neubau für das in Kissing existente Hiasl-Museum in Planung, das, wenn möglich, barrierefrei sein solle.
Am Ende verkündete Manfred Wolf, dass er zum 31. Dezember aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gehen wird. Er bedankte sich bei allen Mitarbeitern für die vergangenen 22 Jahre, die er Bürgermeister gewesen ist. (Silke Wiederich u. Holger Czapski )

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