Region: Aichach|Friedberg

Hilfe für heimatlose Katzen: Meringer Verein sucht neue Mitglieder

Freie Mitarbeiterin Heike Scherer aus Mering
Die Kissingerin Karin Beckerbauer (links), hier mit Kater Bunny und Cordula Driendl leiten den Verein "Katzen ohne Heimat", der sich um herrenlose Katzen im Einzugsgebiet von Kaufbeuren bis Neufahrn in west-östlicher Richtung, von Donauwörth bis Weilheim in nord-südlicher Richtung kümmert.

Bei Karin Beckerbauer in Kissing leben die Katzen Bunny, Joey und Fox, Sie sind acht, zehn und fünf Jahre alt und lieben es, gemeinsam in ihrem kleinen Garten herumzutoben. Nicht immer hatten sie allerdings so ein schönes Leben, denn sie waren viele Jahre herrenlos. Bunny hat durch seinen Katzenschnupfen sogar ein Auge verloren. Aber er kommt damit sehr gut zurecht. Gerade erst aufgewacht, spielt er mit einem hochstehenden Grashalm.

Schon seit 2006 beschäftigt sich Cordula Driendl damit, Katzen ohne Heimat zu helfen. Als Unterstützung kam ihr 2021 Karin Beckerbauer zu Hilfe, die jetzt die Erste Vorsitzende des Vereins „Katzen ohne Heimat“ ist. Um die Arbeit noch besser organisieren zu können und ausreichend finanzielle Mittel zu haben, wurde der Verein am 30. April 2021 gegründet. Er umfasst über 70 Mitglieder, das Einzugsgebiet in west-östlicher Richtung reicht von Kaufbeuren bis Neufahrn, in nord-südlicher Richtung von Donauwörth bis Weilheim. Die zweite Vorsitzende Cordula Driendl hat zwei Katzen eine neue Heimat gegeben. Es ist der elfjährige Wolferl und der 14-jährige Humphrey, die beide als Baby auf einem Bauernhof eingefangen wurden.

„Viele denken immer, dass nur in Ländern wie Griechenland oder Kroatien viele Katzen wild leben. Aber auch in Deutschland gibt es aktuell zwei Millionen heimatlose, freilebende Katzen, denen geholfen werden muss“, erklärt Driendl. Es sind Tiere, die kein Tierheim nehmen würde, die mit einer Lebendfalle eingefangen und kastriert oder oft mit schwerwiegenden Erkrankungen behandelt werden müssen. Wenn es möglich ist, werden sie wieder am selben Ort freigelassen, denn oft sind sie scheu und nicht an ein Leben bei Menschen im Haus zu gewöhnen. Fast jeder Bauernhof oder jedes stillgelegte Haus beherberge eine oder mehrere wild lebende Katzen, informieren die Vorsitzenden. Kürzlich referierten sie in Kissing über eine Katzenschutzverordnung, die es den Gemeinden ermöglichen würde, das Kastrieren von Stubentigern zu verlangen. Bis jetzt ist es jedem Katzenbesitzer selbst überlassen, ob er das macht oder nicht.

Oft kann der Verein Hilfe leisten, indem er die Tiere rettet und ihnen manchmal ein Zuhause gibt. Kater Beethoven etwa ist zwar aufgrund seines Katzenschnupfens blind, aber lebt jetzt glücklich in einem Mehrkatzenhaushalt mit vernetztem Balkon. Genauso war es mit Fox, der wild geboren und von Hunden immer wieder gejagt wurde. Er fand bei Karin Beckerbauer einen Unterschlupf. „Alleine draußen könnte er nicht überleben, weil er sich sehr unbeholfen anstellt“, berichtet sie. Oft komme es sogar vor, dass Katzen nach mehreren Jahren erst aggressiv reagieren und sich die Besitzer an ihren Verein wenden, erzählt Beckerbauer. Der vier Jahre alte Kater Kilian biss plötzlich seine Besitzer in die Waden und zerstörte Lampen im Haus. „Als wir ihn abholten, fletschte er die Zähne und war sogar im Transportkorb hochgradig aggressiv“, fügt sie hinzu. Als Driendl ihn anstatt ihres Katers Maddox zufällig streichelte, akzeptierte er das und sein Verhalten besserte sich zunehmend. Bald schon konnte er an eine Tierärztin mit zwei Hunden vermittelt werden und führt wieder ein entspanntes, zufriedenes Leben.

Katzenbesitzer wüssten oft nicht, dass sie ihren Gemütszustand oder ihre Unruhe auf ihre Katzen übertragen, verrät Beckerbauer. Außerdem wissen sie oft nicht, welche Bedürfnisse ihre Stubentiger gerade hätten. Alleine mit der Versorgung von Futter sei es nicht getan. Streicheleinheiten, Beschäftigung oder sogar die Gesellschaft mit anderen Katzen seien für sie genauso wichtig.

Leider gehen nicht alle Fälle gut aus, manchmal kann ein Tier nur noch von einem längeren Leiden erlöst werden. Für die Vereinsmitglieder ist in diesen Fällen die Arbeit emotional sehr belastend. Der scheue, zehn Jahre alte Karli etwa lebte auf einem Reiterhof im Landkreis Fürstenfeldbruck, als den Verein „Katzen ohne Heimat“ am 31. Januar der Hilferuf erreichte: „Es läuft hier eine Katze ohne Ohr und ohne Nase herum.“ Es war ein schlimmer Anblick, das an Krebs leidende Tier zu sehen und brachte die zur Hilfe gekommenen Tierfreunde zum Weinen. Aber sie konnten das Leiden des Katers verkürzen, indem sie ihn von einer Tierärztin einschläfern ließen.

Derzeit ist der Verein „Katzen ohne Heimat“ dabei, in Mering freilebende Katzen kastrieren zu lassen. Um seine Arbeit fortsetzen zu können, benötigt er noch Mitglieder oder Spenden. Hilfreich wären auch Tierfreunde, die Fahrten übernehmen könnten oder für geplante Veranstaltungen backen oder beim Verkauf von Utensilien für Katzen helfen würden. Die Webseite des Vereins lautet www.katzen-ohne-heimat.de .

Bei der Lesung von Katzengeschichten durch Heike Scherer in der AWO Kissing am 13. Oktober um 14 Uhr wird der Verein "Katzen ohne Heimat" selbst genähte besondere Accessoires für Katzen zum Verkauf anbieten.

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