Region: Aichach|Friedberg

Kissings älteste Kirche St. Peter muss renoviert werden

Freie Mitarbeiterin Heike Scherer aus Mering

Erster Bürgermeister Reinhard Gürtner (links), Heimatforscher Hanns Merkl (Mitte) und Sachbearbeiter Bautechnik Oliver Bregulla (rechts) informieren sich über den Stand der Bauarbeiten an der Kirche St. Peter, der ältesten KIrche der Gemeinde.

Wenn es abends dunkel wird, sind die Burgstallkapelle und die Kirche Sankt Stephan am Berg hell erleuchtet. Aber die älteste Kirche von Kissing ist erst zu sehen, wenn man oben am Petersberg angekommen ist. Im 19. Jahrhundert wurde dort Ende Juni an St. Peter und Paul ein Dorffest gefeiert, Brezen und Süßigkeiten konnten die Bürger kaufen. Nach dem Krieg wurde die Kirche eine gewisse Zeit auch von den evangelischen Bürgern Kissings genutzt, die noch keine eigene Kirche hatten. Derzeit gibt es dort nur einmal jährlich ein Patrozinium. In der Kirche gibt es einen Altar von Jonas Umbach, Fresken von Matthäus Günther und mehrere Heiligenfiguren. Die transportable Orgel wurde im Jahr 1917 an das Deutsche Museum in München übergeben. Die Rede ist von der kleinen Kirche Sankt Peter, die sich im Gemeindeeigentum befindet und derzeit umfassend saniert werden muss. Im Sommer des Jahres 2021 soll die Renovierung abgeschlossen sein.

Kissings Erster Bürgermeister Reinhard Gürtner freut sich, dass sich sein Sachbearbeiter Oliver Bregulla sorgfältig um die Renovierung des Kleinods kümmert, das unter Denkmalschutz steht. Auch der frühere Lehrer und Heimatforscher Hanns Merkl ist bei der Besichtigung der Bauarbeiten anwesend. Er erzählt, dass um die Kirche herum die Besiedlung des Ortes begann. Acht Meter unterhalb der Kirche befänden sich geheimnisvolle, unterirdische Gänge aus der keltischen Zeit oder dem Mittelalter. Seit 20 Jahren seien sie für die Öffentlichkeit gesperrt, er sei öfter drin gewesen, verrät Merkl. Vor fünf Jahren erforschten Geologen mit Robotern die Gänge, waren sich aber nicht sicher, wofür sie dienten. Da eine Treppe nach oben führte, vermuteten sie, dass die Bürger dort vor Feinden Schutz suchten. Während des Zweiten Weltkrieges gab es auch am Abhang Gänge, die in den Berg hineinführten, aber nach dem Krieg wieder zugeschüttet wurden.

Vom Fundament her könne man auf das Alter der Kirche schließen. Da es aus Sandstein und Tuff bestehe, stammt St. Peter aus der Zeit vor 1000. Um die Kirche herum befand sich ein Friedhof, weiß Merkl. Als Kind habe er beim Spielen oft Knochen und Schädel gefunden. Am Abhang holten sich die Bauern oft Sand, darum sei der Berg so steil. „Die Kirche war früher länger. Als sie 1806 baufällig wurde und kein Geld vorhanden war, wurde das Langhaus einfach abgerissen. Der Chorraum blieb aufgrund des Protestes der Bauern stehen. Die Steine wurden nach Baindlkirch verkauft und für den Bau der dortigen Kirche verwendet“, erzählt Merkl weiter.

Oliver Bregulla berichtet, dass in der Außenfassade Risse zu sehen waren und der Dachstuhl deshalb untersucht wurde. Trotz Sommer und Hitze wurde eine hohe Holzfeuchte an den Balken gemessen. Dadurch konnte der Dachstuhl die Lasten nicht mehr gleichmäßig auf die Außenmauern abgeben und die Risse entstanden. Im September begannen die Handwerker, die defekten Balken auszutauschen, gesundes Holz wurde erhalten. Dachschalung und Dachbahn sind montiert, die Spenglerarbeiten abgeschlossen. Derzeit werden noch die Dachdeckerarbeiten ausgeführt.

Auch der Glockenturm wurde untersucht und festgestellt, dass große Schäden an der tragenden Holzkonstruktion und am Mauerwerk vorliegen. Die Turmzwiebel müsse abgehoben und in der Zimmerei untersucht werden. Bevor der Turm saniert werden kann, muss eine Tektur und ein Sanierungskonzept im Landratsamt nachgereicht werden. Auch das Denkmalamt müsse eingeschaltet werden. Erst nach der Genehmigung können die Bauarbeiten ausgeschrieben und vergeben werden. Die Gesamtkosten für die Sanierung liegen bei 92.000 Euro. Darin sind die Kosten für die Turmsanierung noch nicht eingeschlossen.

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