Knigge- und Finanz-Tipps für Azubis

Was man wissen sollte, wenn man jetzt eine Ausbildung beginnt.

Nicht nur fachlich, sondern auch persönlich sollte man sich in der Ausbildung reinhängen.

Fast jeder kennt die Situation: Man ist der oder die Neue, kommt zum ersten Mal an den neuen Arbeitsplatz, man kennt noch keine Kollegen, nicht den Weg zur Toilette und schon gar nicht die Gepflogenheiten des Hauses, geschweige denn die genauen Anforderungen an einen selbst.
Für junge Menschen, die gerade die Schulbank verlassen haben und in die Ausbildung gehen, ist der Start ins Berufsleben eine große Herausforderung.
Wie so oft hängt viel davon ab, zu Beginn einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. 
„Auszubildende können viel falsch, aber auch viel richtig machen“, weiß Michael Scheiffele, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Ulm. Wichtig seien die Grundtugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Freundlichkeit.

Trotz frühem Aufstehen Lernbegierde zeigen

Der Start in das Arbeitsleben bedeutet nicht zuletzt auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, das darf sich jedoch nicht negativ auf die erste Phase der Ausbildung auswirken.
„Auszubildende können am Anfang das frühe Aufstehen nicht gewohnt sein; sie sind müde und der neue Lebensabschnitt kann sie körperlich sehr fordern. 
Aber sie müssen trotzdem das Gefühl vermitteln, dass sie mit Begeisterung bei der Sache sind“, rät der Ausbildungsberater. Die Jugendlichen sollten eine gewisse Lernbegierde zeigen. 
So kann ein Auszubildender auch aus eigenem Antrieb Interesse an einem Arbeitsvorgang zeigen oder darum bitten, dass ihm zum Beispiel eine Maschine erklärt wird.

Freundlich bleiben

Am ersten Arbeitstag steigt der Azubi meistens noch nicht voll in den Arbeitsalltag ein. Vielmehr wird ihm erst einmal alles erklärt und die Kollegen vorgestellt. Hier gilt: immer recht freundlich bleiben.
Wer sich nämlich gleich am ersten Tag als Muffel präsentiert, wird das Image so schnell nicht mehr los. Am besten stellt sich der neue Azubi jedem immer mit Namen vor, sagt, dass er der neue Azubi ist und in welcher Abteilung er die Ausbildung beginnt. Manchmal kommt es vor, dass der neue Azubi im Betrieb ankommt und kein Kollege so recht für ihn zuständig ist. 
Auch dann sollte man höflich bleiben und nachfragen, ob jemand den zuständigen Ausbilder holen kann.

Notizen machen

Vor allem sollte der Azubi nicht nur rumstehen, sondern möglichst gleich am ersten Tag Eigeninitiative zeigen. Das bedeutet, aktiv um Arbeit zu bitten und nachzufragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. 
Hilfreich ist es auch, sich ein Notizheft mitzunehmen und Wichtiges zu notieren. Das macht einen guten Eindruck und man kann die Dinge, die erklärt und gezeigt wurden, noch einmal nachlesen. Denn häufig müssen sich Azubis in den ersten Tagen sehr viel und sehr viel Unterschiedliches merken. 

Richtig grüßen

In jedem Betrieb ist es wichtig, dass der neue Azubi höflich ist. Dazu gehört auch das Grüßen. 
Der Azubi sollte jeden begrüßen, der ihm begegnet – ob nun auf dem Flur, auf der Baustelle oder im Büro. Kommt der Azubi in eine Abteilung oder ein Büro, in dem er vorher noch nicht war, sollte er sich mit Namen vorstellen – auch dann, wenn er schon einige Wochen im Betrieb ist. Auch beim Kunden ist die Begrüßung entscheidend, vor dem ersten Kundenkontakt sollte man sich von einem erfahrenen Kollegen hierzu gut briefen lassen.

Nichts Internes ausplaudern 

„Die Auszubildenden müssen ihre Pflichten einhalten, das reicht von der Lernpflicht bis hin zur Geheimhaltungsvereinbarung“, sagt Michael Scheiffele. „Es darf zum Beispiel nicht sein, dass ein Auszubildender über Betriebsinterna spricht oder davon erzählt, wie es beim Kunden XY zu Hause im Schlafzimmer aussieht.“ 
Weitere Pflichten sind etwa die Teilnahme am Berufsschulunterricht, die Weisungsgebundenheit und die sorgfältige Ausführung von Aufgaben. (hwz/pr)

Finanzen in der Ausbildung

Das erste eigene Gehalt verdienen ist eine große Sache. Für viele ergeben sich dadurch Freiheiten, aber es gibt auch Pflichten. Zudem sollten Auszubildende über einige rechtliche Rahmenbedingungen hierzu Bescheid wissen. 

Wie hoch ist die Mindestausbildungsvergütung im 1. Lehrjahr?

Ausbildungsbetriebe müssen ihren Auszubildenden eine angemessene Vergütung zahlen, die mit fortschreitender Ausbildung, mindestens jährlich, ansteigen muss. Für Lehrverträge, die seit dem 1. Januar 2022 beginnen, gilt nunmehr jeweils für das erste Ausbildungsjahr eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung von 585 Euro. Aber es gibt auch Betriebe, deren Vergütungen sich an Tarifen orientieren. Hier gilt: Der vorgenannte Betrag darf grundsätzlich nicht unterschritten werden. Tarifverträge haben jedoch Vorrang vor der gesetzlichen Mindestvergütung. So können die Tarifpartner zum Beispiel bei Wirtschaftskrisen niedrigere Vergütungen aushandeln. Tarifgebundene Betriebe können unter Nennung des konkreten Tarifvertrags dementsprechend niedrigere Vergütungen im Ausbildungsvertrag vereinbaren. Nicht tarifgebundene Betriebe müssen hingegen mindestens die gesetzliche Mindestvergütung zahlen.
Für die Frage, ob und inwieweit die Ausbildungsvergütung die Mindestvergütung übersteigen muss, um angemessen zu sein, muss man sich an den einschlägigen tariflichen Vergütungsregelungen orientieren. Das Gesetz enthält aber eine Konkretisierung. 

Gesetzgeber die sogenannte 20-Prozent-Regel der Rechtsprechung. 
Das heißt, besteht keine beiderseitige Tarifbindung, ist die Ausbildungsvergütung nicht mehr angemessen, wenn sie zwar über der gesetzlichen Mindestvergütung liegt, aber um mehr als 20 Prozent niedriger ist als die in einem einschlägigen Tarifvertrag festgelegte Vergütung.

Wann muss die Ausbildungsvergütung auf dem Konto sein?

Bei der Ausbildungsvergütung handelt es sich nicht um ein Entgelt für die geleistete Arbeit, so wie in einem Arbeitsverhältnis. Das Ausbildungsverhältnis ist ein Beschäftigungsverhältnis besonderer Art.
In vielen Arbeitsverträgen gibt es die Formulierung, dass ein Entgelt für die geleistete Arbeit zum Beispiel am 15. des Folgemonats ausbezahlt wird. 
Nun gibt es Geschäftsführungen, die – bewusst oder unbewusst – das Arbeitsrecht auf ein Lehrverhältnis übertragen. Es ist jedoch nicht möglich, eine entsprechende Formulierung in den Lehrvertrag aufzunehmen oder in diesem Punkt stillschweigend die Lehrlinge wie die restlichen Beschäftigten zu behandeln. Beides entspricht nicht den Vorgaben.
Die Fälligkeit der Ausbildungsvergütung ist im Berufsbildungsgesetz geregelt. 
Danach bemisst sich die Vergütung nach Monaten. Bei Berechnung für einzelne Tage wird der Monat zu dreißig Tagen gerechnet. 
Die Vergütung für den laufenden Kalendermonat ist spätestens am letzten Arbeitstag des Monats zu zahlen. Die Betonung liegt auf Arbeitstag, denn der letzte Tag des laufenden Monats ist nicht immer ein Arbeitstag.

Rundfunkbeitrag: Befreiung für Azubis möglich

Für den Empfang von Fernseh- und Radioprogrammen von ARD oder ZDF werden jeden Monat 17,50 Euro vom Konto abgebucht. Für Auszubildende kann das ein hoher Preis sein. Sie können sich daher von der Gebühr befreien lassen. Voraussetzung dafür: Sie beziehen die sogenannte Berufsausbildungsbeihilfe, das BAföG für Auszubildende, und wohnen nicht bei den Eltern.
Wer sich von der Rundfunkgebühr befreien lassen möchte, muss das beim Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio beantragen. Das entsprechende Formular gibt es online. Wichtig ist es, einen entsprechenden Nachweis des Bezugs der Sozialleistung als Grund für den Antrag beizufügen. Die Bescheinigung der Arbeitsagentur trägt den Vermerk „Bescheinigung zur Vorlage bei der Behörde“ oder „Bescheinigung zur Vorlage beim Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio“. 
Sollte man als Auszubildender noch nicht bei dem Beitragsservice gemeldet sein, so gilt der Antrag gleichzeitig als Anmeldung der Wohnung für den Rundfunkbeitrag. Weitere Infos gibt es unter rundfunkbeitrag.de.

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