Region: Augsburger Land

Schokolade macht glücklich – zumindest für einen kurzen Moment

Mit viel Handarbeit kreiert Albert Möckl die Schokoladenprodukte der Chocolaterie Müller in Königsbrunn.

Noch immer gilt Schokolade als die wohl bekannteste Nervennahrung und wird mit einer stimmungsaufhellenden Wirkung in Verbindung gebracht. Auch Peter Müller, Inhaber der Chocolaterie Müller in Königsbrunn, möchte nicht mehr auf das beliebte Lebensmittel verzichten und widmet sich seit fast 30 Jahren der Herstellung hochwertiger Schokoladenkreationen.

In langen Fäden strömt der dickflüssige Schwung cremeweißer Schokolade von dem großen Schöpflöffel und wälzt sich gemächlich bis in die Ecken der transparenten Tafelformen. Behutsam streicht Albert Möckl die auf über 30 Grad erwärmte Masse mit einer weißen Plastikscheibe glatt. Nun darf die Schokolade zu aromatischen Tafeln aushärten, um den Gästen der Chocolaterie Müller einen kurzen Glücksmoment zu bescheren. Durch eine geschwungene Glasscheibe können diese jeden Arbeitsschritt des Konditors beobachten, der für die Schokoladenproduktion des Cafés verantwortlich ist. "Das ist sehr viel Handarbeit", bemerkt der 49-Jährige. Um 40 Schokoladentafeln herzustellen, braucht er etwa eine Stunde.

Ursprünglich spezialisierte sich der gelernte Bäcker und Konditor wegen einer Mehlallergie auf die Arbeit mit Kakao. Inzwischen schätzt er die unbegrenzten Möglichkeiten, in der Chocolaterie hochwertige Schokoprodukte herzustellen und ist sicher: "Der Konditor ist der Künstler im Lebensmittelgewerbe".

Bereits seit elf Jahren verarbeitet Möckl im Café Müller die "Speise der Götter": So lautet die Übersetzung für Theobroma, der wissenschaftlichen Bezeichnung des Kakaobaums. Bereits die Maya gingen von einem göttlichen Ursprung der Kakaopflanze aus und schrieben ihr eine berauschende Wirkung zu. Bis ins 19. Jahrhundert wurde Schokolade sogar in Apotheken als bewährtes "Kräftigungsmittel" verkauft – und noch heute gilt sie als Nervennahrung in stressigen Situationen.

Auch Peter Müller, Inhaber der Chocolaterie in Königsbrunn, bestätigt die beruhigende Wirkung von Kakao und gesteht, "selbst ein bisschen schokoladensüchtig" zu sein. Seit der Eröffnung des Kaffeehauses vor 28 Jahren widmet er sich der Herstellung hochwertiger Schokoladenprodukte.

Mit besonders großer Leidenschaft berichtet der gelernte Koch und Konditormeister von dem Ursprung der Kakaobohnen, die in seiner Chocolaterie verarbeitet werden. Der Rohkakao werde nämlich aus einem ursprünglichen Kakaoanbaugebiet in Kolumbien bezogen: „Das schmeckt man auch in der Schokolade“, stellt der 59-Jährige stolz fest. Geerntet werden die Kakaobohnen von einem indigenen Volksstamm, den das Café Müller fair entlohnt – fast das Doppelte des derzeitigen Fairtrade Premium Preises erhalten die Bauern für ihre Arbeit. Von den Lebensbedingungen vor Ort überzeugte Müller sich bereits selbst.

Genuss mit gutem Gewissen: In der Chocolaterie Müller scheint das möglich. Das vielfältige Schokosortiment wird hierbei stets auf die aktuelle Saison abgestimmt. Im Sommer seien Kreationen mit tropischen Früchten wie Lychees oder Cranberrys besonders beliebt, während die Schokolade im Winter mit Gewürzen wie Zimt oder Anis verfeinert werde. Die Lieblingssorte des Geschäftsführers bleibt jedoch die Urschokolade ohne weitere Zusätze. Er ist überzeugt: "Hochwertige Schokolade in kleinen Mengen, bei der man nach einer Stunde noch immer einen tollen Geschmack im Mund hat – das ist Luxus".

Bis Möckl den südamerikanischen Kakao zu verschiedensten Schokokreationen verarbeiten kann, sind jedoch einige Zwischenschritte nötig. Die frisch geernteten Kakaofrüchte werden zunächst aufgeschlagen, die Samen von der sogenannten Pulpa – einer weißen Masse im Inneren der Frucht – getrennt. Bei hohen Temperaturen folgt dann die Fermentation: Ein Gärprozess, bei dem sich einige Bitterstoffe des Kakaos verflüchtigen. Anschließend werden die Kakaobohnen geröstet, gemahlen und mit Zucker und Kakaobutter vermengt. Doch es folgt noch ein weiterer Schritt, der für die cremige Konsistenz der Schokolade entscheidend ist: Das Conchieren. In einem großen Kessel wird die Kakaomasse hierbei bis zu 20 Stunden lang erhitzt und gewalzt, sodass sich Zuckerkristalle auflösen und unangenehme Aromen verschwinden. Das Ergebnis: Hochwertige Schokolade, die auf der Zunge zergeht.

In der Chocolaterie angeliefert werden schließlich Schokodrops in drei Sorten: Zartbitter, Vollmilch sowie weiße Schokolade. Vor Ort erhitzt der Konditor die Schokolade erneut, bis sie nach etwa drei Stunden geschmolzen ist und zu den vielfältigen Schokokreationen der Chocolaterie weiterverarbeitet wird: Etwa 20 verschiedene Tafelschokoladen und über 30 Pralinensorten stellt Möckel im Café Müller her.

Auch er ist überzeugt: Schokolade macht glücklich – zumindest für einen kurzen Moment. Peter Müller spricht sogar von einem "legitimen Rauschmittel". Tatsächlich enthält Kakao das "Glückshormon" Serotonin und auch der Pflanzenstoff Theobromin soll eine stimulierende Wirkung entfalten können. Doch diese Inhaltsstoffe allein machen Schokolade noch nicht zum Glücksbringer – dafür sind sie in zu geringer Menge enthalten.

Noch immer ranken sich viele Mythen um den stimmungsaufhellenden Effekt von Kakao: Ob die Beliebtheit von Schokolade schlichtweg dem hohen Energiegehalt zuzuschreiben ist oder ob dabei auch deren cremige Konsistenz und schöne Kindheitserinnerungen eine Rolle spielen, ist nicht endgültig geklärt. Auf das Lebensmittel verzichten wollen jedenfalls die Wenigsten – so auch Peter Müller. "Ich möchte keinen Tag ohne Schokolade sein", stellt der 59-Jährige abschließend fest.

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