Region: Augsburger Land

Die Funde aus dem römischen Bad

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Der Capricornus

Die Funde aus dem römischen Bad

Ein Teil der Fundstücke, die die ehrenamtlichen Archäologen des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte Süd während der zehnjährigen Ausgrabung (2002 – 2012) des römischen Bades auf dem Städtischen Friedhof Königsbrunn geborgen haben, füllt mehrere Vitrinen im Archäologischen Museum Königsbrunn. Was erzählen sie uns über das Bad und die Gepflogenheiten der Badbesucher vor 2000 Jahren?

Stücke farbigen Wandverputzes, Tuffsteine, Fensterglas- und Ziegelstücke verraten Einiges über die Bauweise. Das Gebäude muss ganz oder teilweise mit den roten damals üblichen Dachziegeln („tegulae“ und „imbrices“) gedeckt gewesen sein. Daneben sind auch gemauerte Kuppeldächer vorstellbar, wie wir aus vergleichbaren Bauten wissen. Die dicken, quadratischen Ziegel bildeten die Säulen der Hypokaustheizung; auch eine Bodenabdeckplatte ist im Museum ausgestellt. Einige Wände müssen innen mit schönen geometrischen Mustern in gelb, rot und schwarz bemalt gewesen sein. Und es gab schon Glasfenster.

In den Vitrinen entdeckt der Besucher Schuhnägel von römischen Sandalen, Werkzeug aus Eisen, sieben Schlüssel, Schaber für die Hautpflege, Fibeln, Ringe, Münzen, Haarnadeln aus Knochen, Glöckchen, Bruchstücke von feinem Terra-Sigillata-Geschirr, Messer und mehr.

Das Werkzeug, darunter ein seltenes Exemplar eines vollständig erhaltenen Löffelbohrers, stammt wohl aus der Erbauungsphase des Gebäudes. Unter den Fibeln befindet sich eine besonders schöne Bronzefibel mit Einlegearbeiten aus Emaille, der Capricornus, ein Fabelwesen, halb Ziege, halb Fisch. Mit dem eisernen Spatel schabten die Römer und Römerinnen unerwünschten Haarwuchs ab, nachdem sie sich kräftig eingeölt hatten. Die knöchernen Haarnadeln dürften die Damen, die vormittags in das frische, saubere Wasser durften, verloren haben. Die Männer durften erst nachmittags baden. Auch Fibeln und Ringe könnten den Badegästen abhanden gekommen sein.

Willem Haegebaert, ein Mitarbeiter des Arbeitskreises, machte zwei kuriose Funde. Er erzählt:“ Ich legte das Mäuerchen des Schürkanals der Hypokaustheizung frei. Oben darauf lagen ein Teller und daneben ein Messer. Als ob da gerade erst einer gegessen hätte!“ Außerdem fand er einen menschlichen Backenzahn mit einem großen Loch darin. Überbleibsel einer römischen Zahnbehandlung?

Viele der Funde stammen wohl aus einer Zeit, in der das Bad schon eine langsam verfallende Ruine war und als Abfallgrube genutzt wurde. Sie sind deshalb jedoch nicht weniger interessant und aufschlussreich.

Die beschriebenen Exponate können im Archäologischen Museum Königsbrunn (im Keller des Rathauses) besichtigt werden. Darüber hinaus kann man dort die Geschichte des Lechfeldes von der Steinzeit bis ins Mittelalter erleben. Die Mitarbeiter freuen sich auf Besucher und neugierige Fragen. Das Museum hat immer am dritten Sonntag des Monats (außer August) von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

 

 

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