Region: Augsburger Land

Das gute Ende einer Reise

Profilbild vonFreie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Gabriele Buchmann neben dem Christrosen-Emblem des Hospizvereins.

Gespräch mit einer ehrenamtlichen Hospizbegleiterin des Vereins „Christrose“
Schon seit sieben Jahren begleitet Gabriele Buchmann Schwerkranke und Sterbende, und sie hat immer noch Freude an dieser Aufgabe. „Für mich ist es eine Ehre, einen Sterbenden begleiten zu dürfen“, sagt sie. Buchmann gehört zu den 43 ehrenamtlichen Hospizbegleitern des „Christrose Ökumenischer Hospizverein Königsbrunn e.V.“ Ziel des Vereins ist es, die Lebensqualität am Ende eines Lebensweges zu verbessern. Die Begleiter ersetzen weder eine Pflegekraft noch einen Seelsorger, sondern sie versuchen, dem Kranken und seinen Angehörigen das Leben angenehmer zu machen. Sie nehmen sich Zeit für Gespräche, fürs Vorlesen oder für einen Spaziergang. Auch kleine Besorgungen und Handreichungen sind möglich. Damit geben sie den Angehörigen etwas Zeit für andere Dinge, ein wenig Freiraum für sich selbst.

Die Begleiter kommen meist einmal pro Woche für etwa zwei Stunden. Sie kommen, wenn sie gerufen werden, ohne Ansehen von Religion, Alter oder Herkunft. Auch die Mitgliedschaft im Hospizverein spielt keine Rolle. Gerufen wird der Hospizverein oft von Alten- und Pflegeheimen, aber auch von Familienangehörigen, ambulanten Pflegediensten oder den Betroffenen selbst. Zuerst kommt eine der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, drei erfahrenen Krankenschwestern, zu Besuch. Sie kennen die ehrenamtlichen Begleiter gut und können deshalb zwei zueinander passende Charaktere zusammen bringen. Die Hauptamtlichen bleiben Ansprechpartner für alle Beteiligten. Alle Begleiter sind für die Aufgabe geschult worden. In über 100 Unterrichtsstunden wird Fachwissen erlernt wie Grundlagen der Schmerztherapie, Anzeichen des Sterbens, Begleitung Demenzkranker, die Rolle der Familie, ethische Fragen und vieles mehr. Es wird geübt, Gespräche zu führen, mit und ohne Worte. Hinzu kommen 20 Stunden Praktikum.

Besser früh als gar nicht

„Eigentlich kann man uns kaum zu früh rufen“, erläutert Buchmann. „Eine unserer Begleitungen hat sogar acht Jahre gedauert. Werden wir erst spät geholt, geht es den Betroffenen oft schon so schlecht, dass Gespräche kaum noch möglich sind. Wir können dann nur versuchen zu erspüren, was dem Sterbenden guttut. Zu einem früheren Zeitpunkt können wir viel mehr Unterstützung anbieten.“ Für Buchmann gibt es „ein gutes Sterben“, so wie es auch ein gutes Ende einer Reise gibt. Besonders schade findet sie, wenn Familie und Freunde sich nicht verabschiedet haben vom Sterbenden. Auch hier hält sie es für besser, die letzten Worte mit jedem einzelnen Menschen, der im Leben wichtig war, lange im Voraus zu sprechen als die Gelegenheit zu versäumen. Zurück zu blicken auf die gemeinsam verbrachte Zeit, ein gutes Wort mitzugeben, tue gut, auch wenn dabei viele Tränen fließen sollten, so Buchmann. Dies habe sie in der Ausbildung für den Hospizdienst gelernt und es habe ihr bei Todesfällen in der eigenen Familie sehr geholfen.

Dank der Ausbildung habe sie auch den Mut gefunden, mit ihren Eltern über Wünsche für den Ablauf der Beerdigung zu sprechen. „Es ist schön für die Hinterbliebenen, wenn sie einbezogen wurden in die Pläne der Sterbenden.“ Wenn der Sterbende wichtige Wünsche habe, sollten sie aufgeschrieben werden. Wichtig sei auch eine Liste für die Hinterbliebenen, wo was zu finden ist. „Ist der Tod eingetreten, dürfen sich die Angehörigen eine Zeit der Ruhe gönnen, auch wenn der Tod nicht zu Hause eingetreten ist. Jedes Heim oder Krankenhaus ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass man sich 48 Stunden lang in Ruhe verabschieden kann. Man darf auch im Sterbezimmer beisammen sitzen und Kaffee trinken, warum nicht?“

Eine „Löffelliste“ schreiben

Buchmann empfiehlt auch jungen, gesunden Menschen, sich ab und an die Frage zu stellen: „Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, was würde ich tun, mit wem würde ich reden wollen?“ Die Antwort zeige, was einem wichtig ist. Vielleicht entstehe durch dieses Nachdenken eine sogenannte „Löffelliste“. Das ist eine Liste mit Dingen, die man tun will, „bevor man den Löffel abgibt“. Es ist ein weiteres Ziel des Hospizvereins, den Tod zu einem Gesprächsthema für alle zu machen. Wer akzeptiert habe, dass der Tod zum Leben gehört, lebe leichter, so Buchmann. „Häufig werden Alter, Krankheit, Sterben und Tod behandelt wie Schwächen, die es zu verbergen gilt. In unserer Gesellschaft wird problemlos über die Geburt gesprochen, aber über den Tod zu sprechen wird immer noch vermieden. Wenn wir zu den Kranken kommen, treffen wir oft auf ein großes Redebedürfnis“, berichtet Buchmann und vermutet: „Vielleicht ist es einfacher, mit einem Fremden zu reden, mit dem man keine alten Geschichten teilt.“ Sie ist davon überzeugt, dass es jedem Menschen guttut, Rückschau auf das eigene Leben zu halten und über seine Vorstellung vom Tod und dem, was danach kommt, zu reden. „Bisher hatte jeder, den ich nach seiner Vorstellung gefragt habe, eine Antwort“, erzählt Buchmann. Und sie berichtet: „Die Sterbenden, die ich kennen gelernt habe, wussten, dass sie sterben würden. Manchmal war ich überrascht, weil jemand noch sehr vital wirkte, aber es gibt Krankheiten, von denen man im ersten Moment nichts bemerkt. Und keiner, den ich begleitet habe, hatte Angst vor dem Tod.“

Die Idee, dem Ende des Lebens besondere Aufmerksamkeit zu schenken, ist noch relativ jung, der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) wurde 1992 gegründet. Eine Wegbereiterin der Hospizbewegung war die Britin Cicely Saunders. Ein bekanntes Zitat von ihr findet sich auf der Internetseite des Hospizvereins: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Die Christrose blüht, während sie von Schnee bedeckt ist. Der Hospizverein sieht sie als Symbol dafür, dass das Leben weitergeht, auch unter einer Decke von Schmerz, Leid und Trauer.

Der Verein bietet Beratungen an zu Themen wie Schmerztherapie und Pflege sowie zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Für Trauernde gibt es einmal im Monat einen Gesprächskreis, der jedem offen steht. Das Büro des Vereins am Ulrichplatz 2 ist montags von 10 bis 11 und donnerstags von 17 bis 18 Uhr geöffnet. Der Anrufbeantworter des Telefons ist immer eingeschaltet und wird zweimal täglich abgehört. Die Nummer: 08231/915203.

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