Region: Augsburger Land

Ein Idyll versinkt im Müll

Profilbild vonFreie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Das Idyll um 9 Uhr morgens.

Herumliegende Pappteller, volle Windeln und ein Donnerbalken: Am malerischen Auensee südlich von Königsbrunn verstoßen viele Badende gegen alle Regeln.

Etwas westlich der Staustufe 22, mitten im Lechauwald bei Unterbergen, liegt der Auensee. Ein malerischer kleiner Baggersee, umgeben von Bäumen, Sträuchern und kleinen Lichtungen. Hier zu baden ist nicht verboten. Allerdings handelt es sich auch nicht um einen offiziellen Badesee, auch wenn er auf manchen Internetseiten ausdrücklich zum Baden empfohlen wird. Es gibt keine Badeaufsicht, das Baden geschieht auf eigene Gefahr. Es gibt keine Abfallkörbe oder Toiletten, obwohl an sonnigen Sommertagen oft um die 800 Besucher zum Baden hierher kommen. Die Folge ist, dass Müll aller Art am Ufer, im Wasser, im Gebüsch, hinter Bäumen und auch im Wald viele Meter vom Ufer entfernt hinterlassen wird. Zu sehen sind Flaschen, Pappschachteln, -teller, -becher, Scherben, volle Windeln, alte Kleidung, rostige Dosen und vieles mehr. An einer Stelle hat jemand hinter einem am Boden liegenden Ast ein tiefes Loch gegraben – einen „Donnerbalken“. Im Gebüsch immer wieder mit benutztem Klopapier übersäte Stellen. Wenn abends die Sonne tief steht, ist der Film aus Sonnenöl auf dem Wasser gut zu erkennen.

Der ganze See liegt in der engeren Schutzzone eines Trinkwasserschutzgebiets. Im Westen liegt der See im Landschaftschutzgebiet „Lechtal Nord“, im Osten im Naturschutzgebiet „Lechauwald bei Unterbergen“. Auf all dies wird auf Schildern hingewiesen. Auf den Schildern stehen auch Verhaltensregeln: „Abfälle bitte mit nach Hause nehmen“, „Feuer machen ist verboten“, „bitte nicht grillen“, „Hunde an der Leine führen“. Doch gelesen werden diese Schilder offenbar nicht. Bis spät abends wird gegrillt, Flaschen bleiben liegen, Hunde laufen ohne Leine, schwimmen im Wasser und streunen durch den Wald, wo sie das Wild erschrecken. Laut Hinweisschild werden Verstöße mit „Geldbußen geahndet“, doch das scheint nicht ernst gemeint zu sein. Auf einem der Schilder steht: „Bitte lassen Sie das Auto zu Hause“, doch die Straße zum See ist oft kilometerlang vollgeparkt.

Viele der sommerlichen Besucher haben am Ufer ihren „Stammplatz“, den sie so oft aufsuchen, dass sie offenbar das Gefühl haben, der See gehöre ihnen. Denn manche haben sich ein kleines Gärtlein angelegt mit fest installierten Sitzmöbeln, andere haben sich kleine Treppen ins Wasser gebaut, denn das Ufer ist einen guten Meter hoch und recht steil. Als Baustoffe wurden Beton, Ziegel, Betonsteine oder Holz gewählt, manche Treppen haben ein Geländer, die meisten nicht. Sollte jemand auf einer dieser Treppen ausrutschen und sich verletzen, wird der Erbauer sicher nicht ausfindig zu machen sein. Wer also haftet für den Schaden? Vor zwei Jahren ist ein Nichtschwimmer im See ertrunken. Damals wurde festgestellt, dass die herbei gerufene Wasserwacht an keiner Stelle ihr Boot zu Wasser lassen konnte. Daraufhin wurde eine Slippschneise für Boote angelegt. Einer der selbst ernannten Bauherren baute seine Treppe ausgerechnet in diese Schneise. Am westlichen Ufer treffen sich die Anhänger des textilfreien Badens. Hier stand einmal ein Schild mit der Aufschrift „FKK Königsbrunn“, aufgestellt von Unbefugten.

Keine Unterstützung von Behörden

Der See liegt auf der Gemarkung von Prittriching, knapp südlich der Grenze zu Schmiechen. Die Grenze markiert gleichzeitig die Grenze zwischen Schwaben und Oberbayern. Prittriching gehört zu Oberbayern, Schmiechen zu Schwaben. Eigentümer des Sees ist jedoch der Freistaat, zuständig ist die Regierung von Oberbayern. Besitzer ist allerdings der Fischereiverein Augsburg, der den See mitsamt Ufer und der in den See ragenden Halbinsel schon seit Jahrzehnten pachtet. Der Verein angelt hier und veranstaltet sein „Königsfischen“ oder ein „Vatertagsfischen“. Und er sorgt für Sauberkeit, so weit dies möglich ist. Im Herbst nach dem Laubfall, wenn das ganze Ausmaß der Vermüllung sichtbar wird, sammelt die Jugendgruppe des Vereins sehr viele Säcke voll Müll ein. Während des Jahres gehen einzelne Vereinsmitglieder hin und wieder Müll sammeln. „Wir werden von ein paar wenigen Badenden unterstützt, die, wenn sie gehen, auch einiges an fremdem Müll mitnehmen. Diesen Damen sind wir sehr dankbar“, sagte Martin Fekete, der Vorsitzende des Fischereivereins, bei einem Rundgang am Seeufer. Unterstützung kommt auch vom Augsburger Tauchverein „Die Untertaucher“. Sie halten regelmäßig im Frühjahr im See eine Tauchübung ab und holen dabei auch Sperrmüll aus dem Wasser, der hier nachts oder im Winter versenkt wurde.

Bei einer Begegnung während des Rundgangs mit dem Besitzer von zwei Hunden, die beide ohne Leine liefen, spielte sich ein Gespräch ab, das wohl als typisch gelten muss. Auf den Hinweis, dass Hunde hier an die Leine gehören, lautete die Antwort: „Sonst hast du keine Probleme? Hier steht nirgends, dass Hunde nicht ins Wasser dürfen! Und überhaupt, das geht dich gar nichts an!“. „Ganz ähnlich reagieren auch Eltern, die ich bitte, die volle Windel, die sie gerade ins Gebüsch schieben, bitte mit nach Hause zu nehmen“, berichtete Fekete. Die Vorstellung, der Fischereiverein könne sich durchsetzen gegen hunderte von Ausflüglern, die an heißen Tagen in etwa so dicht auf dem Waldboden liegen wie Sardinen in der Dose und die nicht die Absicht haben, sich an irgendwelche Regeln zu halten, ist sicher abwegig. „Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim hat in der Vergangenheit einige Treppen zum Wasser abgebaut, doch darüber hinaus scheint sich keine Behörde zuständig zu fühlen“, so Fekete.

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