Region: Augsburger Land

Jugendzentrum Königsbrunn: Spanische Oberschicht des 17. Jahrhunderts sucht die Liebe

Profilbild vonFreie Mitarbeiterin Ute Blauert aus Bobingen
Finale in schönsten Kleidern

Die Theatergruppe des „Matrix“ brachte das Mantel-und-Degen-Stück „Dame Kobold“ auf die Bühne.
Das Jugendzentrum „Matrix“ stand am Freitagabend der vergangenen Woche ganz im Zeichen der spanischen Komödie von Calderón de la Barca: Neben der Saaltür hing die spanische Flagge, ein Gitarrist spielte spanische Weisen und die Getränkekarte über der Theke war ins Spanische übersetzt worden: „Cerveza, Bebidas sin alcohol, Bebidas con alcohol“. Die Zuschauer waren gespannt, ob sie sich in den Charakteren aus dem 17. Jahrhundert wiedererkennen würden.
Der Diener eines reichen Herrn ist in vielen Komödien ein schlauer Kopf, der die Zuschauer mit seinen geistreichen Witzen zum Lachen bringt. In „Dame Kobold“ jedoch entpuppt sich der Diener Cosme (Valentin Mößner) schnell als pflichtvergessen, trinkfreudig und ängstlich. Er erzielte Lacherfolge als Hasenfuß. Die Zofe Isabel (Julia Pischel) hingegen ist gewitzt und weiß alles, worüber im Haus gesprochen wird, weil sie sich stets unauffällig im Hintergrund hält und mit ihrem Staubwedel Geschäftigkeit vortäuscht – großes Gelächter, diese Taktik kennt das Publikum. Den unglücklich verliebten jungen Mann, der seinen Liebeskummer in dramatisches Selbstmitleid steigert bis ihn alle anderen lästig bis lächerlich finden oder den jungen Mann, der die Damen mit übertrieben gewählter Ausdrucksweise zu beeindrucken sucht, gibt es auch heute noch. Der Diener, der seinen Herrn das ganze Stück hindurch davon zu überzeugen sucht, dass es Kobolde gibt, sagt nach der Auflösung des Rätsels: „Das habe ich doch von Anfang an gesagt“ – diese Behauptung löste wiedererkennendes Lachen aus.

Zeitlose Themen

Und wie ist es mit der Handlung des Stücks? Luis (Thomas Berchtold) liebt Claudia (Leonie Wagner), doch Claudia liebt Juan (Crispin Baur) – eine zeitlose Problematik. Zwei Menschen, Angela (Elisabeth Caika) und Manuel (Christoph Koloska), lernen sich nur durch Briefe kennen und lieben – das gibt es auch bei Kennenlern-Portalen im Internet oder in dem Film „E-Mail für Dich“. Ähnlich wie in dem Film beginnt das Ganze als Spaß. Angelas Freundin Claudia fragt: „Was bezweckt das alles?“ Darauf Angela: „Es vertreibt trübe Gedanken.“ Die jungen Männer greifen bei Auseinandersetzungen recht schnell zum Degen – heute werden keine Degen mehr getragen, aber immer noch sind viele junge Männer leicht reizbar. Die Herrschaft geht in Samt und Seide, die Diener barfuß – heute geht zwar niemand mehr barfuß, aber die soziale Ungleichheit ist ein aktuelles Thema. In den 400 Jahren seit Entstehung des Stücks scheinen sich die Menschen nicht geändert zu haben.
Zwischen den Zimmern von Angela und Manuel gibt es eine geheime Tür, die Angela kennt, Manuel aber nicht. Angela und ihre Zofe gehen in Manuels Zimmer ein und aus und hinterlassen Briefe und andere Spuren. Manuels Diener Cosme weiß für die Spuren keine andere Erklärung, als dass ein Kobold sein Unwesen treibt und verliert vor Angst fast sein bisschen Verstand. Eine wichtige Rolle spielt die heute kaum noch vorstellbare Dunkelheit vor Erfindung der Glühbirne, auf der Bühne dargestellt durch mattes blaues Licht. Ohne Kerze sah man damals die Hand vor Augen nicht. Deshalb sind der Schrecken über einen nächtlichen Zusammenstoß mit einem Wesen im leer geglaubten Zimmer und der Glaube an Kobolde verständlich.

Nach langen Proben ein begeistertes Publikum

Ausgesucht wurde das Stück von der Regisseurin und Leiterin der Theatergruppe „Dramalution Kids“ im Jugendzentrum, der Theaterpädagogin Angi Klecker. „Ich wollte in diesem Jahr eine Komödie spielen. Die „Dame Kobold“ gefiel mir wegen der Poesie der Verse“, sagte sie und war hochzufrieden mit den darstellerischen Leistungen ihrer Gruppe. Geprobt wurde mit den 13- bis 17-jährigen Schauspielern etwa ein halbes Jahr lang. Im Stück gibt es acht Rollen, die Gruppe hat aber zehn Mitglieder, deshalb wurden die Rollen der Dame Angela und ihrer Zofe Isabel bei den verschiedenen Aufführungen mal von Elisabeth Caika und Julia Pischel, mal von Antonia Mößner und Azra Altundal gespielt. Die Rolle des Gitarristen war abwechselnd mit Riccardo Ferrara und Matze Semmler besetzt.
Eine Gruppe von Freundinnen der Darsteller äußerte sich in der Pause restlos begeistert: „Zuerst klingt es, als ob jemand gerade einen lateinischen Text übersetzt. Aber dann gewöhnt man sich an die Sprache und merkt, wie witzig das Stück ist. Einfach toll!“ Alle anwesenden Eltern fanden die Aufführung großartig. Die Mutter einer Darstellerin verriet: „Am Anfang wurde nur mittwochs geprobt, dann auch an den Wochenenden und in der letzten Zeit habe ich meine Tochter nur noch beim Essen gesehen.“ Auch Bürgermeister Franz Feigl saß im Publikum. Ihm gefiel besonders die Idee, bei jeder Szene, in der frisch Verliebte unter innerem Ringen der oder dem Angebeteten zärtliche Gefühle offenbaren, den Gitarristen auftreten zu lassen, um mit seiner Musik die Romantik der Szene zu unterstreichen. Der Eintritt war frei, doch am Ende gaben viele Zuschauer großzügige Spenden, damit auch im nächsten Jahr wieder Kostüme und Requisiten gekauft werden können.

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