Region: Augsburger Land

Permakultur-Gärten: „Königsbrunn war seiner Zeit voraus“

Freier Mitarbeiter Ute Blauert aus Bobingen
Dritte Bürgermeisterin Ursula Jung, Sunyela Roider, Landrat Martin Sailer und Zweiter Bürgermeister Maximilian Wellner (von links) bei der Kräuterspirale an der Römerallee.

Landrat Martin Sailer besichtigte die Permakultur-Gärten im Stadtzentrum und zeigte sich begeistert.

Auf Initiative von Sunyela Roider haben Hobby-Gärtner an mehreren Stellen in Königsbrunn Permakultur-Gärten angelegt. Im „3-Hügel-Garten“ an der Marktstraße, im „Yin-Yang-Garten“ an der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße und im „Kronengarten“ am Europaplatz wachsen unterschiedliche Gemüse-, Obst- und Blumenarten auf niedrigen Hügeln. Zwischen den Pflanzen sieht man nirgendwo braune Erde, sondern organisches Material wie Grasschnitt, Stroh und Schafwolle. Die Beete werden ohne mineralische Düngemittel und ohne Pflanzenschutzmittel gepflegt. Trotzdem wächst es so üppig wie sonst kaum irgendwo auf dem mageren Königsbrunner Boden. Allein das organische Material im Beet und die ganzjährige Bodenbedeckumg sorgen für die Fruchtbarkeit des Bodens und die Gesundheit der Pflanzen.

„Ich kannte die Gärten vorher nicht, nun bin ich begeistert“, sagte Landrat Martin Sailer, als er nach seinem Rundgang bei der Kräuterspirale an der Römerallee, dem jüngsten Permakulturprojekt, angekommen war. Unterwegs durfte er von den reifen Erdbeeren und Heidelbeeren kosten, die sonst nur den Gartlern vorbehalten sind. „Als die Stadt die Grundstücke für die Gärten zur Verfügung stellte, war sie ihrer Zeit voraus“, so Sailer weiter. „Seit dem Volksbegehren im letzten Jahr haben die Themen Insektenschutz und Artenvielfalt einen neuen Stellenwert bekommen. Mit diesen Gärten werden Flächen nachhaltig genutzt und gleichzeitig erfüllen sie Bildungsaufgaben. Kindern wird hier begreifbar gemacht, wie Pflanzen genutzt werden können. Zudem sind die Gärten Oasen in der Stadt, in denen man auf den Sitzbänken zur Ruhe kommen kann."

Sunyela Roider gehört zu den rund hundert Botschaftern des Landkreises. Diese Botschafter werden ernannt auf Vorschlag der Fraktionen im Kreistag. Sie sollen den Landkreis nach außen repräsentieren und positiv darstellen, wenn sie aufgrund ihres beruflichen oder ehrenamtlichen Engagements im In- und Ausland unterwegs sind. Einmal im Jahr treffen sich die Botschafter mit Landrat Martin Sailer. Bei einem solchen Treffen kamen Roider und Sailer ins Gespräch und der Besuch des Landrats wurde vereinbart. „Ich bin der Stadt dankbar, dass sie die Verwirklichung von Frau Roiders Idee ermöglicht hat.“ Sailer dankte den anwesenden Repräsentanten der Stadt, der Dritten Bürgermeisterin Ursula Jung und dem Zweiten Bürgermeister Maximilian Wellner, stellvertretend für alle Stadtverantwortlichen. „Frau Roider hat ein neues Thema in das Netzwerk der Landkreisbotschafter gebracht“, sagte Sailer und lud Roider ein, bei einem Botschaftertreffen einen Vortrag über Permakultur und die Königsbrunner Gärten zu halten.

Sortenvielfalt im Obstanbau bewahren

Wie Roider berichtete, wird es in Königsbrunn in Kürze möglich sein, den eigenen Garten als Naturgarten zertifizieren zu lassen. Mit der Zertifizierung und Verleihung der Plakette „Bayern blüht – Naturgarten“ würdigen die bayerischen gartenbaulichen Verbände eine boden- und wasserschonende Bewirtschaftung sowie den Erhalt der Artenvielfalt im Haus- und Kleingarten. Ein neues gartenbauliches Projekt der Stadt ist die Anlage eines Sortengartens für seltene alte Apfel- und Birnenarten. Die Stadtverwaltung hält Ausschau nach einem 1000 bis 2000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem Obstbäume fast vergessener Sorten gepflanzt werden können. Diese Sorten tragen so klangvolle Namen wie „Sommerrabau“, „Winterquittenapfel“ oder „Wildling von Motte“. Auch dieses Projekt findet Sailers Zustimmung. Er erläuterte: „Zum Schutz der alten Sorten ist der Bezirk Schwaben eine Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf eingegangen und stellt dafür zehn Jahre lang jährlich 50.000 Euro zur Verfügung. Die Hochschule vermehrt die Sorten in der Versuchsstation für Obstbau Schlachters in Sigmarszell am Bodensee. Dort werden regionale Apfel- und Birnensorten Schwabens gesammelt und bewahrt. Durch Kreisfachberater und Gartenbauvereine sollen die Sorten bekannter gemacht werden.“ Ursula Jung, die dem Kreistag angehört, ergänzte: "Damit auch Privatleute von diesen Sorten erfahren, hat der Kreistag jüngst beschlossen, jedem Bauherrn, dessen Bauantrag im Landratsamt bearbeitet wird, einen Baum einer alten Sorte als Geschenk anzubieten."

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