Region: Augsburger Land

Eine Schleuse aus der Römerzeit

Die Schleuse im Entwässerungsgraben

Eine Schleuse aus der Römerzeit
In loser Folge werden Ausstellungsstücke des Archäologischen Museums Königsbrunn und ihre Geschichte vorgestellt. Heute geht es um die Schleuse aus dem Römerbad auf dem Städtischen Friedhof.
In der römischen Abteilung des Museums ziehen drei große, sorgfältig rechteckig behauene Tuffsteine die Blicke auf sich. Zwei stehen senkrecht, der dritte liegt passgenau wie ein Dach darauf.
Gefunden wurden diese Steine während der Freilegung des Römerbades durch den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte. Stellvertretende Grabungsleiterin Siglinde Matysik erzählt, wie es überhaupt zu der Grabung kam:
„Als der Friedhof nach Norden erweitert werden sollte, bekamen wir aufgrund der römischen Befunde auf dem Friedhofsgelände die Genehmigung, den gesamten Erweiterungsstreifen (außerhalb des Zaunes) ohne Zeitdruck zu untersuchen. Im mittleren Teil fiel uns nur auf, dass an einer Stelle die Abdrücke einer Hypokaustanlage, viel bemalter Verputz und Keramikscherben zu finden waren. Damals wussten wir noch nicht, dass wir uns im Bereich des römischen Bades befanden. Da alles darauf hindeutete, dass das angeschnittene Gebäude nach Süden in den Friedhof hineinreichte, erlaubte uns die Stadt Königsbrunn, unsere Untersuchung im Friedhofsbereich weiterzuführen. Das betreffende Areal war damals bei der Grabung 1976/77 nicht archäologisch abgeklärt worden, da der Bauwagen der Arbeiter dort stand und weil man in diesem Bereich keine Funde erwartete. Unser Glück, denn dadurch konnten wir durch diese interessante Ausgrabung das römische, öffentliche Bad entdecken!“
Die Grabung dauerte von 1998 bis 2012 und brachte viele aussagekräftige Funde zutage. Das Bad lag an einem Hang, und eines Tages stießen die ehrenamtlichen Archäologen auf die drei großen Tuffsteine. Sie lagen am unteren Ende des Gebäudes in einigem Abstand voneinander in einem verfüllten Entwässerungsgraben und gaben zunächst Rätsel auf. Erst durch genaues Hinsehen und Probieren fand man heraus, dass sie genau zusammenpassten und ein umgedrehtes U bildeten. Bearbeitungsspuren deuteten darauf hin, dass die Öffnung durch Hoch-und-Hinunter-Schieben eines Holzbretts geöffnet und geschlossen werden konnte.
Aber warum wurde für das Abwasser aus dem Bad eine Schleuse benötigt? Und woher bekamen die Römer überhaupt genügend Wasser für ihre ausgiebigen Badegenüsse mit Tepidarium (lauwarmes Bad), Caldarium (Warmbad) und Frigidarium (Kaltbad)?
Oben auf der Hangkante der Hochterrasse hatten die Römer einen mehr als 35 Kilometer langen Kanal angelegt, der Wasser in die Hauptstadt Augusta Vindelicum brachte. Bei Igling hatten sie die Singold aufgestaut und leiteten von dort aus das Wasser bis in die Stadt.
Da lag es nahe für die Bewohner der neun römische Meilen südlich gelegenen Straßenstation (auf der Peutingerkarte mit „ad nonas“ bezeichnet), den nahe verlaufenden Kanal anzuzapfen. Das Wasser füllte, durch die Hypokaustheizung erwärmt, die Becken und spülte am Ende die Latrinen.
Und nun kommt unsere Schleuse ins Spiel. Sie ermöglichte es zu regulieren, wie viel Wasser auf die Felder fließen durfte, um sie zu bewässern und zu düngen. Das Abwasser aus dem Bad wurde also weiter genutzt – ein durchdachtes und nachhaltiges Projekt aus der Römerzeit.
Der Nachbau der Fundamente des Bades mit Gabionen kann auf dem Städtischen Friedhof zu den Öffnungszeiten besichtigt werden. Ein Pavillon liefert Informationen dazu. Die Funde aus der Grabung, auf die in einem eigenen Artikel noch weiter eingegangen wird, sind im Archäologischen Museum zu sehen, sobald es wieder geöffnet werden darf.

 

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X