Region: Augsburger Land

Stiller Protest des Gastgewerbes

Freier Mitarbeiter Ute Blauert aus Bobingen
Schön gedeckter Tisch und frisch bezogenes Bett ohne einen Gast: Christian Dreisbach, Gudrun Mitzel und Gabi Dreisbach (von links) bei ihrer stillen Protestaktion an der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße.

Auf dem Bürgersteig vor dem Best Hotel Zeller in Königsbrunn standen am Montag ein liebevoll gedeckter Tisch, ein Bartresen und sogar ein blütenweiß bezogenes Doppelbett. Mit solchen Aktionen machten Hotels und Gaststätten in den vergangenen Tagen bundesweit auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam.

Frisöre, Bau- und Gartenmärkte sind wieder geöffnet, während Restaurants weiterhin geschlossen bleiben müssen und Hotels ausschließlich Reisende, die aus geschäftlichen oder dringenden persönlichen Gründen unterwegs sind, beherbergen dürfen. „Für uns ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar“, sagte Christian Dreisbach, Mitglied der Geschäftsführung des Best Hotels Zeller, bei einem Gespräch am 1. März, dem Aktionstag des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA). „Wir haben im Sommer letzten Jahres bewiesen, dass wir unsere ausgezeichneten Hygienekonzepte mit Abstandsregeln und Maskenpflicht gewissenhaft umsetzen. Jeder Gast hat seine Kontaktdaten hinterlegt, damit er im Fall einer bekannt werdenden Infektion benachrichtigt werden konnte. Wir hatten keinen einzigen Fall. Es wurde auch niemals nachgewiesen, dass sich Menschen in Gaststätten oder Hotels vermehrt anstecken. Die Hygiene-Konzepte der Bau- und Gartenmärkte sind sicher nicht besser als unsere.“ Dreisbach fordert Gleichbehandlung der Branchen und regionale Unterschiede bei den Corona-Schutzmaßnahmen je nach Infektionslage. In Regionen mit niedrigen Ansteckungszahlen sollten die Maßnahmen gelockert werden. Solange die Zahl der Geimpften so niedrig liegt wie im Moment, sollten mehr Schnelltests zur Verfügung stehen, ergänzte Gudrun Mitzel, Geschäftsführerin des Best Western Hotels. Damit könnten Menschen, die aus einer stark betroffenen Region ausreisen wollen, jeweils vor Ort ihre Virusfreiheit nachweisen.

Ausbildung geht weiter

Gabi Dreisbach, ebenfalls in der Geschäftsführung des Best Hotels Zeller tätig, stellte die Lage der Mitarbeiter in den Vordergrund. Sie sind seit Monaten in Kurzarbeit und müssen daher von 60 bis 87 Prozent ihres gewohnten Einkommens leben. Obendrein fehlen ihnen die Trinkgelder. Nur die Auszubildenden arbeiten normal weiter und werden sorgfältig ausgebildet, sei es in der Küche, an der Rezeption oder im Umgang mit der speziellen Software für das Gastgewerbe. „Sobald der Lockdown vorüber ist, werden wir gut ausgebildete Fachkräfte wieder dringend benötigen. Unsere jungen Leute erlernen tolle Berufe mit hervorragenden Zukunftsperspektiven“, erläuterte Gabi Dreisbach. In schlimmer Erinnerung ist ihr der erste Lockdown geblieben: „Wir waren völlig ausgebucht wegen der Sonepar-Messe in Augsburg und hatten entsprechend viele Lebensmittel eingekauft. Nach der kurzfristigen Absage der Messe mussten wir das meiste davon wegwerfen.“

Rund die Hälfte der Hotels in Bayern ist geschlossen, weil eine Öffnung für nur wenige Gäste unrentabel ist. Die Königsbrunner Hotels Best Western und Best Hotel Zeller sind geöffnet, denn, so Christian Dreisbach: „Wir haben Firmen als Stammkunden, die ihre Geschäftspartner immer bei uns unterbringen. Um sie zu halten, führen wir den Betrieb weiter.“ Gudrun Mitzel zählte auf: „Uns fehlen die Gäste, die sonst zu den Messen in Augsburg angereist sind, Tagungen dürfen nicht stattfinden, die großen Reisegruppen aus Asien und Amerika fehlen schon seit einem Jahr. Auch aus Italien kamen vor Corona viele Gruppen für Reisen entlang der Romantischen Straße. Die Festspiele in Oberammergau wären ein Touristenmagnet geworden und zur Aufnahme der Stadt Augsburg in das Unesco Weltkulturerbe wären viele Gäste gekommen.“ Mitzel rechnet nicht damit, dass sich der internationale Tourismus schnell erholen wird. Deshalb bereitet sie ihren Betrieb auf Touristen aus dem Inland vor: „Rad- und Wandertouren, Fahrten nach Augsburg, Ulm oder München - von Königsbrunn aus können viele sehr attraktive Ausflüge unternommen werden.“

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