Region: Augsburger Land

Zeitzeugen-Filmtour in Corona-Pause

Mit dabei bei der Vorführung in Schwabmünchen waren die drei Zeitzeugen Elmar Pfandzelter (95 Jahre), Elfriede Moll (98 Jahre) und Luise Hannes (100 Jahre) (von links) und unterstützten Michael Kalb (Dritter von links) bei seinem Filmprojekt.

Zahlreiche Aufführungen des Dokumentarfilms „Die letzten Zeitzeugen“ wurden aufgrund der Corona-Krise abgesagt und sollen bis auf weiteres verschoben werden. Immerhin legte der Film des Augsburger Filmemachers Michael Kalb und seines Kollegens Timian Hopf einen guten Start hin: Etwa 3000 Zuschauer sahen den Film auf knapp 20 verschiedenen Veranstaltungen in Augsburg und dem Landkreis. Mindestens noch einmal so viele Aufführungen in ganz Bayern und sogar darüber hinaus waren geplant. Doch die Folgen und Sicherheitsvorkehrungen bezüglich des Coronavirus mit Schließung der Kinos und Absagen aller Veranstaltungen machte der Kinotour einen Strich durch die Rechnung.

„Angesichts des Ansteckungsrisikos und vor allem zum Schutz der vielen älteren Zuschauer unseres Films, ist dies nur vernünftig und absolut notwendig“, so Produzent und Regisseur Kalb. Mit den Kinos und Gemeinden seien Terminverschiebungen angedacht, können aber noch nicht geplant werden, da aktuell nicht abzuschätzen ist, wann und wie sich die Situation verbessern wird.Gerade anlässlich des Endes des Zweiten Weltkrieges, welches sich am 8. Mai zum 75. Mal jährt, sowie der Befreiung vieler Städte um diese Zeit durch die Alliierten, seien viele Vorführungen geplant gewesen. Neben zahlreichen Landkreisgemeinden waren auch Kinoaufführungen in Augsburg, München, Passau, Bamberg, Leipzig und weiteren Städten geplant. Ebenso ist auch noch kein Ausstrahlungstermin im Fernsehen bekannt. Der Bayerische Rundfunk war Koproduzent des Dokumentarfilms.

In ihrem 85-minütigen Film „Die letzten Zeitzeugen“ begleiten die beiden Filmemacher Michael Kalb und Timian Hopf die Senioren Heinz und Günther Barisch auf eine Reise in die Vergangenheit und besuchen mit ihnen ihre Heimat in Oberschlesien im heutigen Polen. Neben den Brüdern interviewte Kalb 35 weitere Zeitzeugen. Sie alle berichten von der Zeit zwischen 1920 und 1950. Grundlage und Anstoß für den Dokumentarfilm war ein wissenschaftliches Archiv-Projekt, für das Kalb über zweieinhalb Jahren lang unter Begleitung von verschiedenen Historikern Interviews mit Zeitzeugen führte. Die insgesamt 53 Stunden Filmmaterial wurden zusätzlich transkribiert. Aktuell arbeitet das Team auch an einer Buch-Publikation des Projektes, bei der die 1250 Seiten noch gekürzt und wissenschaftlich überarbeitet werden.

Der Film feierte im Januar in einem vollen Augsburger Kino seine Weltpremiere, gefolgt von der Landkreispremiere in der Reischenauhalle in Dinkelscherben. Darauf kamen eine Reihe von stets gut besuchten weiteren Aufführungen quer durch den Landkreis Augsburg: Langweid, Biberbach über Baiershofen, Zusmarshausen, Fischach nach Schwabmünchen und Langerringen. Zu den Aufführungen kamen auch einige der noch lebenden Zeitzeugen des Films.

Zeitzeugen mit dabei

„Besonders freute mich die Vorführung in der Stadthalle in Schwabmünchen Ende Februar“, erzählt Regisseur und Produzent Kalb. Dort war neben Elfriede Moll (98 Jahre) und Altbürgermeister Elmar Pfandzelter (95 Jahre) auch Luise Hannes zu Gast, die kurz darauf, am 21. März, ihren 100. Geburtstag feierte. „Das war für meine Oma natürlich ein 100. Geburtstag, den sie sich anders gewünscht hat“, sagt Enkelin Brigitte Umbach. Aber angesichts der aktuellen Situation müssen sogar 100-Jährige zurückstecken. Mehr dazu gibt es im Internet auf www.letzte-zeitzeugen.de zu lesen. (pm)

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