Region: Aichach|Friedberg

Erhöhtes Rückfallgeschehen bei Suchtkranken – Rückgang der Kontakte macht Fachwelt Sorgen

LeserReporter Bernhard Gattner
Unkenntnis der nach wie vor bestehenden Hilfeangebote und vermehrte Isolation werden als Gründe genannt

 

 

Augsburg, 28.01.2021 (pca). Die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie belasten Menschen mit einer Suchtproblematik in starkem Maß. „Für viele, die wir hier im Team der Augsburger Suchtfachambulanz begleiten, ist die derzeitige Situation eine enorme Herausforderung. Wir beobachten ein erhöhtes Rückfallgeschehen“, sagt Edith Girstenbrei-Wittling, die Leitung der Suchtfachambulanz. Mit großer Sorge beobachtet sie auch, dass die Zahl neuer Kontakte in den letzten Wochen deutlich abgenommen hat, „und das, obwohl wir alle in der Fachwelt von einem deutlichen Anstieg der Suchtproblematik ausgehen und wir auch nach wie vor unser Beratungsangebot voll umfänglich aufrechterhalten“.

 

Sie führt diesen Umstand auf verschiedene Faktoren zurück. „Viele wissen einfach nicht, wo welche Hilfen auch jetzt in der Pandemie nach wie vor zur Verfügung stehen, oder sie sind aufgrund der aktuellen Einschränkungen verunsichert, ob sie diese nutzen können.“ Als weiteren Grund nennt die Therapeutin den Aspekt, dass psychische Belastungen und Suchterkrankungen oft zu vermehrtem Rückzug und Isolation der Betroffenen führen und es ihnen grundsätzlich meist schwer fällt, Hilfe anzunehmen. Diese Rückzugstendenz werde durch die vielfältigen Corona bedingten Einschränkungen zusätzlich verstärkt.

 

Girstenbrei-Wittling ist es deshalb ein großes Anliegen, auf das bestehende Angebot der Beratungs- und Behandlungsstelle hinzuweisen. „Das kann jeder tun, der in seinem Umfeld eine Person kennt, die eine Suchtproblematik hat.“ Auch die Medien bittet sie, darauf aufmerksam zu machen. „Frühzeitige Hilfe und Unterstützung sind so wichtig, um eine drohende Abhängigkeitsentwicklung zu verhindern bzw. eine Suchtproblematik schneller in den Griff zu bekommen und somit weitere psychosoziale und körperliche Folgeschäden zu vermeiden.“

 

Sie verweist ausdrücklich darauf, dass dank strengster Einhaltung eines entsprechenden Hygienekonzeptes nach wie vor persönliche Beratung, therapeutische Angebote und die Ambulante Rehabilitation stattfinden können. Die Kontaktaufnahme und erste Situationsklärung erfolgt telefonisch. Hierbei werden die weiteren Schritte vereinbart. Sollte eine persönliche Beratung in der aktuellen Lage für Betroffene nicht in Frage kommen oder ein erhöhtes Risiko darstellen, kann der Beratungsprozess auch rein telefonisch oder digital stattfinden. Gute Erfahrungen macht das Team der Beratungsstelle der Augsburger Suchtfachambulanz der Caritas mit der Mischung aus telefonischem und persönlichem Kontakt. Zudem weist die Caritas-Mitarbeiterin auf die Möglichkeit der Online-Beratung unter www.caritas.de/onlineberatung hin.

 

Die Beratungsschwerpunkte der Suchtfachambulanz beziehen sich auf der Gefährdung durch Alkohol, Medikamente, Glücksspiel, Online-Spiel, exzessiver Mediennutzung und Essstörungen.

 

Kontakt und Information:

Caritas-Suchtfachambulanz, Auf dem Kreuz 47, 86152 Augsburg

Tel. 0821 3156432

www.suchtberatung-augsburg.de

www.caritas.de/onlineberatung

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