Wie ein Kissinger Künstler-Paar aus den Einschränkungen der Pandemie Kraft und Lebensfreude zieht

Freie Mitarbeiterin Heike Scherer aus Mering
Margit und Dierk Sartor genießen die Zeit der Pandemie, um ihre Kreativität intensiv auszuleben. Neben dem Musizieren mit Geige und Klavier malen sie jeden Nachmittag ein neues Bild. Margit Sartor zeigt eine überarbeitete Radierung und Dierk Sartor ein Bild, das er mit Collage. Farbstiften, Aquarellfarben und Strukturpaste gestaltet hat.

Eine große Sammlung bunter, übermalter Druckgraphiken oder Bilder von italienischen Landschaften in Mischtechnik liegt auf dem Tisch im Wohnzimmer. Auch ein Portrait einer jungen Frau mit Bleistift und ein noch nicht ganz fertiges Bild mit Collage, Aquarell und Strukturpaste sind darunter zu finden. Nicht weit entfernt steht das Klavier und daneben ein Notenständer mit dem Lied „My Song“ von Elton John. Dierk und Margit Sartor sind beide pensionierte Musik- und Kunstlehrer und genießen die Zeit der Pandemie, um täglich erst auf ihren Instrumenten zu üben, später gemeinsam mit Klavier und Geige zu musizieren und am Nachmittag ein neues Bild zu gestalten. Durch die viele persönliche Zeit haben sie die Möglichkeit, ihre Kreativität intensiv auszuleben und viel Lebenskraft zu gewinnen. Musizieren und Malen ist inzwischen zu einem täglichen Grundbedürfnis für sie geworden, verraten beide lachend.

Die beiden Kissinger arbeiteten bis 2018 beziehungsweise 2019 als Fachlehrer für Musik und Kunst am Stetten-Institut in Augsburg. Margit Sartor leitete dort auch einige Jahre die Theatergruppe, Dierk Sartor die Schulband und einen bei den Schülerinnen sehr gefragten Talenteschuppen. Viele Ausstellungen und Konzerte initiierten sie. Eine Tochter ist inzwischen in die Fußstapfen der Eltern getreten und studierte Kunst. Wie jedoch gestalten die Künstler und Musiker ihren Tagesablauf in der Pandemie?

Um 7.30 Uhr stehen sie auf, trinken nur einen Kaffee und machen Sport. Dann übt Margit Sartor an der Violine und Dierk Sartor am Klavier, bevor sie gemeinsam musizieren. Manchmal kommt auch ein befreundeter Schlagzeuger oder weitere Streicher für Kammermusik hinzu. Sie spielen alle Genres an Musik: Jazz, Klezmer, irische Stücke, aber auch klassische Werke von Mozart, Beethoven, Mendelsohn-Bartholdy oder anderen Komponisten. Während des Lockdowns mit Kontaktbeschränkungen nahmen sie die Stücke oft mit dem Handy auf und sandten sie an Freunde weiter. Sie hatten ab und zu auch ein bis zwei persönliche Zuhörer.

Nach dem Kochen und Essen geht der Tag mit Malen weiter. Dierk Sartor nennt seine Werke wegen der fehlenden Reisemöglichkeit „Sehnsuchtsbilder“, die er mit Collage und Mischtechnik gestaltet. Zum Beispiel ein eindrucksvolles Bild von Venedig mit den Palästen, dem Kanal und zwei fliegenden Möwen. Margit Sartor zeichnet gerne Portraits oder abstrakte, großformatige Bilder. Oft sind es Druckgraphiken, die sie noch farbig gestaltet. Erst vor kurzem stattete sie die Praxis eines befreundeten Arztes mit ihren Bildern aus.

Als im Sommer 2020 wieder mehr Personen im Haus erlaubt waren, fand im Hause Sartor ein Musik- und Literaturabend statt. Moderne Jazzstücke kamen zur Aufführung, Margit Sartor las aus Joachim Meyerhoffs Buch „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Dierk Sartor gab sogar Interessierten einen kleinen Kurs im Aquarellmalen und in Druckgraphik, erzählt er. Da beide Künstler Träger des Kissinger Kunstpreises sind, bleibt zu hoffen, dass bald wieder Ausstellungen in Kissing möglich sind und sie ihre in der Pandemie entstandenen Werke der Öffentlichkeit präsentieren können.

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