Region: Augsburger Land

Fischbestand im Mädelelech bei Meitingen: Die Nase ist wieder da

Freier Mitarbeiter Peter Heider aus Meitingen
Die Nase wurde zum Fisch des Jahres gekürt.

Der Fischerverein Meitingen hat ein Fischbestandsmonotoring im Mädelelech durchgeführt und zahlreiche Fischarten festgestellt. Auch die seltene Nase ist mittlerweile wieder zu finden.

Die Nase, der Fisch des Jahres 2020, konnte bei Elektrobefischungen im Mädelelech bei Meitingen in mehreren Jahrgängen wiedergefunden werden. Zusammen mit der Fischereifachberatung Schwaben führten Mitglieder des Fischervereins Meitingen ein Fischbestandsmonitoring durch, um einen Überblick zu bekommen, welche Fische vorhanden sind und ob Besatzmaßnahmen erfolgreich waren. Die Nase, früher ein Massenfisch im Lech, ist selten geworden. "War sie in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch sehr häufig in großen Schwärmen zu beobachten, so verschwand sie in den vergangenen 30 Jahren mehr und mehr“, erläutert Hubert Schuster, Erster Vorsitzender des Fischervereins Meitingen. Der Besatz mit junger Nasenbrut zeigte zuerst keine nachhaltige Wirkung. Nun konnten aber etliche Exemplare nachgewiesen werden, die sich im Mädelelech selbst vermehrt und entwickelt haben.

"Die Ergebnisse der Befischung im Mädelelech können sich sehen lassen", freut sich Schuster. Über 20 Fischarten – Schneider, Aitel, Barben, Äschen, Bachforellen und weitere bedrohte Arten – wurden auf der etwa zwei Kilometer langen Strecke gefangen und nach der Dokumentation sofort wieder freigelassen. Ganz besonders freuten sich die Fischer über die zwei- bis vierjährigen Nasen, die sich hoffentlich in den nächsten Jahren weitervermehren werden. Auch Maximilian Dietrich von der Fischereifachberatung Schwaben zeigte sich begeistert von der Vielzahl der Fischarten und der großen Fischbiomasse, die um ein Vielfaches über dem Bestand im Lech liege. Raubfische, also Hechte und Waller, wurden übrigens entnommen, damit sich die Jungfische im Mädelelech möglichst ungestört entwickeln können.

Kieslaicher, strömungsliebende Fische und Wanderfische, wozu auch die Nase, ein Kurz- bis Mittelstreckenwanderer, gehört, sind besonders bedroht. Früher gab es nicht nur einen begradigten Flusslauf, sondern der Lech und andere Flüsse waren vielfach verästelt mit großen und kleinen Flussläufen, schnell und langsam fließend, also strukturreich und mit einer großen Vielfalt verschiedener Lebensräume für alle Fischarten und -altersstadien. Heute sieht es ganz anders aus.

So ein Nebengewässer wie der Mädelelech ist deshalb so wichtig, weil die Fische dort alle fünf sogenannte „Schlüsselhabitate“ vor-finden: Laichplätze, Bereiche, in denen Jungfische ungestört aufwachsen können, Bereiche für erwachsene Fische, Lebensraum mit ausreichend Nahrung und Rückzugsgebiete bei Hochwasser oder vor fischfressenden Tieren.

Die Meitinger Fischer kümmern sich um die Hege und Pflege des Fischbestands, sie besetzen Fische, sie kümmern sich um die Durchgängigkeit und sorgen dafür, dass die Fische ablaichen können. "Ohne Übertreibung kann man sagen, dass viele Fischarten ohne uns Fischer in vielen Gewässern schon ausgestorben wären", sagt Zweiter Vorstand Reinhard Reiter. "Wir freuen uns riesig über die Fischvielfalt, weil es eine Bestätigung für unsere gute Arbeit ist."

Steckbrief:

Die Nase (Chondrostoma nasus) ist der Fisch des Jahres 2020. Ihren Namen hat sie von dem nasenähnlich geformten Aufsatz am Oberkiefer. Mit ihrem breiten, scharfkantigen Maul ist sie perfekt angepasst, um Algen und Fischnährtiere von Steinen und Kiesbetten abzuweiden. Dabei dreht sie sich seitlich und das silbrigen Schuppenkleid blitzt ganz typisch auf. Sie wird bis zu 60 Zentimeter groß und kann Gewichte bis 2500 Gramm erreichen. Nasen leben natürlicherweise in Schwärmen von mehreren hundert Exemplaren. Sie laichen im Frühjahr von März bis Mai und unternehmen in den Fließgewässern Laichwanderungen bis zu hundert Kilometer.

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