Region: Augsburger Land

Lech mit 20 000 Nasenbrütlingen besetzt

Freier Mitarbeiter Peter Heider aus Meitingen
Gewässerwart Stefan Roth (links) und Erster Vorstand des Fischervereins Meitingen, Hubert Schuster (rechts), hoffen, mit dem Besatz der kleinen Jungnasen, dass die Fischart sich wieder in heimischen Gewässern vermehrt.

Die Nase, der Fisch des Jahres 2020, sei im Lech stark bedroht, sagt Reinhard Reiter, zweiter Vorsitzender des Meitinger Fischervereins. "War sie hier früher noch ein Massenfisch, so ist sie inzwischen sehr selten geworden.“ In den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts war diese Fischart noch in großen Schwärmen zu beobachten, aber in den letzten 30 Jahren verschwand sie mehr und mehr aus den Gewässern. 2020 konnten bei Elektrobefischungen im Mädelelech bei Meitingen einige größere Exemplare nachgewiesen werden, die sich hier selbst vermehrt und entwickelt hatten. „Diesen Trend wollen wir, die Fischervereine von Meitingen und Thierhaupten sowie der Fischereirechtsinhaber Happach, unterstützen, indem der Lech und der Mädelelech sowie der Altwasserstau bei Ellgau mit über 20 000 winzigen, circa einen Zentimeter langen Nasenbrütlingen besetzt wurden“, erklärt Reiter.

Die junge Nasenbrut, die vom Schwäbischen Fischereihof Salgen der Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben stammt, wurde in beruhigten Flussabschnitten eingesetzt, wo genügend Nahrung ‒ kleinstes Zooplankton ‒ vorhanden ist. "Wir hoffen", so Reiter, „dass sich die Jungfische in der eigens ausgewählten, strukturreichen 'Kinderstube' prächtig entwickeln und in einigen Jahren selbst Nachwuchs erzeugen." Nasen sind Kieslaicher und brauchen mal schnelle und mal langsam fließende, strukturreiche Lebensräume. Die strömungsliebenden Fische sind Kurz- bis Mittelstreckenwanderer. Durch den verbauten und begradigten Flusslauf des Lechs sind die Bedingungen für diese und andere Fischarten in allen Altersstadien leider nicht mehr optimal. „Die Meitinger Fischer kümmern sich um die Hege und Pflege des Fischbestands, sie besetzen Fische, sie schaffen Laichplätze, sie kümmern sich um Verbesserungen der Struktur durch lebensraumverbessernde Maßnahmen und sie sorgen damit dafür, dass sich die Fische vermehren und artgerecht aufwachsen können, denn ohne die Fischer wären vermutlich schon viele Fischarten ausgestorben“, hofft Reinhard Reiter auf eine gelingende Entwicklung der Maßnahme.

Die Nase (Chondrostoma nasus) ist der Fisch des Jahres 2020. Ihren Namen hat sie von dem nasenähnlich geformten Aufsatz am Oberkiefer. Mit ihrem breiten, scharfkantigen Maul ist sie perfekt angepasst, um Algen und Fischnährtiere von Steinen und Kiesbetten abzuweiden. Dabei dreht sie sich seitlich und das silbrigen Schuppenkleid blitzt ganz typisch auf. Sie wird bis zu 60 Zentimeter groß und kann ein Gewicht von bis zu 2500 Gramm erreichen. Nasen leben natürlicherweise in Schwärmen von mehreren hundert Exemplaren. Sie laichen im Frühjahr von März bis Mai und unternehmen in den Fließgewässern Laichwanderungen bis zu hundert Kilometer.

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