Region: Augsburger Land

Meitinger Marktgemeinderat hat sich für die Erweiterung der Lech-Stahlwerke entschieden

Freier Mitarbeiter Peter Heider aus Meitingen
Friedliche Demonstrationen von Gegnern der Werkserweiterung begleiteten kurze Zeit vor der Ballspielhalle die außerordentliche Gemeinderatssitzung.

Stahlwerke wollen 17 Hektar Wald roden. 21 zu 3 Stimmen für den Bebauungsplan. Bürgerresonanz an der Mammutsitzung in der Ballspielhalle war unerwartet gering.

In einer mehrstündigen Sitzung hat der Marktgemeinderat Meitingen am vergangenen Wochenende die geplante Erweiterung der Lech-Stahlwerke und die damit verbundene Rodung von 17,6 Hektar des Bannwalds behandelt. Gegen drei Stimmen machte die Mehrheit im Gremium den Weg frei für kommende Verhandlungen mit der Unternehmensleitung. Für die deutliche Mehrheit der Markträte sei der gefasste Beschluss ein Kompromiss zwischen Umweltschutz sowie der Interessen des Unternehmens sowie einer Großzahl von Arbeitnehmern. Bevor jedoch der erste Bäum fällt, muss ein Ausgleich an Waldgebiet geschaffen werden.

Das Interesse der Bevölkerung an der Veranstaltung hielt sich in Grenzen. Nur etwa 25 Gäste nahmen an der Sitzung teil. „Seit zwei Jahren liegen konkrete Erweiterungspläne im Rathaus vor und es wird in der gesamten Marktgemeinde über ein Für und Wider über das geplante Vorhaben diskutiert“, erklärte Bürgermeister Michael Higl. Umweltschützer sorgen sich um den Bannwald, da er besonders schützenswert und wichtig für die Artenvielfalt und für Erholung sei. So wurde bereits im Vorfeld der Sondersitzung Bürgermeister Higl etwa 4500 Unterschriften gegen eine geplante Lech-Stahlwerk-Erweiterung überreicht. Entscheidend für eine Erweiterung ist jedoch vor allem eine geplante Aufforstung des Bannwaldes nach der Rodung bisheriger Bäume, die Stahlwerke sollen den bestehenden Wald zwar abholzen dürfen, jedoch müssen dafür eine große Anzahl neuer Bäume gepflanzt werden. Läuft alles nach Plan, könnte das Werk frühestens im kommenden Jahr 2022 mit den Rodungsmaßnahmen beginnen.

Am Ende ergab eine Abstimmung für oder gegen die Stahlwerkerweiterung ein Ergebnis von 21:3 Stimmen für den Bebauungsplan. Nur die Grünen-Fraktion sprach sich gegen die Erweiterungspläne aus. Annemarie Probst (Grüne) meinte, dass ihr der Glaube dazu fehle, dass alle Maßnahmen unter den aktuellen Umständen des Klimawandels sich so entwickeln, wie man sich das heute in der Theorie vorstelle. Der Landtagsabgeordnete Fabian Mehring (Freie Wähler) schilderte, dass sich angesichts von zwei Petitionen auch die Landepolitik mit dieser Thematik ausführlich beschäftigte. „Angesichts der einhelligen Stellungnahmen aller Fachbehörden, hat sich nicht nur das Wirtschafts- sondern auch das Umweltministerium für eine Realisierung des Projekts ausgesprochen“, sagte er. Robert Hecht (Freie Wähler) meinte, dass zwischenzeitlich ein guter Kompromiss zwischen Ökonomie und Ökologie gefunden worden sei, denn räumliche Alternativen zu der geplanten Erweiterung gebe es auch aus Gründen des Lärmschutzes nicht. Anton Büchele (CSU) sieht in dem Bebauungsplan eine Investition in die Zukunft für Arbeitsplätze und die Umwelt. „Auf Basis der Bewertung der Unterlagen, vorliegenden Informationen, Interessen, Stellungnahmen, Belange und Gutachten sowie Abwägungen von Vor- und Nachteilen ist es Aufgabe des Marktgemeinderates, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen“, so Büchele. Für die SPD-Fraktion sei wichtig, dass die Ausgleichsmaßnahmen stehen, ehe der erste Baum gerodet wird, betonte Anton Bier und sprach sich für den Beschluss zu einer Werkserweiterung aus.

In einem Statement begrüßte die Geschäftsführung der Lechstahl-Werke die Entscheidung des Marktgemeinderates. „Mit der Entscheidung ist der Weg für nachhaltigen Klima- und Naturschutz durch Recycling und praktizierte Kreislaufwirtschaft sowie Ansiedlung von hochwertschöpfenden Aktivitäten der Stahlverarbeitung eröffnet“, erklärte die Werksleitung.

Während im Inneren der Ballspielhalle von den Markträten und Experten das Mammutprojekt diskutiert und erläutert wurde, hatten sich vor dem Gebäude etwa 45 Demonstranten versammelt, darunter auch der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Johannes Enzler. Er meinte, dass es nicht akzeptabel sei, dass ein Bannwald, der unter Naturschutz steht, gerodet werden soll. Des weiteren äußerte er Bedenken an der Glaubwürdigkeit der Stahlwerke, denn er gehe nicht davon aus, dass ohne Erweiterung tatsächlich Arbeits-plätze wegfallen würden. „Es würde viele Jahrzehnte dauern, bis die Artenvielfalt und die zahlreichen schützenswerten Tierarten im neuen Wald sich wieder heimisch fühlen würden“, sorgte sich die ortsansässige Christine Golling.

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