Region: Aichach|Friedberg

Aus alt mach neu: Im Meringer Repaircafé schenken Handwerker kaputten Dingen neues Leben

Freie Mitarbeiterin Heike Scherer aus Mering
Andreas Pschenitza kümmerte sich um eine defekte Nähmaschine von Dietmar Link aus Mering.

In einem Repaircafé können Menschen kaputte Gegenstände wieder in Ordnung bringen lassen. In Mering fand nun eine solche Veranstaltung statt. Mehrere ehrenamtliche Handwerker waren im Einsatz, um von Brunnenpumpe über Kaffeemaschine bis zur Nähmaschine verschiedenste Dinge wieder in Gang zu bringen.

Alexander Besler aus Kissing trägt jeden Morgen von halb 4 bis 5 Uhr die Tageszeitung bei 70 Abonnenten in seiner Heimatgemeinde aus. Danach frühstückt er und fährt zu seiner Arbeitsstelle nach Neusäß. Vor zwei Wochen ging sein Arbeitsfahrrad plötzlich kaputt. Die Gangschaltung blieb im dritten Gang hängen. Eine Woche lang verwendete er sein schweres großes Rad, bevor er sich ein Ersatzfahrrad besorgte. Sein defektes Rad war der erste Auftrag für Michael Krämer, der an diesem Tag insgesamt vier Drahtesel reparierte.

Das Repaircafé gab es bereits in anderen Städten wie Friedberg, Augsburg oder Landsberg. Durch die ehrenamtliche Veranstaltung können Geräte, die sonst entsorgt werden müssten, im eigenen Haushalt weiterverwendet werden oder sie sind eine günstige Alternative für Studenten oder junge Leute, die von zu Hause ausziehen möchten. Bereits im September 2019 hatten Mitglieder der Unabhängigen Wählergemeinschaft in Mering die Idee, ein Repaircafé in der Marktgemeinde einzuführen. Viele ihrer Mitglieder haben Handwerksberufe oder sind sehr geschickt. Im März 2020 fand die Veranstaltung zum ersten Mal im Papst-Johannes-Haus statt, die zweite war ein halbes Jahr später im Evangelischen Gemeindehaus. Die Besucher gaben eine Spende, die für einen sozialen Zweck bestimmt war. Der dritte Termin fand nun im Alten Wasserhaus in St. Afra statt. Aufgrund der Coronaregelungen war eine Voranmeldung nötig.

Michael Krämer tauschte die Mechanik aus, ölte sie, stellte die Gangschaltung ein und testete Alexander Beslers Fahrrad. Es ist weiterhin nutzbar. „Ich werde versuchen, es an jemanden günstig weiterzugeben, weil es für den Schrottplatz einfach zu schade ist“, freute sich der Zeitungsausträger.

Im Innenraum waren Christine Maier und Angela Bonhag für Näh- und Handarbeiten zuständig. Bei einer Kette hatten sie bereits einen neuen Verschluss angebracht und warteten auf weitere Besucher. Für Kaffeemaschinen hatte sich Willi Hell aus Landsberg gemeldet. Seit 25 Jahren repariert er schon Kaffeemaschinen. „Bei defekten Kaffeemaschinen liegt es zu 70 Prozent an Kalk im Gerät“, verriet der pensionierte Diplomingenieur der Elektrotechnik, Gründungsmitglied des 2015 in Landsberg entstandenen Repaircafés. Einmal habe er eine 20 Jahre alte Maschine eines Deutschen, der länger in England gelebt hatte, nicht mehr richten können, weil bereits die Isolierung weggebröckelt sei, erinnerte sich Hell. Aber 95 Prozent seien reparabel gewesen.

Für elektrische Geräte waren Bernhard Siegel und Michael Lerchl zuständig. Lerchl ist Handwerksmeister Elektrotechnik und Diplomkaufmann und arbeitet bei den Stadtwerken München. Fünf Termine standen an diesem Tag auf seinem Plan, ein Bügeleisen mit defektem Kabel, eine Wasserpumpe für den Garten, eine Dekupiersäge, ein Fliesenschleifgerät und ein Raclettegerät. Bei der Brunnenpumpe von Michael Steber aus Merching stellte Lerchl fest, dass der Schalter defekt sei. „Wenn sie wieder funktioniert, freuen wir uns, sie als Reserve im Keller zu haben. Das Gerät hat vor 23 Jahren 800 DM gekostet und war vor zwei Jahren plötzlich tot“, verriet Steber.

Andreas Pschenitza kümmerte sich mit Bernhard Siegel um eine defekte Nähmaschine von Dietmar Link aus Mering. Sie wollten versuchen, den lockeren Stecker für das Fußpedal mit Heißkleber zu fixieren und dann sollte die Maschine wieder einwandfrei laufen. Besonders schwierig sei es für ihn gewesen, Sachen aus Holz wie eine alte Kaffeemühle oder eine gebrochene Nähspindel zu leimen, erinnerte sich Pschenitza. Sie sollten ja auch optisch wieder schön aussehen, fügt er hinzu. Bei unbekannten Geräten müsse er versuchen, Informationen über das Internet zu bekommen, erklärte Lerchl. Manchmal sei es ein Katz- und Mausspiel, um an Schrauben zu kommen. "Die Hersteller wollen, dass es nicht repariert wird, sondern ein neues Gerät gekauft wird. Aber eine besondere Freude sind die Besucher, die mit einem Lächeln meinen Tisch verlassen", so Lechl.

Um sich die Wartezeit zu verkürzen oder voller Freude über das erfolgreich reparierte Gerät, gönnten sich die Besucher vor der Heimfahrt im Freien eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen gegen eine Spende.

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