Region: Aichach|Friedberg

Hereinspaziert „Wir sind bald ein Biohof“

Geschafft / Peter Lidl steht vor dem 1800 Quadratmeter großen Laufstall, der in über sechs Monaten verwirklicht wurde.

Die Eismacherfamilie (vorn): Richard und Sieglinde Lidl sowie die Kinder (hinten von links) Johannes, Uli und Peter.

Rund 40 Kühe der Familie Lidl haben ein neues luxuriöses Zuhause bekommen. Einige von ihnen liefern die wertvolle A2-Milch für die beliebten Hofprodukte.

Aber von vorn: 1986 übernahm Richard Lidl den Hof mit 35 Kühen vom Bruder – und konnte ihn trotz sinkendem Milchpreis erhalten. Schon immer halfen seine Frau Sieglinde und die Kinder Katja und Johannes sowie die Zwillinge Peter und Uli im Stall mit. Sie wuchsen mit dem knochenharten 24/7-Job auf. „Wir liebten es, mit den Tieren aufwachsen zu dürfen.“

2003 hieß es dann doch wegen schlechter Milchpreise: Aufgeben oder Alternative? Ein zufällig entdeckter Artikel über einen Bauernhof im Osten brachte die Idee. „Ganz grün hinter den Ohren starteten wir eine Eisproduktion und dachten, ‚super Produkt’, jeder liebt Eis“, erinnert sich Peter. Die Familie besuchte Kurse und kaufte die erste Eismaschine. Geld für Werbung hatte man nicht, der Verkauf lief nur schleppend an. „Es war doch nicht so einfach. Wir mussten kämpfen.“

Was dahintersteckt und was drinsteckt

Über Mund-zu-Mund-Propaganda und Kugelverkauf auf gut 120 Festen im Jahr bauten sich die Lidls ihre Eisproduktion und ihren Bekanntheitsgrad langsam auf. Erste Gaststätten kamen dazu und inzwischen beliefern sie Hofläden, Supermärkte und Kantinen von München und Augsburg, Nördlingen und dem Ammersee. Es wurde eine neue Produktionsstätte mit ca. 450 Quadratmetern gebaut und die Direktvermarktung war erfolgreich aufgebaut – samt wichtigem Kundenkontakt. Die Familie will, dass jeder weiß, wer hinter den Produkten steht…und was im Eis drinsteckt. Natürliche Zutaten und Früchte aus der Region.

Weder von Milchpreisen noch Corona ließ sich die Familie unterkriegen. Die leckeren Eissorten, hofeigene A2-Milch wie A2-Joghurt und Dinkel-Grieß sowie Nudeln, Wurst, Gemüse, Eier und Käse aus der Region werden seit 2020 auch im kleinen Selbstbedienungs-Hofladen verkauft. Für Spaziergänger, Anwohner und Radfahrer ein sehr beliebtes Ziel.

Vollgas geben

Die Eisproduktion lief auf Hochtouren. Neues Problem: der uralte Hof. Und nun? Weitermachen oder aufhören? „Jahrelang haben wir für unsere Zukunft hart gearbeitet. Wir wollen Vollgas geben und etwas verändern.“ Das Ergebnis: 1800 Quadratmeter Laufstall plus vier Hektar große Weide – damit haben die Lidls nun die Voraussetzungen geschaffen, sich bald „Bioland“ zu nennen! Dieser Kompoststall ist mit einer der bequemsten Ställe, aber extrem kuhfreundlich – und darum geht es der Familie ebenso wie um ihre Kunden.

Die Damen liegen auf dem Einstreumaterial weich und bequem. Hoch oben im Inneren befindet sich ein neues Büro, von welchem man den Stall überblicken kann und der computergesteuerte Melkbereich weiß anhand eines Chips ganz genau, welche genetisch getestete Kuh die handwerklich veredelte A2-Milch gibt. Diese wird auch als „Urmilch“ bezeichnet und ist für den Menschen wohl bekömmlicher.

Auch haben die Lidls ihren schwangeren Kühen eine Geburtsbox gebaut, um eine muttergebundene Kälberaufzucht zu ermöglichen. „Eine Revolution. Ich weiß nur wenige, die das haben“, so Peter.

Ein Hof in Familienhand

Natürlich bedeutet der Hof wieder sieben Tage Arbeit pro Woche, 24 Stunden am Tag – und das zusätzlich zu den eigentlichen Berufen. Aber: „Wir bereuen nichts! Wir sind stolz, dass wir unseren Hof, der seit Generationen in Familienhand ist, weiterführen dürfen und wir tun das mit voller Überzeugung. Unsere Tiere sind glücklich und wir haben ein gutes Gefühl, weil wir unseren Kunden auch in Zukunft hochwertige Produkte anbieten können.“ (sos)

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