Region: Aichach|Friedberg

Eine halbe Million für das digitale Klassenzimmer

Spaß am Lernen mit den iPads haben auch die Schüler der Ambérieuschule und zeigen hier stolz Schulleiterin Susanne Geiger und Lehramtsanwärter Lukas Zincke ihre Arbeitsergebnisse.

Viel Spaß haben die Schüler an den Meringer Grundschulen am Arbeiten und Lernen mit den iPads. Für jede Schule wurden je hundert Geräte angeschafft, die bereits im Unterricht im Einsatz sind. Einige Schüler haben solche Tablet-Computer auch zu Hause, andere sind weniger gut ausgestattet. In den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie haben Wechsel- und Distanzunterricht die Schulleiterinnen, Lehrer und Schüler der Ambérieuschule und der Luitpoldschule vor große Herausforderungen gestellt. Immer wieder galt es schnell und flexibel zu reagieren und ständig neue Unterrichtskonzepte zu erstellen. Die Notwendigkeit von „digitalen Klassenzimmern“ gewann im Pandemiegeschehen enorm an Bedeutung.

Erste Gespräche, wie der Einsatz von digitalen Medien in den beiden Grundschulen verbessert werden könne, gab es jedoch schon vor zwei Jahren im Meringer Gemeinderat. Corona hat nun alles beschleunigt und es steht eine große Maßnahme an, um in beiden Schulen alle Unterrichtsräume mit WLAN auszustatten. Der Markt Mering investiert dafür aktuell mehr als 500 000 Euro. „Insgesamt erhalten wir dafür rund 240 000 Euro Fördergelder“, informiert Bürgermeister Florian Mayer. Entsprechende Beschlussvorlagen gab es im Marktgemeinderat noch vor der Sommerpause im vergangenen Jahr und das Thema IT-Ausstattung der beiden Grundschulen wurde mit Nachdruck vorangetrieben. „Wir sehen die absolute Notwendigkeit, in die Digitalisierung zu gehen“, betont Mayer.

Die große Baumaßnahme, um beide Schulhäuser komplett mit WLAN auszustatten, sollte nach dem Wunsch der Gemeinde bereits zum neuen Schuljahr abgeschlossen sein. „Das könnte nun, nicht zuletzt auch coronabedingt, knapp werden, aber bis zum Jahresende ist durchaus realistisch.“ Bereits im November 2020 fand eine professionelle WLAN-Ausleuchtung durch ein Stuttgarter Telekommunikationsunternehmen statt. Diese ergab, dass bei Verwendung des neuesten WLAN Standards nahezu in jedem Klassenzimmer ein sogenannter Access Point, also eine Schnittstelle für kabellose Kommunikationsgeräte, benötigt wird. Die zunächst kalkulierten 25 Access Points mussten daher auf 52 Stück erhöht werden. Im Februar dieses Jahres beschloss der Gemeinderat die Ausschreibung zur strukturierten Verkabelung der beiden Grundschulen mit der geplanten Ausstattung und der pädagogischen Hardware zu starten.

Von Anfang an mit im Boot waren die beiden Schulleiterinnen, die durchaus auch Verständnis für die Verzögerungen zeigen. „Man darf nicht vergessen, dass es länger als im Privathaushalt dauert, bis die Rahmenbedingungen für das digitale Arbeiten in unserer Schule gegeben sind“, sagte Susanne Geiger, Rektorin der Ambérieu-Grundschule. „Es passiert derzeit ganz viel in unserem Haus, aber es geht eben nicht über Nacht“, weiß auch Andrea Fischer, Schulleiterin der Luitpold-Grundschule. Für Eltern sei es manchmal schwierig, die Infos, die sie aus den Medien bekommen, auf die Schule ihres Kindes zu übertragen. Da heißt es schon manchmal vorwurfsvoll: „Warum wird der Digitalpakt nicht abgerufen?“, so zitiert Susanne Geiger eine häufige Elternfrage. „Es ist ja nicht so, dass wir in den Mediamarkt gehen und zwei Geräte kaufen“, erklärt sie. „Wir haben einen Riesenbedarf und können auch nicht einfach das Kabel in die Fritzbox stecken und los geht’s“.

Auch der Umgang mit den iPads muss erst erlernt werden und das Medienkonzept der Schulen sieht vor, dass alle Klassen zunächst einen iPad-Führerschein machen. Über all der Begeisterung mit den modernen Geräten dürfe gerade in einer Grundschule das analoge Arbeiten aber nicht vernachlässigt werden, betont Andrea Fischer mit Nachdruck. „Rechnen und schreiben lernen kann man nicht virtuell“. Man müsse beim Umgang mit den neuen Medien schon unterscheiden, ob man Erstklässler vor sich habe oder eine elfte Klasse im Gymnasium. Manche Eltern könnten allerdings wenig Verständnis für die momentane Situation aufbringen, so schildern die beiden Schulleiterinnen ihre Erfahrungen. Hier gelte es immer wieder, das Gespräch zu suchen und Hintergründe zu erklären.

In der Ambérieuschule gibt es derzeit nur WLAN in den Containern und in der Schuldruckerei und auch in der Luitpoldschule gibt es außerhalb des Computerraums noch kein Internet. „Wir werden die Grundschule I noch mit einem Accesspoint ausstatten, um die Zeit bis zum neuen Schuljahr in Notfällen zu überbrücken“, informiert Bürgermeister Florian Mayer. Verzögerungen gebe es vor allem auch aufgrund der entsprechenden gesetzlichen Ausschreibungsvorgaben. Denn wegen der Höhe der Investition mussten die Leistungen EU-weit ausgeschrieben werden. (ike)

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