Region: Aichach|Friedberg

Mering bekommt die rote Laterne beim Fahrradklimatest

LeserReporter Wolfhard von Thienen aus Mering

Mering ist Schlusslicht beim Fahrradklimatest und erhält schlechteste Note in Bayern

Alle zwei Jahre führt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine deutschlandweite Umfrage durch, um festzustellen, wie die Radler die Situation in ihren Gemeinden beurteilen. Dabei werden viele Kriterien wie Sicherheit, Qualität der Fahrradwege, Winterräumdienst, Erreichbarkeit, Abstellplätze etc. abgefragt. Das Fahrradfahren hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, denn in Zeiten des Klimawandels wird zunehmend eine Wende in der Mobilitätspolitik erforderlich. So ist der Verkehrssektor auf Grund seiner starken Fixierung auf Straßenbau und Auto der Bereich, in dem der Ausstoß von Klimagasen kontinuierlich zunimmt und damit das Erreichen der Klimaziele der Bundesregierung gefährdet. Landwirtschaft, Industrie und Haushalte hingegen produzieren immer weniger Klimagase. Auch kommt der Automobilverkehr angesichts verstopfter Innenstädte, Lärm und Abgasbelastung an seine Grenzen. Statt autogerechter Städte werden menschengerchte Städte gefordert. Dabei spielt das umweltfreundliche und gesunde Verkehrsmittel Fahrrad eine Schlüsselrolle, denn die meisten Wege in den den Kommunen haben eine Länge unter 7 km. Diese Wege können von den meisten Menschen problemlos mit dem Rad zurückgelegt werden, sofern eine gut ausgestattete und sichere Fahrradinfrastruktur vorhanden ist. 

Der Fahrradklimatest ist das Fieberthermometer um festzustellen, woran es in einer Kommune krankt. Mering hat hier offenbar besondere Probleme denn der Ort schnitt bayernweit von allen Orten seiner Größenklasse am schlechtesten ab (Rang 101 von 101 bei Ortschaften unter 20.000 Einwohner). Deutschlandweit liegt Mering auf Rang 406 von 418. In der an Schulnoten angelehnten Bewertung von 1 bis 6 bekam Mering gerade mal eine Vier-Minus (4,5). Friedberg und Aichach schnitten da besser ab. In den Städten zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner belegt Friedberg Rang 19 von 49 in Bayern (Note 3,82) und Aichach Rang 25 (Note 3,93).

Wer einmal selbst durch Mering mit dem Fahrrad fuhr wird dieses Ergebnis sofort bestätigen. Viele Meringer verlangen schon seit mehr als 25 Jahren, dass der Innenort endlich verkehrsberuhigt wird. Aber Pkw, Lkw und Busse rasen nach wie vor mit einem Höllenlärm am Marktplatz vorbei obwohl Mering sogar eine Ortsumfahrung hat. Als Fahrradfahrer muss man sich an links und rechts parkenden Autos vorbeischlängeln und hoffen, dass nichts passiert. Für Kinder und ältere Menschen ist die Situation lebensgefährlich. Im ganzen Ort gibt es kaum Fahrradwege und sichere Querungen. Fahrradstellplätze gibt es nur an wenigen Stellen und Ladestationen für E-Bikes existieren nicht. 

Glücklicherweise hat Mering unter intensiver Bürgerbeteiligung ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) entwickelt. In diesem Konzept spielt die Verkehrsberuhigung und Entwtcklung eines sicheren Fahrradwegenetzes eine wichtige Rolle. Sicher, es kommt viele Jahre zu spät aber der Fahrradklimatest zeigt, dass Mering hier dringenden Handlungsbedarf hat. Dabei spielt das Geld natürlich eine wichtige Rolle, besonders für Gemeinden wie Mering, deren Geldbeutel fast leer ist. Aber Hoffnung naht denn Bundesverkehrsminister Scheuer betonte bei Vorstellung des Fahrradklimatests "Wir stellen bis 2023 eine Rekordsumme von annähernd 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Am Geld scheitert es nicht." Hoffentlich erweist sich dies dann auch für Mering als richtig.

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