Region: Aichach|Friedberg

Die Osttangente ist noch nicht vom Tisch: Aktionsbündnis fürchtet "massive Auswirkungen" für Anwohner

Freie Mitarbeiterin Heike Scherer aus Mering
Das Aktionsbündnis Keine Osttangente mit Sprecher Wolfhard von Thienen (links) und der zweiten Sprecherin Gudrun Richter (zweite von links) hatte zu einer Informationsveranstaltung über die Neuplanungen zur Osttangente eingeladen. Ortssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen Anita Schneider (rechts) erläuterte die Ziele ihrer Partei für Mering, Marktgemeinderätin Petra von Thienen sprach über eine aktuelle Umfrage zur Osttangente.

Die umstrittene Osttangente sei gestrichen, Umweltschützer könnten aufatmen, hieß es im Juni. Statt der ursprünglich geplanten Tangente von der A8 bei Derching bis zur B17 bei Oberottmarshausen soll es eine abgespeckte Variante geben. Dass diese jedoch "massive Auswirkungen", besonders auf die Bewohner von Mering St. Afra haben werde, darum ging es nun unter anderem bei einer Veranstaltung des Aktionsbündnisses "Keine Osttangente" im Meringer Wasserhaus. Im Vorfeld hatten die Mitglieder gemeinsam mit dem Bund Naturschutz ein Gespräch mit dem Staatlichen Bauamt über die Neuplanungen geführt.

„Unser Planet Erde schwebt in Lebensgefahr“, begann Gudrun Richter aus Friedberg, zweite Sprecherin des Bündnisses, die den Abend moderierte. Unter dem Begriff „Ertüchtigung“ verstehe sie die Erneuerung und Ausbesserung einer maroden Straße. Hier sei allerdings eine Steigerung des Durchflusses von Autos gemeint, erklärte sie.

Erster Sprecher Wolfhard von Thienen, erster Sprecher des 2015 gegründeten Bündnisses, stellte die aktuellen Planungen und Ziele vor. Zwischen Mering und der Autobahn A8 bei Derching soll es eine kreuzungs- und unterbrechungsfreie Schnellstraße geben. Dies wird durch kreuzungsfreie Knoten in Form von Brückenbauwerken realisiert. In Mering wird es zwei dieser Knotenbrücken geben, an der Einmündung zur Staatsstraße nach Königsbrunn und im Bereich der Kreuzung Mering Nord. Kissing wird westlich der Bahn umfahren und die AIC25 zwischen Friedberg und A8 wird vierspurig ausgebaut. Bereits jetzt verschlinge die Planung horrende Summen an Geld, die anderweitig besser angelegt wären. Acht Beschäftigte im Staatlichen Bauamt und externe Firmen arbeiteten an den Plänen und es seien bereits Grundstücke gekauft worden, so von Thienen.

Ursprüngliches Ziel der Osttangente sei eine Entlastung der B17 gewesen. Dieses Ziel werde jedoch laut Bauamt nicht erreicht. Stattdessen definiere es neue Ziele, wie von Thienen erklärte, nämlich die Entlastung der Region östlich der B2 von Schleichverkehren und die Erhöhung der Verkehrssicherheit. Das Bauamt könne allerdings keine belastbaren Zahlen für den angeblichen Schleichverkehr vorlegen und berufe sich auf Verkehrssimulationen. Damit werde das Ziel der Osttangente, wie es im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) festgeschrieben ist, nicht erreicht. Von Thienen kritisierte, dass somit die einzige und wichtigste Voraussetzung für das Projekt nicht mehr gegeben sei. „Wenn man das Ziel eines Projektes nicht erreicht, kann man nicht einfach neue Ziele aus dem Hut zaubern, das ist keine seriöse Planung und zeigt, dass die Befürworter der Osttangente nach wie vor mit allen Mitteln Gründe suchen, um dieses Straßenmonster doch noch umzusetzen“, ist seine Meinung.

Dem Aktionsbündnis zufolge, entstehe mit der Neuplanung eine Schnellstraße zwischen Mering und A8, die deutlich mehr überregionalen Verkehr anziehen und dann auch schnell wieder überlastet sein werde. Das werde letztlich dazu führen, dass die Straße weiter ausgebaut und dann auch die Lechquerung zur B17 kommen wird, so die Befürchtung. „Das Projekt ist nach wie vor als autobahnähnliche Schnellstraße im BVWP enthalten“, sagte von Thienen. „Erst wenn das Projekt aus dem BVWP gestrichen ist und auf den vierspurigen Ausbau der AIC25 zwischen Friedberg und der A8 verzichtet wird, glauben wir den Verantwortlichen, dass es bei einer Schmalspurlösung bleibt“, erklärte er.

Für Mering bedeuten die Neuplanungen, dass zwei große Kreuzungspunkte mit Brückenbauwerken entstehen sollen. Die B2 soll dabei nach wie vor auf der bestehenden Trasse östlich von St. Afra vorbeigeführt werden. Nördlich von St. Afra soll dann ein weiteres Brückenbauwerk die Bahntrasse überqueren. Auf dieser Strecke wird voraussichtlich deutlich mehr Verkehr unterwegs sein, wodurch das Aktionsbündnis eine deutlich Zunahme von Lärm und Luftverschmutzung befürchtet, insbesondere für die Einwohner von St. Afra. Man könne nach Einschätzung des Aktionsbündnisses zudem davon ausgehen, dass der Verkehr Richtung A8 bei Odelzhausen deutlich zunehmen wird.

Anstatt einer Schnellstraße schlagen die Veranstalter die Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplanes, eine punktuelle Mängelbeseitigung und zur Unfallvermeidung Tempolimits und Kontrollen vor. Die Bahn und der Gütertransport auf der Schiene müssten zugunsten des Umweltschutzes gestärkt werden. Außerdem sollte das Fahrradwegenetz erweitert und der Innerort beruhigt werden. Immer neue Straßen zu bauen, sei der falsche Weg.

Vom Klimacamp Augsburg war die 20-jährige Brandenburgerin Gwendolyn Rautenberg gekommen, um den Zuhörern die Auswirkungen steigenden Autoverkehrs auf die Umwelt vor Augen zu führen. Schadstoffe gelangten ins Trinkwasser, der CO2-Ausstoß habe sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts vervierfacht und führe zu immer mehr Wetterextremen und Umweltkatastrophen. Ein Bauprojekt sei deshalb nicht mehr zeitgemäß. Nur mit intakter Natur sei Lebensqualität möglich.

Die Ortssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Anita Schneider, erklärte, dass sie sich für sichere Fahrrad- und Fußwege in Mering und nach Augsburg und Königsbrunn, den Ausbau des ÖPNV und das 365-Euro-Ticket einsetzten. Es müsse endlich Schluss damit sein, dass der öffentliche Raum und die Straßen einzig auf den Autoverkehr ausgerichtet würden, forderte sie.

Petra von Thienen, seit 2014 Gemeinderätin der Grünen in Mering, gab die Einschätzung zu der aktuell noch laufenden Umfrage des Vereins "Mering Aktuell" zur Osttangente wieder. Die Umfrage sei einseitig auf Fragen des Autoverkehrs ausgerichtet und unterstelle, dass Straßen ausschließlich von Menschen in Autos genutzt würden. Die Umfrage vernachlässige die Anforderungen von Fußgängern, Fahrradfahrern und Nutzern des ÖPNV. Sie sei damit ungeeignet, um sich ein Meinungsbild zur Verkehrs- und Mobilitätssituation im Ort zu verschaffen. Die Umfrage sei im Vorfeld nicht mit den Vereinsmitgliedern, zu denen sie gehört, abgestimmt worden.

Das Aktionsbündnis "Keine Osttangente" plant für den 5. Oktober um 17 Uhr im Rathaus Friedberg ein Gespräch mit Bürgermeister Roland Eichmann, bei dem Verbesserungen für Friedberg vorgeschlagen werden.

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