Region: Aichach|Friedberg

Ein Werk für Mering

Der Meringer Künstler Josef Zankl mit einem Modell für einen Gestaltungswettbewerb.

Der Bildhauer Josef Zankl soll zusammen mit seinem Berufsverband den Wettbewerb für das Erinnerungsobjekt zur 1000-Jahr-Feier der Marktgemeinde ausloben.

Stipendien und Preise für seine Arbeit hat der Meringer Bildhauer Josef Zankl bereits viele erhalten. Nun wurde ihm eine besondere Aufgabe an seinem Wohnort übertragen. Es geht um die Gestaltung eines Kunstobjekts zur 2021 stattfindenden 1000-Jahr-Feier Merings. Als Mitglied des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Schwaben Nord und Augsburg soll Zankl zusammen mit Norbert Kiening an der Spitze des Regionalverbands die Auslobung eines Gestaltungswettbewerbs organisieren. So wurde es im Meringer Gemeinderat besprochen. In der Öffentlichkeit wird die von Bürgermeister Florian Mayer in die Diskussion gebrachte Idee eines Erinnerungsobjekts angesichts der angespannten finanziellen Situation kontrovers diskutiert. „Ich finde die Aktivität aber hervorragend“, sagt Josef Zankl voller Überzeugung.

Seit seinem Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München hat sich der inzwischen 66-Jährige mit viel Erfolg der Kunst gewidmet. Als Künstler könne man viel bewirken, wenn man in der Lage sei, etwas mit Unterbau zu liefern, erklärt Josef Zankl selbstbewusst. Bereits als Meisterschüler bei Professor Hans Ladner widmete er sich im Zweitstudium an der Universität München der Philosophie. "Bilderhauerei und Philosophie gehören für mich zusammen“, sagt Zankl. „Das Intellektuelle in die Kunst mit hineinzunehmen, ist mir wichtig“, betont er. Kunst und Wissenschaft zusammen in eine ästhetische Form gebracht ergeben für ihn erst ein aussagekräftiges Kunstwerk. Drei Jahre lang wurde er als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert und konnte bereits als Student im Lenbachhaus seine Werke auszustellen. „Das war schon eine Sache“, erinnert sich Josef Zankl stolz. Als Künstler richtig hofiert wurde der aus Neumarkt Stammende nach eigenen Worten bei einem einjährigen USA-Stipendium des Freistaates Bayern, das ihn 1987 nach Washington D.C. und New York führte. An seinem Wohnort, wo seine Frau Elisabeth Klopfer-Zankl die 195-jährige Tradition der Töpferei Lipp weiterführt, ist Zankl mitunter mit seiner Kunst angeeckt. Der Bildhauer erinnert an einen etwas revolutionären Entwurf für das Kriegerdenkmal vor dem Meringer Rathaus in den Jahren 1986/87. Ein Abguss des alten Denkmals zu einer leeren Hülle brachte ihm in der Marktgemeinde sogar Drohungen ein, wie er sagt. „Da hätte man mich am liebsten aus dem Ort rausgeschmissen“.

Auch der von ihm 2003 für den Meringer Marktplatz gestaltete Brunnen mit den großen versetzten Scheiben findet nicht nur Liebhaber. „Ich kann nicht anders, als das zu äußern, was in meinem Kopf stattfindet. Es wird gefährlich, wenn man diplomatisch wird“, ist Josef Zankl überzeugt. 1988 erhielt er den ersten Preis beim bundesweiten Wettbewerb „Ein Denkmal für Tschernobyl“. „Nichts von meiner Arbeit hat Staub angesetzt, alles ist nach wie vor aktuell bis ins Detail“, stellt er zufrieden fest. Es müsse eine Auseinandersetzung stattfinden, so sein Anspruch. Beim Wettbewerb für das Holocaust-Mahnmal in Berlin kam er mit seiner eingereichten Arbeit bei 2500 Beteiligten unter die ersten 15 der letzten Runde. Etwas am ursprünglichen Entwurf zu verändern, um in der Auswahl weiterzukommen, kam für ihn aber nicht in Frage. Einer seiner letzten großen Aufträge als Bildhauer war kürzlich die Innenausstattung einer kleinen Kirche bei Buttenwiesen, die im Rahmen des Projekts „Sieben Kapellen“ der Siegfried- und Elfriede-Denzel-Stiftung im Donautal errichtet wurde. In viermonatiger Handarbeit grub er mit seinem Werkzeug rund zwei Millionen Kuhlen in große Tannenholztafeln, die in den Wandoberflächen besondere Lichteffekte hervorrufen.

In Mering gehe es jetzt darum, eine Skulptur zu erschaffen, die irgendwann dann in einen räumlichen Kontext gestellt wird. Denn noch ist nicht klar, wo das Jubiläums-Kunstwerk einmal stehen wird. „Vielleicht irgendwann einmal vor einem neuen Rathaus“, spekuliert Zankl. Eine gute Plastik könne man überall platzieren, ist er überzeugt. „Wir machen das so groß wie möglich, um eine Vielfalt an Ideen zu erhalten“, erklärt er seine Vorstellungen. Eine bayernweite Ausschreibung könnte rund 120 bis 200 Bewerbungen einbringen, schätzt der Künstler. Letztendlich solle eine etwa fünf- bis siebenköpfige Jury von Künstlern, Architekten und Stadtplanern samt Bürgermeister dann auswählen, wer das Kunstwerk realisieren soll, so schlägt er vor. Als zeitlichen Rahmen rechnet Josef Zankl rund vier oder fünf Monate, bis die Rückmeldungen der Künstler da seien. Aufgrund eingereichter Fotos könne man dann etwa fünf Arbeiten favorisieren. Mering will sich das Erinnerungsobjekt rund 30.000 Euro kosten lassen. (ike)

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