Region: Aichach|Friedberg

Zeitreise in Bayerns jüdische Vergangenheit: "Mit Davidstern & Lederhose" gastiert zwei Tage in Mering

Freie Mitarbeiterin Heike Scherer aus Mering
Roman Senin (links) und Lukas Oberhuber führten die Besucher durch einige Stationen der Ausstellung "Mit Davidstern und Lederhose- Jüdische G'schichtn on Tour" über interessante jüdische Persönlichkeiten wie Levi Strauss oder Albert Einstein in Bayern.

Im Jahr 1899 zog Julius Wallach von Bielefeld nach München und eröffnete dort mit seinem Bruder Moritz das „Haus für Volkskunst und Tracht“. 1910 statten sie den Trachtenzug zum 100-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes aus und wurden vom bayerischen Königshaus zu königlich bayerischen Hoflieferanten ernannt. 20 Jahre später durften sie sogar die Kleidung für die Operette „Im weißen Rössl“ entwerfen. Die Schauspieler Roman Senin und Lukas Oberhuber eröffneten mit einem Anspiel über die beiden Brüder und über Levi Strauss die einstündige Führung für angemeldete Gruppen durch die Ausstellung „Mit Davidstern und Lederhose“ in der Mehrzweckhalle Mering. Nach drei Stationen und einem kleinen Film konnten sich die Besucher auf eigene Faust von jüdischen Jugendlichen andere interessante jüdische Persönlichkeiten in Bayern erklären lassen.

Die Präsidentin der Europäischen Janusz Korczak Akademie in München Eva Haller freute sich, dass die vom Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales im Rahmen der Radikalisierungsprävention geförderte Ausstellung nach Mering kam. Sie wird an sieben Orten in den sieben bayerischen Regierungsbezirken gezeigt. „Vorher machte sie nur Halt in Miesbach und Bamberg. Sie soll eine Zeitreise in die Vergangenheit mit viel Spaß sein“, versprach Haller.

Dem in Buttenheim bei Bamberg geborenen Löb Strauß war auch eine Station gewidmet. Sein Vater besaß ein Stoff- und Kurzwarengeschäft und er zog mit einer Kiste voller Waren durch die Straßen seines Heimatortes. Am 4. Juni 1847 ging er im Alter von 18 Jahren in die USA und gründete mit seinen Brüdern in San Francisco sechs Jahre später die Firma Levi Strauss & Co. Am 20. Mai 1853 erhielt er das Patent für die Produktion von Jeanshosen und Jeansjacken mit Nieten, die vor allem bei Goldgräbern sehr gefragt waren.

Auch Albert Einstein, Erfinder der Relativitätstheorie, zählt zu den bayerischen Juden. Die Ausstellung weist auf einen Briefwechsel mit Sigmund Freund und Albert Einstein zum Thema „Warum Krieg?“ hin. Elisabeth Block kann als die bayerische „Anne Frank“ betrachtet werden. Sie führte ebenfalls Tagebuch, was im Buch „Erinnerungszeichen“ veröffentlicht ist. Ihre Schwester Gertrude schrieb dagegen Gedichte. Obwohl die Eltern mit den beiden Mädchen und dem kleinen Sohn Arno die Ausreise beantragt hatten, wurde sie nicht genehmigt. Stattdessen mussten die Mädchen auf Bauerhöfen Zwangsarbeit leisten. Obwohl der Besitzer des Hofes sich noch für sie einsetzte, konnte er die Deportation in ein Vernichtungslager und den Tod der gesamten Familie im Jahr 1942 nicht verhindern.

„Viele jüdische Persönlichkeiten hatten Unternehmen in Nürnberg gegründet, die Brettspiele herstellten“, erzählte Anna Ushakova. Interessant war auch die Station mit Bildern über die jüdischen Feiertage wie das Laubhüttenfest, die Thoragebung oder das Passahfest und den Ablauf des Shabbat. Er beginnt am Freitagabend mit einer festlichen Mahlzeit aus Fisch und Salat, Suppe, einem Fleischgericht und Dessert und wird am Samstagmittag und -nachmittag fortgesetzt.

Ziel der „jüdischen Geschichten on Tour“ sei die Auseinandersetzung mit der Geschichte, das Einfühlen in andere Menschen und Begegnung und Austausch mit ihnen, verriet Thomas Keller aus dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. „Begegnung und Austausch ist Prävention pur“, sagte er. Rena Spiegelstein, deren Vater von Auschwitz nach Dachau marschierte und von den Amerikanern bei Feldafing befreit wurde, war auch als Besucherin in Mering. Nach dem Tode des Vaters im Jahr 1991 musste sie mitten im Jurastudium mit ihrer Mutter in deren Heimat Paris ziehen, weil sie keinen Anspruch auf Rente und Krankenversicherung des Vaters mehr hatten. Erst im Jahr 2004 kehrte sie erstmals wieder in ihre Geburtsstadt München zurück. Dort lebt und arbeitet sie seit zwei Jahren.

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