Region: Augsburger Land

Über den Sommer ist viel geschehen

In allen Räumen und Fluren im ersten und zweiten Obergeschoss wurden die Tragbalken aus massivem Eichenholz freigelegt. Stück für Stück werden sie auf ihre Statik überprüft.

Staudenschloss in Mickhausen: Die Arbeiten sind in der entscheidenden Phase. Die Sanierung des Daches und des in Schieflage geratenen Dachstuhls dauert zwei Jahre.

Fanden die bisherigen Arbeiten überwiegend hinter dicken Mauern statt, so wird der weitere Fortgang der Generalsanierung des Staudenschlosses jetzt für jedermann sichtbar. Mit dem Aufbau des Baugerüstes an der Nord- und an der Westseite der Vierflügelanlage tritt die Baumaßnahme in ihre entscheidende Phase: Die Sanierung des Daches und des in Schieflage geratenen Dachstuhls ist das Schlüssel-Gewerk der gesamten Schlosssanierung. In einem Folgeschritt nehmen sich die Zimmerer und Dachdecker anschließend die Süd- und die Ostseite vor. Denn während das Mauerwerk des Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten ehemaligen Fuggerschlosses in relativ gutem Zustand ist, sind Dachstuhl und Dachflächen das Sorgenkind der Hermann-Messerschmidt-Kulturerbe-Stiftung, die das denkmalgeschützte Ensemble 2016 erworben hat.

Seit Jahrzehnten ist das Dach undicht, Regen und Schnee haben dem Eichengebälk massiv zugesetzt. In Eimern und Wannen musste das eindringende Regen- und Schmelzwasser zuletzt aufgefangen werden. Aber auch die gesamte Statik des Dachstuhls ist in einem besorgniserregenden Zustand. „Der Dachstuhl ist im Laufe der Zeit regelrecht in die Knie gegangen“, bringt es Dr. Wolfgang Knabe, der Vorsitzende der Stiftung, auf den Punkt.

Auf sieben Etagen erstreckt sich das Baugerüst nicht nur an den beiden Außenfassaden und an der Schlosskapelle. Als Gegenstück wurden die beiden Gebäudeteile inzwischen auch im 300 Quadratmeter großen Innenhof eingerüstet. Damit die Handwerker in den kommenden zwei Jahren – solange wird die Reparatur der Dachtragwerke dauern – in luftiger Höhe einen trockenen Arbeitsplatz haben, werden Außen- und Innengerüst mit einer provisorischen Wetterschutz-Dachhaut miteinander verbunden. Die Ausschreibung für die erste Hälfte des Daches hat die Firma Denkmalbau Ettersburg aus Thüringen für sich entschieden. Architekt Matthias Götz vom Planungsbüro Bergmann in Pfaffenhofen an der Ilm, unter dessen Regie die Sanierung des Staudenschlosses läuft, kennt die Firma seit langem und schätzt ihren bedachten Umgang mit historischer Bausubstanz.

Über den Sommer ist im Inneren des Schlosses viel geschehen. Auf allen Stockwerken wurden die Deckenbalken freigelegt und dabei rund 120 Tonnen Schutt entfernt. Vor allem in der umlaufenden Gewölbedecke im Erdgeschoss entpuppte sich der Abtransport des Bauschutts aus den Zwickeln der Gewölbekappen als Schwerstarbeit. Teilweise bis zu einem Meter hoch lag hier der aufgefüllte Bauschutt. Damit das Mauerwerk durch den "Gewichtsverlust" keinen Schaden nimmt, wurden an den dicken Mauern mittels einer hydraulischen Presse und mit Gewindestangen massive Spannanker angebracht. Architekt Götz: „Wenn binnen kurzer Zeit 120 Tonnen Gewicht fehlen, dann besteht die Gefahr einer statischen Instabilität der tragenden Mauern am gesamten Gebäude.“ Diese bauprovisorische Verspannung wird messtechnisch genauestens überwacht, empfindliche Laser dokumentieren jede kleinste Bewegung des Mauerwerks. Die in allen Räumen und in allen Gängen frei gelegten Eichenbalken wurden inzwischen von Statikern Stück für Stück auf ihre Stabilität untersucht, detailliert dokumentiert und katalogisiert. Vor allem die ins Mauerwerk eingelassenen Balkenköpfe sind teilweise angefault und müssen behutsam ausgebessert werden.

Wenn das Wetter und die Genehmigungsbehörden mitspielen, dann rechnet Wolfgang Knabe dieses Jahr auch noch mit dem Beginn der Arbeiten im Parkgelände. Die Arbeiten am Renaissancegarten können allerdings erst in Angriff genommen werden, sobald der Rohbau für die Heizzentrale des gesamten Ensembles und für die angegliederte Orangerie mit Toilettenanlage steht. (wkl)

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