Region: Illertissen|Senden

Von den Tücken des (Männer-)Alltags: Michael Mittermeier in der Edwin-Scharff-Halle

Profilbild von
StaZ-Reporter Dr. Daniela Egert aus Gersthofen
Als StaZ-Reporter berichten Vereine, Organisationen und Privatpersonen. Jeder kann mitmachen.
Die wilde #13: In seinem aktuellen Programm streift der bayerische Komiker eine Fülle verschiedener Themen. Trifft er damit ins Schwarze?

Das Bühnenbild für seine aktuelle Tournee führt Mittermeier anscheinend immer selber mit: Den bunten Hintergrund im 90er-Jahre-lila ziert der Aufdruck „#13“, dies ist der schlichte Name seiner diesjährigen Tour. Vielleicht ist die 13 kein gutes Omen für den Abend. Wie der Bayer ausführt, hätten viele eine Aversion gegen diese Zahl, vor allem im Flugzeug, „so als würde immer nur die Sitzreihe 13 abstürzen“.  Soweit, so lustig. Schnell gab es dann noch zu Beginn einen kleinen Seitenhieb auf „Preußn in Lederhosen auf dem Oktoberfest“, was gar nicht ginge, denn die Herkunft oberhalb des Weißwurstäquators führt laut Michael Mittermeier zur Disqualifikation für dieses Kleidungsstück. Das war es aber schon ziemlich mit dem noch annehmbaren Humor, denn nun stürzt der beliebte Künstler leider ab, und zwar in den Bereich der Gags ziemlich weit unterhalb der Gürtellinie. Wer will oder auch nicht, erfährt beispielsweise, dass es beim Single-Sex „auf die Geschwindigkeit ankommt“. Mittermeier, der sich in seinen Anfängen viel von Jerry Lewis inspirieren ließ, erzählt etwa von Klo-Gängen, wohin Männer angeblich chronisch das Handy mitnehmen. Weil sie beim dringend nötigen Geschäft oft schnell noch was auf „Social Media“ posten. Und so ähnlich geht es weiter an diesem Abend. Das kann man zum Lachen finden, muss es aber nicht.

Was denkt sich der sonst so schlagfertige Mittermeier bei diesen Äußerungen nur? Man kennt den mittlerweile 56-jährigen, erstaunlich jung gebliebenen Comedian als leicht oder etwas mehr überdrehten Bühnenprofi, der sein Publikum mit den Tücken des Alltags auf leichte Art zu unterhalten weiß. In seinem Programm „#13“ widmet er sich allerdings ausgiebig den Niederungen des Daseins: Darmspiegelungen, Toilettengänge aller Art, die erwähnten sexuellen Gewohnheiten, wenn man ganz alleine ist, und taucht dann wieder von vorne ab in das von ihm in allen Aspekten geschilderte Thema Darmspiegelung. So als wäre er vom Bundesgesundheitsministerium beauftragt, die Notwendigkeit dieser medizinischen Kontrolle seinem teils älteren Publikum in aller Ausführlichkeit mehrfach nahezulegen. Corona hat der Comedian dieses Jahr auch durchgemacht, erfährt man am Rande. Dazwischen erfolgt, auch in Zusammenhang mit seiner - im Gegensatz zu ihm - online-tauglichen Tochter Lilly, immerhin eine nette kleine Referenz ans Internet-Zeitalter. Im großen Ganzen gehen diese positiven Eindrücke allerdings ziemlich unter. Denn dann geht es übertrieben ausführlich um ein Wespennest im Garten seines betagten Vaters, welches der Senior mit einem Industriestaubsauger bekämpft, das Rohr steckt im Wespennest, der vorbeikommende Sohn Michael echauffiert sich darüber. Was ist daran amüsant? Es gibt für die unzähligen Fans dieser US-Reihe außerdem ein paar Anspielungen auf die „Star Wars“-Filme. Weil Mittermeier dazu so gut passende Geräusche aus dem All machen kann, streut er die in der Folge leider ein bisschen zu oft ein. Und so geht es weiter, wenig unterhaltend, oft geschmacklich fragwürdig. Ziemlich unzusammenhängend sind diese Themen obendrein. Schade.

Weit nach der Pause streut „der Michel“, wie seine Frau ihn nennt, ein paar kleine Anspielungen auf die Beziehungen von Ulm und Neu-Ulm ein, und warum letzteres, wo er gerade auftritt, angeblich besser ist. Am Ende bekennt Michael Mittermeier, dass er und seine Frau, die Sängerin, von der es zum Abschied ein mundartliches Lied zu hören gibt, vier Kinder während der Schwangerschaft verloren haben. Natürlich darf man auch traurige Dinge erzählen, da, hat er recht, aber irgendwie passt das so gar nicht zum Rest seiner Botschaft. Geklatscht wird trotzdem oder eben deswegen, der bekennende Süddeutsche erhält eine Menge Zustimmung für diesen Abend in der Edwin-Scharff-Halle – die allerdings nicht ganz ausverkauft ist. Das Publikum lacht an verschiedenen Stellen und entlässt den bekannten Fernsehstar aus dem Landkreis Erding schließlich mit langem Applaus.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben
 


X