Region: Illertissen|Babenhausen

Als die Vöhlin noch in Illertissen herrschten: Neues Jahrbuch "Geschichte im Landkreis Neu-Ulm" erschienen

Der 26. Band des Jahrbuchs „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ zeigt auf dem Titel das Illertisser Schloss der Vöhlin im Jahr 1573.

Neues Jahrbuch „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ macht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verständlicher. Der 26. Band ist kürzlich erschienen.

Im neuen, 26. Band des Jahrbuches „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ reicht die Palette der Beiträge von archäologischen Befunden über kirchen- und klostergeschichtliche Abhandlungen bis zu zeitgeschichtlichen Abrissen aus dem 20. Jahrhundert. Zum besseren Verständnis vergangener Zeiten, Personen und Ereignisse, aber auch der Gegenwart und Zukunft trage die gesamte Jahrbuch-Reihe bei, würdigte Landrat Thorsten Freudenberger. „Die Heimatforscher und Historiker, die darin publiziert haben, beantworten elementare Fragen: Woher kommen wir? Worauf können wir aufbauen? Welche Lehren können wir aus der Geschichte ziehen?“

Heraussticht ein besonderes Jubiläum: Heuer vor 500 Jahren übernahmen die Vöhlin die Herrschaft über Illertissen. Hans Ranker zeichnet die Illertisser Linie des Memminger Patriziergeschlechts nach.

Ein anderes Herrschergeschlecht, das den heutigen Landkreis Neu-Ulm historisch geprägt hat, sind die Grafen von Kirchberg. Aus ihrem Hauswappen ist die sogenannte „Mohrin“ im Landkreiswappen entlehnt. Zur aktuellen Rassismus-Debatte um schwarze Krippenfiguren (vor allem im Ulmer Münster) und althergebrachte Namensgebungen (zum Beispiel „Hotel Drei Mohren“, „Mohrengasse“) steuert Peter Wischenbarth eine „kritische Betrachtung“ der Wappen-„Mohrin“ bei. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass das Wappen des Landkreises „auf keinen Fall“ geändert werden sollte.

Kontroversen gibt es immer wieder um Gefallenen-Denkmale. Ralph Manhalter erläutert, wie es im Entstehungsprozess des Kriegerdenkmals Edwin Scharffs auf dem Neu-Ulmer Schwal war.

In seinem zweiten Aufsatz im neuen Jahrbuch widmet sich Manhalter dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und zeigt auf, dass die mörderischen Verbrechen der Nationalsozialisten auch nicht vor dem heutigen Landkreis Neu-Ulm Halt machten. Er beschreibt den Weg der deportierten Altenstadter Juden aus der Marktgemeinde in die Vernichtung. Am Fall Vöhringen deckt Monika Kolb auf, wie die Nazis die kommunale Selbstverwaltung in den Jahren 1933 bis 1935 ausschalteten. Im Kontrast dazu schildert sie, dass nach dem Krieg vom „roten Vöhringen“ die Rede war.

Elchingen und Roggenburg waren und sind dagegen „schwarze“ Hochburgen. Das liegt auch daran, dass beide heutigen Gemeinden lange Zeit katholische Reichsabteien waren. Anton Aubele beleuchtet das nachbarliche Verhältnis der beiden Klosterstaaten im 18. Jahrhundert.

Interessante Geschichten aus der reichen Geschichte des Klosters Elchingen erzählen auch Pfarrer Thomas Pfundner („Marksteine und Territorialgrenzen der Reichsabtei Elchingen“) und Klara Aubele, die „Kräuter und andere gewinnbringende Gewächse rund um Elchingen zur Klosterzeit“ auftischt. Wissenswertes über die katholischen Kirchen in Vöhringen erhellt Jeanette Wischenbarth.

Der ehemalige Kreisarchäologe Richard Ambs beschreibt einen Fund eines Sondengängers auf einem Acker bei Kellmünz und die Bedeutung archäologischer Artefakte, die Fabian Hopfenzitz im Umfeld des Vöhringer Kindergartens Rappelkiste zu Tage förderte.

Der Jahresband 2020 des Jahrbuchs „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ ist erhältlich an der Kasse im Landratsamt Neu-Ulm und im Buchhandel. Außerdem kann die Publikation, die elf Aufsätze auf 125 Seiten enthält, per E-Mail an poststelle[at]lra.neu-ulm[dot]de bestellt werden. Der Stückpreis beträgt seit vielen Jahren unverändert 10 Euro. Die Auflage beträgt 1200 Exemplare. Der Landkreis hat den Druck des Jahrbuches finanziert. Die Autoren und Redakteure waren alle ehrenamtlich tätig. (pm/red)

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